Es gibt einige Gedichte, die nicht ästhetisch sind, sondern Zeugnis ablegen.
Ahtamar von Hovhannes Tumanyan ist genau so ein Gedicht.
Es liest sich wie eine Liebesgeschichte, aber in Wirklichkeit geht es um ein soziales Anliegen.
Der Van-See ist hier keine romantische Kulisse, sondern eine Erinnerung, die Geheimnisse bewahrt, Geheimnisse erstickt und Geheimnisse in sich trägt.
Indem er vom Ufer zur Insel schwimmt, trotzt der junge Mann nicht nur Tamar, sondern auch Verboten, Ängsten und Gerüchten.
Das Feuer von Tamar ist unschuldig.
Aber in dieser Geografie wird die Unschuld oft kriminalisiert.
Und immer taucht jemand auf,
“Moral”.” in seinem Namen.
Darin liegt Tumanyans wahrer Mut:
Er sucht den Schuldigen nicht im Meer.
Er gibt weder den Wellen, noch dem Sturm, noch der Dunkelheit die Schuld.
Sie weist auf den Menschen hin.
Der Eifersüchtige, der Spion, derjenige, der glaubt, dass Klatsch eine Tugend ist...
Der junge Mann ist im Meer ertrunken,
Die Gesellschaft atmet am Ufer erleichtert auf.
Denn die Ordnung ist intakt.
Die Liebe ist tot, die Normen leben weiter.
Am Morgen bringt der Van-See eine Leiche.
Links auf den Lippen “Ah! Tamar!”
nicht ein Flüstern von Liebe,
ist ein überfälliger Einwand.
Die Insel ist heute unter dem Namen Akdamar Island bekannt.
Mit anderen Worten: In diesem Land hat sogar der Stein, das Wasser, die Insel einen Namen;
aber für ertrunkene Liebe gibt es keine Rechenschaft.
In dieser Geografie weiß die Liebe zwar zu schwimmen, aber die Gesellschaft weiß, wie man ertrinkt.
Das Gedicht “Ahtamar” des armenischen Dichters und Schriftstellers Hovhannes Tumanyan
Der fröhliche und lächelnde Van-See
Von dem kleinen Küstendorf
Er betritt das Wasser heimlich
Jede Nacht geht ein Jugendlicher ohne Boot ins Wasser,
Er verlässt sich auf seinen Bizeps,
Schwimme durch das Wasser
Von der schwach beleuchteten Insel aus geht es still und leise hinüber zur anderen Insel.
Da ist ein Licht, das ruft,
Ich bin derjenige, der für ihn leuchtet
Ein Zeichen, das nie aufhört. Schöne Tamar-Nächte
So macht er Feuer,
Und warten ungeduldig
Dort, leise, heimlich, das Meer wühlt und wühlt,
Das Herz des jungen Mannes flattert,
Seine Wellen brausen und tosen
Und Tamar schwimmt ohne Angst.
Er wartet am Ufer auf sie,
Das Geräusch des Wassers bei jedem Schlag
Er bringt deinen Körper zum Zittern. Er ist still am dunklen Ufer.
Da ist ein dunkler Schatten,
Ja, das ist er... Sie trafen sich
Die Wellen des Vansees
Das einzige streichelnde Ufer,
Verlassen der Insel
Flüsternd und geheimnisvoll... Während sie Liebe machen
Unter dem Himmelszelt,
Die Gerüchteküche brodelt,
An Tamar, die eitle, verdorbene Tamar, und im Herzen des jungen Mädchens
Das Flattern der Liebe,
Wenn ein junger Mann kämpft,
Mit der tobenden, wütenden See.
Sie lernten ihre Geheimnisse kennen,
Und in einer dunklen Nacht
Sie löschten die Fackel, die sich in den endlosen Wassern verlor.
Verwirrter, tapferer junger Liebhaber,
Es gibt nur ein Geräusch im Wind:
Stöhnt: ”Ah! Tamar! ... ”Stimmen auf den wilden Felsen
Er hallt nach und hallt nach,
Das Meer tost und schäumt,
Kah pfeift einen tiefen Pfiff
Manchmal stöhnt sie: ”Ah! Tamar! ... ”Am Morgen ist das Meer müde
Er hat eine Leiche mitgebracht,
Auf deiner Lippe, zitternd, stumpf,
Zwei Worte:
Als ob zum Zeitpunkt des Todes
Sie murmelte: ”Ah! Tamar! ... ”Jener Tag, heute
Diese Insel hat einen Namen:
“Ahtamar”
