HALKWEBAutorenDie andere Seite der Geschichte

Die andere Seite der Geschichte

Früher oder später wird die Wahrheit ans Licht kommen. Diejenigen, die sie nicht sehen wollen, können sie nur verzögern, aber nicht ändern.

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Wenn man denselben Berg von zwei verschiedenen Orten aus betrachtet, ändert sich der Blick. Auf der einen Seite ist er majestätisch, auf der anderen rau; auf der einen Seite ist er prächtig, auf der anderen die nackte Wirklichkeit. Der Ararat sollte auf diese Weise betrachtet werden: Sich an den Unterschied zwischen Sehen und Schauen erinnern.

So ist es auch mit der Geschichte. Offizielle Aufzeichnungen sind oft der Spiegel der Macht; sie präsentieren eine Erzählung, die poliert, geschliffen und, wenn nötig, vergessen wird. Die andere Seite der Geschichte ist jedoch die Geschichte derer, die unterdrückt, zum Schweigen gebracht und nicht aufgezeichnet werden. Aus diesem Grund sehen diejenigen, die sich mit offiziellen Dokumenten zufrieden geben, nicht die Wahrheit, sondern nur den Teil der Wahrheit, der erlaubt ist. Und das ist nichts anderes als die Weitergabe des Schmutzes der Geschichte von Generation zu Generation.

Auch die heutigen politischen Debatten sollten unter diesem Blickwinkel betrachtet werden. Denn es geht nicht nur um die innere Angelegenheit einer Partei, es geht darum, wie die Wahrheit wahrgenommen und wie sie verzerrt wird. Genau hier zeigt sich die Spaltung, die die CHP-Basis heute erlebt. Während der eine Teil noch auf das Bild im Schaufenster schaut, sieht der andere Teil die Risse im Hintergrund.

Das Gefühl des Abdriftens unter der neuen Regierung ist nicht nur ein Verlust der politischen Richtung, sondern auch das Ergebnis einer prinzipiellen Verwischung. In dem Maße, in dem sich der Abstand zwischen dem, was gesagt wird, und dem, was getan wird, vergrößert, schwindet das Vertrauen der Basis in gleichem Maße. Denn die Menschen schauen nicht mehr nur auf das, was gesagt wird, sondern auch darauf, was versteckt wird und warum.

Was eine Partei aufrecht erhält, ist nicht nur ihr Stimmenanteil, sondern auch ihre Glaubwürdigkeit. Wenn eine Bewegung nicht einmal ihre eigene Basis überzeugen kann, wird ihre Botschaft nach außen hin schwächer. Die CHP steht heute an genau dieser Schwelle: Entweder sie stellt sich ihren inneren Widersprüchen, oder das Abdriften wird sich weiter verstärken.

Es erfordert Mut, sich der anderen Seite der Geschichte zu stellen. Denn diese Seite ist oft beunruhigend. Aber wenn man sich ihr nicht stellt, sammeln sich diese Wahrheiten an und schaffen eines Tages größere Brüche. Was heute geschieht, ist vielleicht die Manifestation dieser Anhäufung.

Die Schlussfolgerung ist einfach, aber hart: Die Wahrheit wird früher oder später ans Licht kommen. Diejenigen, die sie nicht sehen wollen, können sie nur verzögern, aber nicht ändern.

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