In der Politik werden zwischenmenschliche Beziehungen und politische Meinungsverschiedenheiten oft miteinander verwechselt. Dabei bedeutet die Zuneigung zu einem Menschen nicht, dass man mit all seinen politischen Entscheidungen einverstanden sein muss.
Ich kenne Veli Ağbaba schon seit vielen Jahren. Wir haben schon oft am selben Tisch gesessen und unser Brot geteilt. In meinen Augen war er immer ein stilvoller, aufrichtiger und freundlicher Politiker. Deshalb wäre es gelogen zu sagen, dass es mir nichts ausgemacht hätte, die Vorwürfe und Gerüchte zu verfolgen, die in letzter Zeit über ihn aufkamen.
Natürlich ist Politik eine Angelegenheit der Öffentlichkeit, und Kritik ist ein natürlicher Bestandteil davon. Doch in den letzten Jahren ist es – insbesondere durch den Einfluss der sozialen Medien – sehr viel einfacher geworden, über Menschen zu urteilen. Es wird eine Behauptung aufgestellt, und schon setzt ein Lynchmechanismus ein, ohne dass geprüft wird, ob sie der Wahrheit entspricht.
Dass heute über den Ausschluss von Veli Ağbaba gesprochen wird, gibt in dieser Hinsicht Anlass zum Nachdenken. Wenn die Vorwürfe zutreffen, muss entsprechend gehandelt werden; sind sie jedoch falsch, muss das Ansehen der Betroffenen gewahrt bleiben. Was mich jedoch betrübt, ist, dass eine Persönlichkeit, die ihr Leben der Politik gewidmet hat, in den Mittelpunkt dieser Diskussionen gerückt ist.
Ich wünschte, es wäre nicht so weit gekommen. Denn in der Politik sind Meinungsverschiedenheiten vergänglich, doch die Freundschaften und Erinnerungen, die die Menschen hinterlassen, sind von Dauer
@veliagbaba @CHPfüralle
