Als ich anfing, auf Halkweb zu schreiben, habe ich eine Entscheidung für mich getroffen:
Ich hatte nicht vor, über die CHP zu schreiben.
Aber wenn wir die jüngsten Vorgänge beobachten, muss man auch einmal die selbst gesetzten Grenzen überschreiten. Denn es geht nicht mehr um einzelne Personen, sondern um die politische Kultur.
Die aktuellen Probleme der CHP haben nicht erst gestern begonnen. Die Cliquen, Machtzentren und lokalen Barone, die sich seit Jahren innerhalb der Partei gebildet haben, haben den Boden für heute bereitet. In der Politik gibt es kein Vakuum, jeder unkontrollierbare Bereich wird nach einiger Zeit zu einem Machtkampf.
Es tut mir leid, Leute:
Kemal Kılıçdaroğlus Kandidatenpräferenz ist der Grund für den Erfolg von Ekrem İmamoğlu in seiner ersten Amtszeit. Wäre diese politische Entscheidung nicht getroffen worden, sähe das Bild heute ganz anders aus. Dies ist keine Meinung, sondern eine politische Realität.
Das Problem ist jedoch nicht nur der Aufstieg eines Namens. Das eigentliche Problem sind die Machtnetzwerke, die sich um die aufsteigenden Namen bilden.
Die Vorwürfe, die seit langem in Istanbul kursieren, die Debatten über die Kommunen und die innerparteilichen Konflikte haben in der öffentlichen Meinung ernste Fragezeichen aufgeworfen. Auffallend ist jedoch, dass innerhalb der Partei kein starker Ruf nach Selbstreflexion ertönt ist.
Wenn eine politische Struktur ihre internen Probleme nicht offen diskutieren kann, kann sie nach außen kein Vertrauen erwecken.
Das Bild, das heute erscheint, sieht wie folgt aus:
Es gibt Fraktionen.
Es gibt einen Streit um die Aufteilung der Macht.
Es gibt Dateikriege.
Aber es gibt keinen klaren Willen zur Verantwortung.
Ich war einer der häufigsten Kritiker von Kemal Kılıçdaroğlu. Heute sehen wir jedoch deutlicher, dass der kritischste Test für eine Führungspersönlichkeit die Auswahl des Personals ist. Was einen Führer stark macht und was ihn schwächt, sind die Namen, die ihn umgeben.
In der Politik wird viel über Begriffe wie Verrat, Loyalität und Treue gesprochen. Aber was wirklich entscheidend ist, sind Verdienst und Kontrolle.
Die Menschen wollen keine Bürgerkriege mehr sehen.
Menschen “Wer ist wessen Mann?” nicht die Frage, “Wer hat was getan?” um die Frage zu beantworten.
Es kann keine starke Demokratie ohne eine starke Opposition geben.
Aber eine starke Opposition kann nicht ohne Transparenz und interne Disziplin aufgebaut werden.
Das Problem sind nicht die Menschen, sondern die Kultur.
Und ohne eine Änderung der Kultur wird sich das Ergebnis nicht ändern.
