HALKWEBTagesordnungGibt es Demokratie, wenn es Institutionen gibt?

Gibt es Demokratie, wenn es Institutionen gibt?

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Demokratie lässt sich nicht allein an der Existenz von Institutionen messen; entscheidend ist vielmehr, zu welchem Zweck und zum Wohle wessen diese Institutionen funktionieren. Ein Land mag eine Verfassung haben, die Gerichte mögen funktionieren, Zeitungen mögen erscheinen, das Parlament mag tagen und Wahlen mögen regelmäßig stattfinden. Doch all dies bedeutet für sich genommen noch keine Freiheit und Demokratie. Denn manchmal gibt es zwar Institutionen, doch ihr Geist ist längst ausgehöhlt.

 

Im Laufe der Geschichte haben viele autoritäre Regime ihre Legitimität gerade durch diesen Anschein begründet. Die Gerichte blieben geöffnet, Zeitungen wurden gedruckt, Wahlurnen aufgestellt, und die Parlamente setzten ihre Arbeit fort. Doch all diese Strukturen haben sich von Institutionen, die den Willen des Volkes repräsentieren, zu Schaufenstern gewandelt, die den Fortbestand der Macht sichern. Von außen betrachtet erscheint Demokratie; im Inneren jedoch werden die Prinzipien, die der Demokratie Leben einhauchen, eines nach dem anderen abgeschafft.

 

Der Wert einer Rechtsordnung bemisst sich nicht allein am Vorhandensein von Gesetzen, sondern an der gleichberechtigten Anwendung der Rechtsstaatlichkeit auf alle. Wenn Gerichte beginnen, ihre Urteile im Schatten politischer Macht zu fällen, verliert das Recht seinen Charakter als Schutzschild für die Bürger und wird zu einem Instrument der Privilegien in den Händen der Mächtigen. Justizpaläste werden errichtet, doch die Gerechtigkeit selbst findet keinen Zugang.

 

Das Gleiche gilt auch für die Medien. Wenn die Pressefreiheit durch Einheitsdenken ersetzt wird, entfernen sich Zeitungen und Fernsehsender immer weiter von ihrer Rolle als Institutionen, die das Recht der Öffentlichkeit auf Information schützen. Die Medien, die eigentlich das Auge der Gesellschaft sein sollten, verwandeln sich in einen Spiegel, der nur das zeigt, was die Machthaber sehen wollen. Die Nachrichten werden zahlreicher, doch die Wahrheit schrumpft.

 

Wahlen sind das sichtbarste Gesicht der Demokratie. Doch die Einrichtung von Wahlurnen allein ist noch kein Garant für die Volkssouveränität. In einem Umfeld, in dem die Opposition unter Druck steht, die Meinungsfreiheit eingeschränkt ist und wirtschaftliche und politische Macht in bestimmten Händen konzentriert ist, können Wahlen weit davon entfernt sein, eine echte Wahlmöglichkeit darzustellen. In solchen Fällen wird die Wahlurne weniger zu einem Instrument, das den Willen der Bürger widerspiegelt, als vielmehr zu einer Legitimationszeremonie des bestehenden Systems.

 

Deshalb muss man in der Demokratiedebatte nicht nur auf die Namen der Institutionen achten, sondern auch auf deren tatsächliche Funktionsweise. Die Unabhängigkeit der Justiz, die Pluralität der Medien, faire Wahlen und die Gewährleistung der Bürgerrechte sind unverzichtbare Voraussetzungen für ein demokratisches Leben. Fehlen diese, können die Institutionen zwar bestehen bleiben, die Demokratie jedoch nicht.

 

Der Grad der Freiheit einer Gesellschaft wird nicht durch die Anzahl ihrer Institutionen bestimmt, sondern dadurch, ob diese Institutionen im Namen des Volkes, für das Volk und unter dessen Kontrolle arbeiten. Denn Demokratie existiert nicht in Gebäuden, nicht auf Schildern und auch nicht auf den Seiten von Verfassungsbüchern; sie existiert nur in dem Maße, wie sie im täglichen Leben der Bürger zum Tragen kommt.

 

Demokratie lebt nicht vom Schein, sondern von der Praxis.

 

Und manchmal ist das größte Problem eines Landes nicht der Zusammenbruch seiner Institutionen, sondern dass sie zwar nach außen hin intakt erscheinen, innerlich jedoch ausgehöhlt sind.

 

Hakan Urun

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