Der Wille, der die Republik begründete, betrachtete Kritik als Macht. Heute wird innerhalb derselben Tradition Kritik oft ausgeschlossen.
“Dort hast du nicht nur den Feind besiegt, sondern auch das Unglück des Volkes...”
Er war nicht nur ein militärischer Sieg, sondern auch der Ausdruck des Willens eines Volkes, sein Schicksal zu ändern. Mustafa Kemal Atatürks Rede an İsmet İnönü fasste nicht nur den 2. İnönü, sondern auch die Idee der Republik zusammen.
Der 2. İnönü-Sieg, bei dem das Schicksal besiegt wurde, erinnert uns an die gleiche Verantwortung, die wir heute haben: nicht zu schweigen, zu hinterfragen und die Werte der Republik entschlossen zu schützen.
105 Jahre sind vergangen. Damals wurde gegen den Imperialismus gekämpft; heute findet im Inneren eine leisere, aber ebenso kritische Prüfung statt: eine Prüfung der Demokratie, der politischen Kultur und der institutionellen Kohärenz.
Die Kader, die die Republik gründeten, haben nicht nur den Krieg gewonnen, sondern auch einen politischen Boden geschaffen, auf dem Kritik nicht als Bedrohung, sondern als Mittel zur Entwicklung gesehen wurde. Die folgenden Worte von Mustafa Kemal Atatürk verdeutlichen dieses Verständnis:
“Wenn Sie in der Partei etwas Falsches sehen, kritisieren Sie bedingungslos”.”
Dieser Ansatz ist nicht nur die Empfehlung eines Führers, er ist auch die Grundlage des Politikverständnisses der Republik. Denn ohne Kritik gibt es keine Entwicklung, und ohne unterschiedliche Stimmen ist eine gesunde Politik nicht möglich.
Die heutigen Debatten, vor allem innerhalb der Republikanischen Volkspartei, lassen uns jedoch daran zweifeln, wie kompatibel wir mit diesem Erbe sind. Die Tatsache, dass unterschiedliche Stimmen innerhalb der Partei immer weniger hörbar werden, dass Kritik oft mit Ausgrenzungsreflexen begegnet wird und dass die Wahrnehmung von “einer Stimme” stärker wird, deutet auf ein bemerkenswertes Abdriften hin.
Die politische Praxis von İsmet İnönü basierte jedoch auch in schwierigen Zeiten auf Konsultation und Pluralismus. Das Vorhandensein unterschiedlicher Meinungen wurde nicht als Bedrohung, sondern als Element des Ausgleichs angesehen. Heute hingegen wird Kritik oft als “disziplinäres Problem” und andere Meinungen als “Verrat” bezeichnet.
Dieses Bild wirft unweigerlich die folgende Frage auf:
Warum wird eine politische Tradition, die ihr Unglück überwunden hat, intolerant gegenüber innerer Kritik?
Die aktuellen politischen Entwicklungen müssen nicht nur im Hinblick auf die Regierung, sondern auch auf den Demokratiestandard innerhalb der Opposition bewertet werden. Denn eine Struktur, die den Pluralismus in den eigenen Reihen nicht aufrechterhalten kann, wird es schwer haben, ihr Versprechen von mehr Freiheit gegenüber der Öffentlichkeit überzeugend zu vertreten.
Ist die heutige Distanzierung der Jugend von der Politik, der Rückzug kritischer Stimmen und die Schwächung des Hoffnungsgefühls nicht auch das Ergebnis dieser Introversion?
Der Geist des 2. İnönü-Sieges ist aber nicht nur ein militärischer Erfolg, sondern auch die Fähigkeit, Vernunft, Gemeinsinn und kritisches Denken auch unter schwierigen Bedingungen zu bewahren. Atatürks Forderung nach “bedingungsloser Kritik” ist genau die politische Entsprechung dieses Geistes.
Schlussfolgerung;
Das Gedenken an den 2. Inönü-Sieg ist nicht nur eine Hommage an die Vergangenheit. Dieser Sieg bietet uns auch einen Wegweiser für die Gegenwart: Ein politisches Verständnis, das keine Angst vor Kritik hat, Raum für unterschiedliche Stimmen öffnet und das demokratische Funktionieren in sich selbst stärkt.
Denn ein wirklicher Sieg wird nicht nur an der Front errungen, sondern auch durch Ideen, Kritik und Pluralismus. Das Unglück zu besiegen war ein Anfang; es zu bewahren ist die Aufgabe von heute.
