HALKWEBAutorenFrauen sind die Köpfe, nicht die Arme der Politik

Frauen sind die Köpfe, nicht die Arme der Politik

Halten wir einen Moment inne und denken nach. Haben Sie schon einmal von “Männerarmen” gehört?

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Der 8. März ist kein Tag, an dem Frauen Blumen geschenkt werden.
Der 8. März ist ein Tag des Gedenkens an den Kampf der Frauen für gleiche Rechte, faire Arbeitsbedingungen und Mitsprache in der Gesellschaft.

Der 8. März ist aber auch der Tag, an dem sich die Gesellschaften die folgende Frage stellen;
Sind Frauen wirklich gleichberechtigt?

Um die Antwort auf diese Frage zu erkennen, bedarf es keiner langen Forschung. Schauen Sie sich einfach die Organisationsstruktur der Politik an. Denn viele politische Parteien haben immer noch das gleiche Konzept: Frauenabteilungen.

Halten wir einen Moment inne und denken nach.

Haben Sie schon einmal von “Männerarmen” gehört?

Sie können es nicht hören. Denn die meisten Parteien sind bereits von Männern geführte Strukturen. Männer machen Politik, treffen Entscheidungen, bestimmen die Strategie. Frauen bekommen einen eigenen Titel. Eine eigene Abteilung. Ein eigenes Feld.

Natürlich ist diese Struktur aus einer Notwendigkeit heraus entstanden. Viele Jahre lang war es für Frauen in der Türkei nicht einfach, in die Politik zu gehen. Die Beziehungen innerhalb der Parteien, die Netzwerke und die Art und Weise, wie Politik gemacht wird, waren oft von der von Männern geschaffenen Welt geprägt. Aus diesem Grund wurden separate Strukturen geschaffen, um Frauen innerhalb der Parteien zu organisieren.

Doch im Laufe der Zeit hat sich das Bild gewandelt.

Frauen sind nicht mehr nur Wählerinnen, sie sind zu einflussreichen Akteurinnen in Wissenschaft, Wirtschaft, Bürokratie und öffentlicher Verwaltung geworden. Ihr Bildungsniveau ist gestiegen, ihre Präsenz im Arbeitsleben hat zugenommen, und ihre Forderung nach Vertretung in Entscheidungsprozessen hat sich verstärkt.

Diese Struktur, die geschaffen wurde, um einen Platz für Frauen in der Politik zu schaffen, ist heute zu einem System geworden, das Frauen in den meisten Orten vom Zentrum der Politik fernhält.

Schauen Sie sich einen Parteitag genau an. Die meisten Redner auf der Bühne sind Männer. In den Räumen, in denen die Strategie diskutiert wird, sind die Männer in der Mehrheit. Kandidatenlisten, Machtverhältnisse und Ausrichtungen werden oft an diesen Tischen festgelegt.

Die Zweigstellen der Frauen sind die meiste Zeit im Einsatz.
Organisiert Veranstaltungen.
Macht einen Besuch.
Organisiert die Organisation.

Mit anderen Worten: Sie trägt die Last der Politik, steht aber oft nicht im Zentrum der Entscheidungsfindung.

Das zeigen auch die Zahlen.
Der Anteil der weiblichen Abgeordneten in der Großen Nationalversammlung der Türkei liegt bei etwa 20 %. In den Parteiverwaltungen ist dieser Anteil oft noch niedriger.

Dies ist nicht nur eine Frage der Zahlen. Es geht um die Kultur der Politik.

Lange Zeit war die Politik in der Türkei ein Bereich, der von Männern gegründet und von Männern regiert wurde. Politische Karrieren verliefen oft über nächtliche Treffen, intensive Beziehungsnetze und innerparteiliche Machtkämpfe. Diese Struktur machte es Frauen schwer, in die Politik einzusteigen.

Ursprünglich wurden die Frauenverbände gegründet, um dieses Hindernis zu überwinden. Heute jedoch sendet dieselbe Struktur manchmal ungewollt eine andere Botschaft aus: Die eigentliche Politik ist hier, ihr steht dort drüben.

Politik ist jedoch keine Frage der Organisation.
Politik ist ein Geschäft der Entscheidungsfindung.

Wie die Wirtschaft eines Landes geführt wird, wie das Bildungssystem aussieht, welche Richtung die Außenpolitik einschlagen wird... All das wird an diesen Entscheidungstischen festgelegt.

Wenn Frauen die Hälfte der Gesellschaft ausmachen, sollten sie auch an der Hälfte dieser Tische sitzen.

In einigen Teilen der Welt werden unterschiedliche Methoden angewandt, um dieses Problem zu lösen. So wendet beispielsweise die schwedische Sozialdemokratische Partei Systeme an, die eine ausgewogene Vertretung von Frauen und Männern auf den Kandidatenlisten vorsehen. Viele europäische Parteien verfügen über Geschlechterquoten oder Mechanismen der paritätischen Vertretung.

Es ist also nicht nur eine Frage des Organisationsmodells.
Es ist eine Frage der Mentalität.

Die vielleicht einfachste Frage, die man sich am 8. März stellen sollte, lautet: Wenn die Politik wirklich egalitär ist, warum gibt es dann noch “Frauenabteilungen”?

Frauen sind nicht der Arm der Politik.
Sie ist das Gehirn und das Gewissen der Politik.
Das politische Gehirn sitzt nicht in einem separaten Raum, sondern am Entscheidungstisch.

Deshalb muss nicht diese Unterscheidung namens “Frauenbranche”, sondern diese Schande abgeschafft werden.

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