HALKWEBAutorenDieselben Leute treffen sich am selben Ort

Dieselben Leute treffen sich am selben Ort

Diese Vorliebe der von Özgür Özel geführten CHP lässt sich nicht mit dem Diskurs der “Umarmung aller” erklären. Denn dies bedeutet nicht, unterschiedliche Ansichten zusammenzubringen, sondern Werte außer Kraft zu setzen.

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Es gibt bestimmte Momente in der türkischen Politik, die die Richtung, die Identität und die zukünftige Position einer Partei offenbaren. Der feierliche Eintritt von Arif Kocabıyık in die Republikanische Volkspartei ist genau so ein entscheidender Moment.

Denn es geht nicht nur um die Aufnahme eines Namens in die Partei. Es geht darum, dass die unmenschlichen Ausdrücke, die in der Vergangenheit über Berkin Elvan verwendet wurden, heute ignoriert werden, als ob nichts geschehen wäre. Das zeigt, dass der politische Pragmatismus die moralischen Grenzen inzwischen völlig überschritten hat. Dass eine Sprache, die den Tod eines Kindes beleidigt, und eine politische Linie, die sich als sozialdemokratisch oder links definiert, auf demselben Boden aufeinandertreffen, ist nicht nur ein Widerspruch, sondern eine klare Erosion der Identität.

Diese Vorliebe der von Özgür Özel geführten CHP lässt sich nicht mit dem Diskurs der “Umarmung aller” erklären. Denn dies bedeutet nicht, dass unterschiedliche Ansichten zusammengebracht werden, sondern dass Werte außer Kraft gesetzt werden. Natürlich kann sich die Politik wandeln, können Kader wechseln, können neue Allianzen gebildet werden. Wenn aber die ethische und historische Haltung, die das Rückgrat einer Partei bildet, so einfach aufgegeben wird, um den Tag zu retten, bleibt nur ihr Aushängeschild übrig.

Das Bild, das sich heute ergibt, ist das folgende: Eine Figur, die sich durch nationalistische Rhetorik auszeichnet und sich deutlich von linken Werten distanziert hat, wird mit einer “Abzeichen-Zeremonie” legitimiert, ohne jegliche Selbstkritik oder Abrechnung. Dies verwischt nicht nur die ideologische Linie der CHP, sondern zeigt auch, dass sie im Widerspruch zu ihren Versprechungen gegenüber ihren Wählern steht.

Noch wichtiger ist, dass solche Schritte die ohnehin schon tiefe Polarisierung in der Gesellschaft nicht verringern, sondern im Gegenteil das Misstrauen noch verstärken. Denn die Menschen fragen sich: Warum sind die Werte, die Sie gestern verteidigt haben, heute nicht mehr vorhanden? Warum sind die Diskurse, die Sie gestern bekämpft haben, heute kein Problem?

So wird das Sprichwort “Gleich und gleich gesellt sich gern” hier zur ironischen Realität. Nicht der Reichtum der Unterschiede, sondern die Gemeinsamkeit der Prinzipienlosigkeit tritt in den Vordergrund. Wenn eine politische Bewegung sich von ihrer eigenen Vergangenheit, ihren eigenen Werten und dem Gewissen ihrer eigenen Basis entfremdet, ist der größte Verlust nicht für ihre Rivalen, sondern für sie selbst.

Es geht also nicht darum, dass eine Person einer Partei beitritt, sondern darum, was aus einer Partei wird. Und diese Veränderung ist nicht so klein, dass sie ignoriert werden kann.

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