HALKWEBAutorenKritischer Schritt zur Normalisierung der Beziehungen zwischen der Türkei und Armenien

Kritischer Schritt zur Normalisierung der Beziehungen zwischen der Türkei und Armenien

Ich glaube, dass Frieden keine romantische Rede ist, sondern ein realistisches Bedürfnis, denn im Krieg gibt es keine Gewinner, aber die Gewinner des Friedens sind die Völker.

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Der Normalisierungsprozess zwischen der Türkei und Armenien, über den seit Jahren geredet wird, der aber nie beherzt umgesetzt wurde, nimmt nun langsam reale Formen an.

Mai sind die Botschaften des gegenseitigen Verständnisses in den Bereichen Landwirtschaft und Handel nicht nur eine wirtschaftliche Entwicklung, sondern auch ein Zeichen für eine neue Mentalität in Bezug auf die Zukunft der Region.

Wie auf den jüngsten Sicherheitskonferenzen im Südkaukasus betont wurde, ist die Sprache der Stabilität nicht mehr die Sprache des Krieges. Denn jeder weiß, dass Frieden immer billiger, menschlicher und wertvoller ist als Krieg.

Wenn es Frieden gibt, gibt es auch Vertrauen.
Beziehungen entstehen, wenn Vertrauen vorhanden ist.
Wenn sich Beziehungen entwickeln, wächst der Handel.
Wenn der Handel zunimmt, steigt der Wohlstand der Gesellschaften.

Die Tatsache, dass sich Grenzen, die jahrelang geschlossen waren, Gesellschaften, die einander mit Misstrauen und politischem Gedenken betrachteten, heute zu verändern beginnen, ist nicht zu unterschätzen. Denn Türken und Armenier sind nicht nur geografisch Nachbarn, sondern auch zwei uralte Völker, die seit Tausenden von Jahren das gleiche Schicksal teilen.

Natürlich können die Schmerzen der Vergangenheit nicht vergessen werden. Die Traumata von 1915, die Jahre des Krieges, die Verluste und die Ressentiments werden weiterhin auf den Seiten der Geschichte zu finden sein. Doch der Versuch, die Zukunft aufzubauen, indem man ständig an den Wunden der Vergangenheit kratzt, wird den Völkern nur neuen Schmerz bringen.

Die Politik der kaiserlichen Mächte in der Region während des Niedergangs des Osmanischen Reiches vertiefte das Misstrauen zwischen den Völkern. Menschen, die eine Zeit lang in der gleichen Straße lebten, wurden zu Feinden. Die Spuren davon tragen wir heute noch. Aber wenn jetzt eine neue Seite aufgeschlagen werden kann, sollte dies unterstützt und nicht bagatellisiert werden.

Für Nikol Pashinyan könnte dieser Prozess eine wichtige Chance für Armenien darstellen. Auch für die Türkei ist dies ein Weg, stärkere wirtschaftliche und diplomatische Beziehungen im Südkaukasus aufzubauen.

Ich glaube, dass Frieden keine romantische Rede ist, sondern ein realistisches Bedürfnis, denn im Krieg gibt es keine Gewinner, aber die Gewinner des Friedens sind die Völker.
Diplomatische Schritte, die heute klein erscheinen mögen, können der Beginn einer Zeit sein, in der sich die Grenzen öffnen, der Handel wächst und die Menschen sich wieder kennen lernen.

Und um ehrlich zu sein, bin ich deshalb heute glücklich, weil diese Geografie es verdient, dass man sich an sie erinnert, nicht mit Hass, sondern mit der Idee, wieder zusammenzuleben.

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