Es war einmal eine unverzichtbare Tradition im April: Der Eurovision Song Contest.
Wir versammelten uns als Familie vor dem Fernseher und verfolgten die stundenlangen Abstimmungen mit großer Spannung: “Ich frage mich, wie viele Punkte die Türkei wohl bekommen wird”, war der gängige Satz fast im ganzen Land. In jenen Jahren war die Eurovision nicht nur ein Musikwettbewerb, sondern auch ein kulturelles Treffen, ein gemeinsames Erlebnis und eine Bühne für die Diplomatie.
Die Lieder waren wirklich einprägsam. Die Melodien waren stark, die Texte waren aussagekräftig und die Orchester spielten live. Zu dieser Zeit berührten wichtige Namen der türkischen Musik direkt oder indirekt die Eurovisionsbühne.
Namen wie Timur Selçuk und Garo Mafyan, die für musikalische Tiefe stehen,
Große Komponisten wie Onno Tunç waren Teil dieser musikalischen Atmosphäre.
Das Eurovisionsabenteuer der Türkei hat viele denkwürdige Lieder hervorgebracht.
“Seninle Bir Dakika”, gesungen von Semiha Yankı, war eines der ersten denkwürdigen Lieder der Türkei im Wettbewerb.
1980 betrat Ajda Pekkan mit ’Pet'r Oil“ die Bühne; die Zapfsäulen im Clip des Liedes wurden zu einem der Symbole der Popkultur jener Jahre.
Im Jahr 1985 sorgte Mazhar Fuat Özkan mit ’Diday Diday Day“ für eine große Energie auf der Bühne.
1997 belegte Şebnem Paker mit ’Dinle“ den dritten Platz und bescherte der Türkei damit ihren bis dahin größten Erfolg.
Und schließlich war der historische Moment gekommen.
Im Jahr 2003 gewann Sertab Erener mit “Everyway That I Can” den Eurovision Song Contest. Die Türkei belegte zum ersten Mal den ersten Platz. Ein Jahr später wurde der Wettbewerb in Istanbul ausgetragen. Dies war nicht nur ein musikalischer Erfolg, sondern auch ein wichtiger Moment für die kulturelle Sichtbarkeit der Türkei.
Ein weiterer Aspekt der Eurovision war, dass sie politische und kulturelle Gleichgewichte aufzeigte. Welches Land wem Punkte gab und wer nicht... Die Punkte, die Griechenland Zypern und die skandinavischen Länder einander gaben, wurden immer wieder diskutiert. Auch das Abstimmungsverhältnis zwischen der Türkei und einigen Ländern war Gegenstand von Diskussionen.
Aber jenseits all dieser Diskussionen war der wichtigste Aspekt der Eurovision dieser: Sie schuf ein musikalisches Gedächtnis. Die Lieder blieben jahrelang in Erinnerung, die Menschen summten die Melodien.
Heute stellt man sich unweigerlich die folgende Frage:
An welchen Song erinnern wir uns alle gemeinsam in den letzten 20-25 Jahren?
Die Fernsehbildschirme sind voll von Musikwettbewerben. Doch die meisten von ihnen kommen über eine kurzlebige Popularität nicht hinaus. Die Melodien werden schnell konsumiert und die Künstler geraten schnell in Vergessenheit.
Vielleicht ist es nicht nur die Eurovision.
Vielleicht geht es um die allmähliche Verengung des gemeinsamen musikalischen Raums, der einst das gemeinsame kulturelle Gedächtnis der Gesellschaft bildete.
Es war einmal eine Zeit, in der Millionen von Menschen in derselben Nacht dieselbe Melodie hörten und dieselbe Begeisterung teilten.
Heute ist diese gemeinsame Begeisterung durch eine fragmentierte, kurzlebige Popularität ersetzt worden.
Und man erinnert sich unweigerlich an die Vergangenheit:
Diese langen Abstimmungsnächte, die Aufregung, die sich mit jedem Punkt steigerte, und die Melodien, die jahrelang in Erinnerung blieben...
Vielleicht geht es nicht nur um den Verlust eines Wettbewerbs, sondern um den Verlust einer kulturellen Tradition.
