HALKWEBAutorenJuni Der Monat der Unvergessenen und Unverzichtbaren

Juni Der Monat der Unvergessenen und Unverzichtbaren

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Manche Monate haben mehr Bedeutung als nur ein Datum im Kalender. Der Juni ist ein solcher Monat für die Türkei. Er erinnert uns nicht nur an den Beginn des Sommers, sondern auch an die Schmerzen, Kämpfe und Hoffnungen, die sich in das Gedächtnis dieses Landes eingebrannt haben.

Wenn der Juni kommt, erinnern wir uns wieder an die großen Künstler, die die Stimme des Volkes waren, und an die jungen Menschen, die ihr Leben für den Traum von einem freieren und gerechteren Land verloren haben. Denn in diesen Ländern bedeutet Erinnerung nicht nur, sich an die Vergangenheit zu erinnern, sondern auch, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.

In diesem Monat jähren sich die Todestage von Nazım Hikmet, Ahmet Arif und Orhan Kemal. Sie waren nicht nur große Namen der Literatur. Sie waren auch Männer des Gewissens, die dem Schmerz, den Hoffnungen und den Kämpfen des Volkes eine Stimme gaben.

Nazım brachte die Poesie aus den Palästen in die Fabriken, auf die Felder und in die Arbeiterviertel. Ahmet Arif verewigte in seinen Versen die Armut, die Einsamkeit und den Widerstand Anatoliens. Orhan Kemal hingegen rückte die Literatur in den Mittelpunkt des Lebens, indem er die Geschichten von Menschen erzählte, die mit ihrer Arbeit leben.

Wenn ihre Werke heute noch gelesen werden, liegt das nicht nur an ihrer literarischen Kraft. Ein großer Teil der Realitäten, über die sie schrieben, hat sich nicht verändert. Die ungerechte Einkommensverteilung, die Entwertung der Arbeit, die Zukunftsängste der jungen Menschen, die Debatten über die Meinungsfreiheit und die Forderungen nach Demokratie gehören nach wie vor zu den wichtigsten Themen des Landes.

Deshalb werden die Verse von Nazım nicht alt.

Die Stimme von Ahmet Arif will nicht verstummen.

Das Volk von Orhan Kemal verlässt uns nicht.

Denn die Geschichte, die sie erzählen, ist noch nicht vollständig.

Der Juni ist auch der Monat des Gezi.

Im Juni 2013 gingen Millionen von Menschen auf die Plätze, nicht nur um einen Park zu verteidigen, sondern auch um ihren Lebensstil, die Rechtsstaatlichkeit, die Meinungsfreiheit und die demokratischen Rechte zu verteidigen. Die in jenen Tagen erhobene Stimme zeigte, dass eine Gesellschaft, die trotz ihrer Unterschiede zusammenleben kann, möglich ist.

Gezi war nicht nur ein Protest, wie er seit Jahren beschrieben wird. Es war auch eine historische Schwelle, an der die Forderungen großer Teile der Gesellschaft nach Gerechtigkeit, Freiheit und Demokratie sichtbar wurden.

Diese Schwelle hinterließ jedoch auch starke Schmerzen.

Ethem Sarısülük, Abdullah Cömert, Mehmet Ayvalıtaş und andere junge Menschen, die ihr Leben verloren haben, sind als Symbole des Kampfes dieses Landes für die Demokratie in Erinnerung geblieben. Die Tatsache, dass die Forderungen nach Gerechtigkeit trotz der Jahre, die vergangen sind, immer noch lebendig sind, zeigt, dass nicht nur die verlorenen Menschenleben, sondern auch die Fragen, die auf Antworten warten, weiter bestehen.

Regierungen können sich ändern.

Das politische Gleichgewicht kann sich ändern.

Das Gedächtnis der Gesellschaften lässt sich jedoch nicht so leicht auslöschen.

Nazıms im Exil verfasste Verse, Ahmet Arifs Sehnsucht nach seiner Heimat, Orhan Kemals Werktätige und die in Gezi aufkommende Forderung nach Freiheit sind ebenfalls Teil dieser Erinnerung.

Daher rührt die Traurigkeit im Juni.

Denn der Juni erinnert uns nicht nur daran, was wir verloren haben, sondern auch an die Werte, die uns noch fehlen: Gerechtigkeit, Gleichheit, Freiheit und Solidarität.

Wahre Loyalität besteht heute nicht mehr darin, Fotos großer Namen auszutauschen oder an Jahrestagen ein paar Sätze zu sagen.

Wahre Loyalität ist die Fähigkeit, die Werte zu verteidigen, für die sie gekämpft haben.

Es geht nicht darum, den Wunsch nach einem gerechteren Land aufzugeben.

Demokratie sollte nicht auf Wahltage beschränkt sein.

Es geht darum, die Freiheit nicht nur für uns selbst, sondern für alle zu fordern.

Der Juni ist wieder da.

Die Gedichte von Nazım, die Stimme von Ahmet Arif, die Menschen von Orhan Kemal und die Jugend von Gezi stehen wieder Seite an Seite.

Sie erinnern uns einmal mehr daran:

Die Hoffnung und die Erinnerung sind in diesem Land noch lebendig.

Und keine Stimme, die im Gewissen der Menschen lebt, ist wirklich still.

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