HALKWEBPolitikWIR HABEN DEN SCHULDIGEN GEFUNDEN! Der Niedergang einer Politik, die nicht in den Spiegel schaut

WIR HABEN DEN SCHULDIGEN GEFUNDEN! Der Niedergang einer Politik, die nicht in den Spiegel schaut

Kılıçdaroğlu beschuldigte die AK-Partei und die Justiz, eine Ära geprägt von Verantwortungsflucht, Opferpolitik und der Angst vor innerparteilichen Auseinandersetzungen

In der Politik hat sowohl die Niederlage als auch das Scheitern und der Skandal ihre eigene Moral.

Denn Politik ist nicht nur ein Kampf um die Macht, sondern auch die Kunst, Verantwortung zu übernehmen.

Wenn wir uns jedoch die aktuellen Diskussionen innerhalb der CHP ansehen, ergibt sich ein ganz anderes Bild.

Es hat sich eine solche politische Kultur entwickelt, dass;

Wenn es Erfolg gibt, sind die Verantwortlichen bekannt.

Wenn etwas schiefgeht, ist immer jemand anderes schuld.

Gibt es Korruptionsvorwürfe gegen Gemeinden?

Der Schuldige ist Kemal Kılıçdaroğlu.

Gab es Diskussionen über Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit dem Parteitag?

Der Schuldige ist Kemal Kılıçdaroğlu.

Sind Leute aus der Partei zur Staatsanwaltschaft gegangen und haben dort ausgesagt?

Schuld daran ist die AK-Partei.

Sind Gerichtsakten angelegt worden?

Der Schuldige ist der Palast.

Ist die Entscheidung gefallen?

Die Justiz ist schuldig.

Stellen wir doch einmal eine Frage:

Gibt es in dieser Partei denn niemanden, der Verantwortung übernimmt?

Hat denn noch nie jemand einen Fehler gemacht?

Wurden denn nie falsche Entscheidungen getroffen?

Wurde denn nie gegen die politische Ethik verstoßen?

Stimmt ja…

Der Beschwerdeführer ist Mitglied der CHP.

Der Dokumentenaussteller ist Mitglied der CHP.

Ein Mitglied der CHP, das aussagt.

Ein CHP-Mitglied, das Einspruch erhebt.

Ein CHP-Mitglied, das den Parteitag als umstritten bezeichnet.

Aber die Schuld liegt bei anderen…

Diese Denkweise ist mittlerweile nicht mehr nur ein politischer Abwehrmechanismus, sondern hat sich geradezu zu einer institutionellen Mentalität entwickelt.

Denn manchmal will man die Wahrheit einfach nicht sehen.

Die Wahrheit tut weh.

Die Realität fordert Rechenschaft.

Das bringt echte Verantwortung mit sich.

Deshalb ist es einfacher, Slogans zu entwickeln.

Es ist einfacher, sich Feinde zu schaffen.

Es ist einfacher, Schuldige zu finden.

Die Geschichte der Politik hat uns jedoch eines gelehrt:

Wer ständig anderen die Schuld gibt, wird letztendlich unter dem Gewicht seines eigenen inneren Verfalls zusammenbrechen.

Rom wurde nicht von den Barbaren zerstört.

Zuerst verfaulte es von innen.

Das Osmanische Reich wurde nicht von äußeren Feinden zu Fall gebracht.

Zuerst brachen die Institutionen zusammen.

Das gilt auch für politische Parteien.

Eine Partei wird nicht von ihren Gegnern zerstört, sondern dadurch, dass sie vor ihren eigenen Realitäten die Flucht ergreift.

Genau darin liegt heute das Hauptproblem der CHP.

Ein politischer Reflex, bei dem man, wenn ein Gerichtsverfahren läuft, nicht zuerst fragt: “Warum wurde dieses Verfahren eingeleitet?”, sondern direkt die Frage stellt: “Wer führt hier eine Operation gegen uns durch?”.

Denn der Begriff „Operation“ ist bequemer als Selbstkritik.

Es ist einfacher, eine Leidensgeschichte zu erzählen, als Rechenschaft abzulegen.

Und leider ist genau das der politische Ton, der in den letzten Jahren in der Führung der CHP vorherrschte.

Immer das Opfer.

Immer im Visier.

Ständig unter Belagerung.

Aber aus irgendeinem Grund ist er nie der Schuldige.

Genau aus diesem Grund ist die heutige Krise keine Rechtskrise;

Es handelt sich um eine Krise der Denkweise.

Es handelt sich um eine Verantwortungskrise.

Und vor allem…

Es handelt sich um eine Konfrontationskrise.

Wenn es keinen Verdacht gibt, warum dann die Angst?

Eine Analyse der Debatten auf dem Parteitag

Das Interessanteste an der Politik ist Folgendes:

Es ist weniger das, was ein Mensch sagt, als vielmehr die Art und Weise, wie er darauf reagiert, die die Wahrheit ans Licht bringt.

Wenn wir uns die aktuellen Diskussionen um den Parteitag der CHP ansehen, wird genau das deutlich.

Monatelang wurde der Öffentlichkeit Folgendes erzählt:

“Der Parteitag ist völlig sauber.”

“Es gibt keinerlei Verdacht.”

“Alle Behauptungen sind Lügen.”

Warum dann all diese Wut?

Warum diese Panik?

Warum diese Aggressivität?

Wenn ein Parteitag wirklich über jeden Zweifel erhaben ist, warum sollte man sich dann vor einer Untersuchung fürchten?

Ein unschuldiger Mensch hat keine Angst vor einer Untersuchung.

Eine integre Organisation hat keine Angst vor einer Prüfung.

Ein Politiker mit sauberen Händen hat keine Angst vor einer Überprüfung.

Denn er weiß, dass sich letztendlich seine eigene Rechtfertigung herausstellen wird.

Das Bild, das sich uns in letzter Zeit bietet, sieht jedoch ganz anders aus.

Noch bevor das Verfahren abgeschlossen war, gerieten die Gerichte ins Visier.

Die Richter wurden angeklagt.

Die Staatsanwälte wurden angeklagt.

Staatliche Stellen wurden beschuldigt.

Noch bevor das Urteil überhaupt gefällt worden war, wurde bereits das Urteil selbst kritisiert.

Diese Situation wirft unweigerlich folgende Frage auf:

Ist es wirklich das Gericht, vor dem man Angst hat?

Oder vielleicht die Tatsachen, die ans Licht kommen könnten?


Vorsicht...

Diese Unterlagen wurden nicht von der AK-Partei erstellt.

Diese Behauptungen stammen nicht vom Palast.

Diese Aussagen stammen nicht von der Justiz.

Im Gegenteil.

Zu Beginn dieses Prozesses gibt es Aussagen von CHP-Mitgliedern.

Sie haben ihre eigenen Zeugen.

Sie haben ihre eigenen Einwände.

Sie haben ihre eigenen Beschwerden.

Das heißt, die heutige Debatte findet eigentlich nicht zwischen der CHP und der AK-Partei statt.

Eine Abrechnung der CHP mit ihrem eigenen Gewissen.

Doch man versucht, diese Abrechnung zu vertuschen.

Denn wenn bestimmte Tatsachen ans Licht kommen, werden die seit Jahren aufgebauten politischen Narrative zusammenbrechen.

Die Heldengeschichten, die seit Jahren erzählt werden, werden sich in Luft auflösen.

Der seit Jahren gepflegte Legitimitätsdiskurs wird in Frage gestellt werden.

Das ist die eigentliche Angst.


Im Laufe der Geschichte haben alle politischen Systeme denselben Fehler begangen.

Sie versuchten, sich nicht mit rechtlichen Mitteln, sondern mit der Macht der Masse zu verteidigen.

Es versammelten sich Menschenmengen.

Sie haben Kundgebungen abgehalten.

Sie riefen Parolen.

Doch kein Slogan konnte ein Dokument vernichten.

Keine Menschenmenge konnte diese Akte vernichten.

Keine Propaganda konnte die Wahrheit ersetzen.

Auch heute hat sich nichts geändert.

In den sozialen Medien können Tausende von Beiträgen geteilt werden.

Im Fernsehen könnte man stundenlang darüber berichten.

Parteiführer können von der Tribüne aus lautstark sprechen.

Aber letztendlich prüfen Gerichte keine Parolen, sondern Akten.

Er befasst sich nicht mit Schlagzeilen, sondern mit Beweisen.

Er prüft nicht die Wahrnehmung, sondern die Unterlagen.

Genau das ist es, was bestimmte Kreise wirklich stört.


Noch auffälliger ist jedoch der Widerspruch in ihrem Demokratieverständnis.

Wenn sie die Wahl gewinnen, ist das der Wille des Volkes.

Wenn man sie befragt, kommt es zu einem Staatsstreich.

Das Recht kommt zum Tragen, wenn es ihnen passt.

Vormundschaft, wenn es ihnen nicht passt.

Wenn sie gewinnen, gibt es ein Fest der Demokratie.

Wenn sie verlieren, ist das eine politische Manöver.

Dieser Ansatz ist kein demokratischer Reflex.

Dieser Ansatz ist das Ergebnis einer Sichtweise, die Politik als persönliches Eigentum betrachtet.

Doch Demokratie ist kein System, das man nur an dem Tag verteidigen muss, an dem man gewinnt.

Auch die Tage, an denen man verliert, müssen verteidigt werden.

Auch Entscheidungen, die einem nicht gefallen, müssen verteidigt werden.

Denn echte Demokraten verteidigen nicht nur die Ergebnisse, sondern auch die Regeln.

Genau das fehlt in der heutigen Debatte.

Vertrauen in Regeln statt Loyalität gegenüber Personen.

Loyalität gegenüber Personen statt Prinzipien.

Politische Zugehörigkeit statt Vertrauen in das Recht.


Die Frage ist folgende:

Wenn doch alles so klar ist, warum gibt es dann so viel Wut?

Warum herrscht so viel Angst?

Warum gibt es so viele Angriffe?

Und warum werden gerade diejenigen ins Visier genommen, die mehr über das Gerichtsverfahren sprechen als über das Gerichtsverfahren selbst?

Vielleicht liegt die Antwort genau hier.

Denn manchmal fürchten sich die Menschen nicht vor der Wahrheit selbst, sondern davor, dass sie ans Licht kommt.

Und manchmal sind es gerade diejenigen, die am lautesten sprechen, die sich in Wirklichkeit am meisten Sorgen machen.

Genau diese Sorge steht im Mittelpunkt der Debatte auf dem Parteitag.

Es handelt sich nicht um ein Gerichtsurteil.

Die Angst vor einer Konfrontation.

Die Angst, Rechenschaft ablegen zu müssen.

Und die Angst vor dem Zerfall der seit Jahren etablierten politischen Strukturen.

WAS KILIÇDAROĞLU ANGEHANDELT WURDE:

Von der politischen Säuberung zur Erzeugung von Sündenböcken

In der Geschichte der Politik gibt es eine unveränderliche Regel:

Wenn eine Regierungsgruppe Fehler macht, spricht sie zunächst nicht von den Verantwortlichen, sondern von Sündenböcken.

Denn Verantwortung zu übernehmen ist schwer.

Es ist schwer, Rechenschaft abzulegen.

Es fällt schwer, zuzugeben, dass man sich geirrt hat.

Stattdessen ist es viel einfacher, sich ein Ziel zu setzen.

Der Schuldige wird ausgewählt.

Alle Augen richten sich auf ihn.

Alle Misserfolge werden ihm angelastet.

Alle Krisen gehen auf sein Konto.

Genau das geschieht heute innerhalb der CHP gegenüber Kemal Kılıçdaroğlu.


Stellen Sie sich vor…

In der Zeit nach den Wahlen 2023 wurde nicht nur politische Kritik geäußert.

Es wurde quasi eine systematische Säuberungsaktion durchgeführt.

Eine Persönlichkeit, die jahrelang den Vorsitz innegehabt hatte, wurde plötzlich zur Ursache aller Probleme der Partei erklärt.

Die Wahl war verloren.

Schuld ist Kılıçdaroğlu.

Die Organisation war aufgelöst worden.

Schuld ist Kılıçdaroğlu.

In den Gemeinden war eine Krise ausgebrochen.

Schuld ist Kılıçdaroğlu.

Der Parteitag war umstritten geworden.

Wieder einmal ist Kılıçdaroğlu der Schuldige.

Es war, als wären alle auf der Party Kinder.

Es war, als hätte eine einzige Person alle Entscheidungen getroffen.

Als ob diejenigen, die heute von den Rednerpulteln sprechen, im Fernsehen Kommentare abgeben oder in den Fluren der Parteizentrale umhergehen, in der Vergangenheit keinerlei Verantwortung getragen hätten.

Die Realität sieht jedoch ganz anders aus.

Ein Großteil derjenigen, die heute Kılıçdaroğlu angreifen, war jahrelang an seiner Seite in der Politik tätig.

Er stand auf seinen Listen.

Dank seiner Befugnisse bekleidete er dieses Amt.

Unter seiner Führung wurde er Abgeordneter.

Er wurde Bürgermeister.

Er wurde Parteiführer.

Jetzt versuchen sie, die ganze Schuld auf eine einzige Person abzuwälzen.

Das ist keine politische Kritik.

Das ist politische Undankbarkeit.


Noch interessanter ist jedoch Folgendes:

Monatelang wurden heftige Kampagnen gegen Kılıçdaroğlu geführt.

Beleidigungen wurden ausgestoßen.

Es kam zu Beleidigungen.

Die Kultur des politischen Lynchmords wurde normalisiert.

Die abweichenden Stimmen innerhalb der Partei wurden zum Schweigen gebracht.

Es wurde über Auslieferungsersuchen gesprochen.

Die Liquidationslisten wurden erstellt.

Menschen wurden in den sozialen Medien an den Pranger gestellt.

Und während all dies geschah, hieß es, es geschehe im Namen der Demokratie.

Heute jedoch sprechen dieselben Kreise von Recht, Gerechtigkeit und politischer Höflichkeit.

Man kommt nicht umhin, sich das zu fragen:

Wo war gestern die Gerechtigkeit?

Wo war gestern das Recht?

Wo war gestern die politische Höflichkeit?


Im Laufe der Geschichte haben alle Revolutionen und alle politischen Bewegungen dieselbe Bewährungsprobe durchlaufen.

Diejenigen, die in der Opposition nach Freiheit verlangten, konnten Kritik nicht ertragen, als sie an die Macht kamen.

Diejenigen, die Demokratie wollten, versuchten, andere Stimmen zum Schweigen zu bringen.

Diejenigen, die Gerechtigkeit forderten, wandten in ihrem eigenen Umfeld andere Rechtsnormen an.

Denn oft ging es nicht um Prinzipien, sondern um Macht.

Genau das steht auch im Mittelpunkt der aktuellen Debatte innerhalb der CHP.

Ist das Prinzip wichtig?

Oder etwa parteiisch?

Ist das Recht wichtig?

Oder doch das Siegerteam?

Ist Demokratie wichtig?

Oder vielleicht doch ein Sessel?

Ohne Antworten auf diese Fragen ist eine Lösung der Krise nicht möglich.


Hier zeigt sich der größte Widerspruch.

Einerseits wird behauptet, Kılıçdaroğlu sei politisch am Ende.

Andererseits wird er für jedes Ereignis verantwortlich gemacht.

Einerseits wird behauptet, es sei wirkungslos.

Andererseits wird behauptet, er sei die treibende Kraft hinter jeder Entwicklung.

Einerseits wird gesagt, es sei unwichtig.

Andererseits wird die gesamte Energie darauf verwendet, dagegen anzukämpfen.

Schon dieser logische Widerspruch allein sagt viel aus.

Denn eigentlich geht es gar nicht um Kılıçdaroğlu.

Es geht um das politische Gedächtnis, für das er steht.

Es geht um die Unternehmenskultur, für die er steht.

Es geht um die Vergangenheit, für die er steht.

Und der Wunsch bestimmter Kreise, genau mit dieser Vergangenheit abzurechnen.


Doch dabei wird eine wichtige Tatsache übersehen.

Die Geschichte handelt nicht von denen, die zum Sündenbock erklärt wurden;

Er schreibt auch über diejenigen, die andere zu Unrecht an den Pranger stellen.

Was heute unter Applaus abgewickelt wird, kann morgen zu einer Schandfleck werden.

Wer heute als Held gefeiert wird, kann morgen schon in Frage gestellt werden.

Was heute als politisches Drama inszeniert wird, kann morgen schon wieder gelöst sein.

Aber eines bleibt unverändert:

Keine Partei kann ihre Zukunft aufbauen, indem sie ihre Vergangenheit zum Feind erklärt.

Keine Bewegung kann wachsen, ohne ihr eigenes Gedächtnis auszulöschen.

Und keine politische Führung kann sich vor der Geschichte rechtfertigen, indem sie die gesamte Verantwortung einer einzigen Person zuschreibt.

Denn am Ende stellt die Geschichte folgende Frage:

“Wenn er schon der Schuldige war…

”Und wo waren Sie zu dieser Zeit?“

Hat die Justiz die CHP in eine Krise gestürzt, oder hat sich die CHP selbst ins Unglück gestürzt?

Am Ende aller großen politischen Krisen landet man immer wieder am selben Punkt.

Vor einen Spiegel.

Denn der wahre Gegner einer Bewegung ist manchmal nicht die gegnerische Partei.

Manchmal sind die eigenen Widersprüche der wahre Gegner.

Genau das ist die Krise, in der sich die CHP derzeit befindet.

Eine Partei, die seit Jahren die Regierung kritisiert, ist nun nicht in der Lage, auf die Fragen zu antworten, die innerhalb der eigenen Reihen aufkommen.

Eine Partei, die jahrelang Rechenschaft eingefordert hat, fühlt sich nun durch die Fragen, die an sie gerichtet werden, verunsichert.

Eine Partei, die seit Jahren Transparenz fordert, bezeichnet nun die Hinterfragung ihrer internen Abläufe als “Angriff”.

Genau darin liegt der Kern der Krise.


Die Geschichte, die heute der Öffentlichkeit erzählt wird, lautet wie folgt:

“Die CHP steht unter Beschuss, weil sie sehr stark ist.”

Es gibt jedoch noch eine andere Möglichkeit.

Vielleicht steht die CHP gar nicht unter Beschuss.

Vielleicht ächzt die CHP unter der Last ihrer inneren Widersprüche.

Vielleicht liegt das Problem nicht draußen, sondern drinnen.

Vielleicht stehen die seit Jahren aufgeschobenen Abrechnungen nun unmittelbar bevor.

Denn keine politische Struktur kann sich auf Dauer vor ihren eigenen Realitäten verstecken.

Keine Organisation kann gegen den Willen ihrer Basis bestehen.

Keine Regierung kann dauerhafte Legitimität erlangen, indem sie ihre eigenen Mitarbeiter zum Schweigen bringt.


In den letzten Jahren haben wir bei jeder Krise innerhalb der CHP denselben Reflex beobachtet.

Es ist ein Problem aufgetreten.

Zuerst wurde es geleugnet.

Dann wurde er unterschätzt.

Dann wurde der Ausnahmezustand verhängt.

Anschließend wurde er für schuldig befunden.

Zuletzt wurde eine Leidensgeschichte geschrieben.

Dieser Kreislauf wiederholte sich immer wieder.

Aber in keinem davon wurde die eigentliche Frage gestellt:

“Wie sind wir hierhergekommen?”

Denn sobald diese Frage gestellt wird, werden alle festgefahrenen Vorstellungen über den Haufen geworfen.

Alle Slogans verschwinden.

Alle Propagandasätze verlieren ihre Bedeutung.

Und zurück bleibt nur die nackte Wahrheit.


Politik ist eine Kunst der Verantwortung.

Wenn es heute in den Gemeinden zu Auseinandersetzungen kommt, gibt es dafür Verantwortliche.

Wenn heute über Parteitage diskutiert wird, gibt es dafür Verantwortliche.

Wenn es heute in den Organisationen Unstimmigkeiten gibt, gibt es dafür Verantwortliche.

Wenn das Vertrauen innerhalb der Partei heute erschüttert ist, gibt es dafür Verantwortliche.

All dies auf äußere Kräfte zurückzuführen, bedeutet, die Politik zu einem Kinderspiel zu machen.

Denn erwachsene Politiker suchen keine Ausreden.

Er übernimmt Verantwortung.

Es ist leicht, dem Staat die Schuld zu geben.

Es ist leicht, der Justiz Vorwürfe zu machen.

Es ist leicht, dem Gegner die Schuld zu geben.

Das Schwierige ist, in den Spiegel zu schauen.

Das Schwierige ist, sich zu fragen: “Wo haben wir einen Fehler gemacht?”.

Genau hier beginnt die echte Politik.


Vielleicht ist dies heute die eigentliche Weggabelung, vor der die CHP steht.

Erste Möglichkeit:;

Jeden Kritiker als Verräter zu bezeichnen.

Jeden Fall als Einsatz betrachten.

Jede Entscheidung als Putsch zu bezeichnen.

Jede Frage als Feindseligkeit auffassen.

Kurz gesagt: sich hinter der Opferrolle verstecken.

Die zweite Möglichkeit ist:;

Selbstkritik üben.

Sich seinen Fehlern stellen.

Das erschütterte Vertrauen wiederherstellen.

Sich nicht vor der Verantwortung drücken.

Und erneut institutionelle Legitimität zu schaffen.

Der erste Weg bringt Beifall.

Der zweite Weg verschafft Ansehen.

Der erste Weg führt zu Menschenansammlungen.

Der zweite Weg schafft Geschichte.


Im Laufe der Geschichte haben alle großen politischen Bewegungen dieselbe Bewährungsprobe bestanden.

Diejenigen, die versuchten, ihre Kritiker zum Schweigen zu bringen, haben an Ansehen verloren.

Diejenigen, die sich selbst ins Gesicht sehen konnten, sind erwachsen geworden.

Denn Demokratie bedeutet nicht nur, Wahlen zu gewinnen.

Demokratie bedeutet, Rechenschaft abzulegen.

Demokratie bedeutet, Kritik ertragen zu können.

Demokratie bedeutet, seine eigenen Fehler eingestehen zu können.

Genau das fehlt heute.


Und schließlich bleibt nur noch eine Frage offen:

Wenn der ganze Schuldige Kılıçdaroğlu ist…

Wenn die AK-Partei allein schuld ist…

Wenn die Justiz allein schuld ist…

Wenn der Staat allein schuld ist…

Wer sind denn nun diejenigen, die die Partei seit Jahren leiten?

Wer hat die Befugnis?

Wer ist dafür verantwortlich?

Wer muss Rechenschaft ablegen?

Das ist die Frage, die es zu beantworten gilt.

Denn keine politische Bewegung kann sich auf Dauer behaupten, indem sie ständig anderen die Schuld gibt.

Eines Tages wird er sich zwangsläufig vor den Spiegel stellen müssen.

Und wenn dieser Tag kommt, zählen nicht Slogans, sondern Fakten.

Nicht die Menge, sondern das Gewissen spricht.

Es ist keine Propaganda, sondern die Geschichte spricht.

Die Geschichte kommt jedoch immer zu demselben Urteil:

Bewegungen, die sich ihren eigenen Fehlern nicht stellen können, werden letztendlich unter ihren eigenen Fehlern begraben.

Und vielleicht ist das größte Problem, vor dem die CHP heute steht, gar kein Gerichtsurteil.

Es handelt sich nicht um eine Parteitag-Debatte.

Es handelt sich nicht um einen politischen Streit.

Das eigentliche Problem ist dieses:

Haben wir noch den Mut, bei der Suche nach dem Schuldigen in den Spiegel zu schauen?

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