HALKWEBAutoren“Mobbing-Wache” auf dem Schulhof: Vor wem beschützen wir unsere Kinder?

“Mobbing-Wache” auf dem Schulhof: Vor wem beschützen wir unsere Kinder?

Mobbing unter Gleichaltrigen ist zu einem sozialen Wahnsinn geworden, der sich nun über die Klassenzimmermauern hinaus auf die Straßen und die digitale Welt ausgebreitet hat. An diesem Punkt, an dem polizeiliche Maßnahmen und disziplinarische Strafen nicht mehr ausreichen, müssen wir uns die Frage stellen: Wo haben diese Kinder das Mitgefühl vergessen?

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In den letzten Tagen haben uns alle die schrecklichen Bilder auf den Bildschirmen und die wiederholten Morde an Kindern wie ein schwerer Stein getroffen. Diese Wunden, die sich in unserem sozialen Gewissen aufgetan haben, schmerzen nicht nur uns, sondern säen auch einen tiefen Keim der Angst in den Herzen der Mütter und Väter, die ihre Kinder jeden Morgen zur Schule bringen.

Wir sind an einem so ernsten Punkt angelangt, dass die Eltern nicht nur wegen der Noten, sondern auch wegen der Sicherheit ihrer Kinder vor den Schultoren warten. Es gibt fast eine “Mobbing-Wache” in den Schulgärten. Dieses Bild schreit zu uns herüber: Es handelt sich nicht mehr um ein paar Einzelfälle, sondern um eine Schwelle des gesellschaftlichen Wahnsinns.

Spirale der Wut auf der Straße

Mobbing durch Gleichaltrige ist nicht mehr auf die Schulkorridore und die Pausenzeiten beschränkt. Wir sind mit einer Explosion der Wut konfrontiert, die sich auf die Straßen, in Cafés, Parks und - besonders gefährlich - in der digitalen Welt entlädt. Diese von Kindern gegeneinander gerichtete Gewalt führt manchmal zu irreversiblen Verlusten.

Aber warum? Wie sind diese Kinder an diesen Punkt gekommen?

Es ist nicht möglich, dieses düstere Bild nur mit polizeilichen Maßnahmen, Schulverweisen oder ein paar Disziplinarvorschriften zu erklären oder gar zu lösen. Das Problem ist viel tiefer, viel vielschichtiger.

Sind nur Kinder daran schuld?

Der Prozess, der ein Kind zu einem “Tyrannen” für ein anderes macht, ist eine Kette von Versäumnissen, die von der Familienstruktur bis zur wirtschaftlichen Ungerechtigkeit, von der kulturellen Degeneration bis zur mangelnden Aufsicht reichen.
Spannungen zu Hause: Der häusliche Stress der Eltern, die unter wirtschaftlichen Schwierigkeiten und intensivem Arbeitstempo erdrückt werden, spiegelt sich in der Welt des Kindes als “Wut” wider. Das Kind, das nicht mit Mitgefühl und Empathie gefüttert werden kann, versucht, seine Existenz mit Gewalt zu beweisen.

Kulturelle Belagerung: Die Inhalte von Fernsehserien, die Macht heiligen und mafiöse Charaktere als Symbole der “Würde” darstellen, rauben unseren Kindern die Vorbilder. In den sozialen Medien hingegen wird dieses Mobbing zu einer “Performance-Kunst” und erntet Beifall.
Mangelnde Überwachung: Die Unzulänglichkeit der Beratungsmechanismen in den Schulen und die hohe Belastung der Lehrer verhindern, dass wir den Moment erkennen, in dem Mobbing aufkeimt. Der Mobber, der weiß, dass er nicht bestraft wird, blüht auf, während das Opferkind in einer stillen Dunkelheit versinkt.

Dieser stumme Schrei geht uns alle an

Die nackte Wahrheit, die wir unterstreichen müssen, ist folgende: Mobbing durch Gleichaltrige ist kein Problem, das allein vom Bildungsministerium oder den Familien geschultert werden kann. Es ist eine Frage des gesellschaftlichen Überlebens. Von der Familie bis zur Schule, von der Zivilgesellschaft bis zu den Medien - alle sind verpflichtet, einen Eimer Wasser in dieses Feuer zu gießen.

Natürlich werden die Experten die genauesten Diagnosen stellen, aber es ist nicht unsere Aufgabe, dieses schmerzliche Bild zu betrachten und den Kopf abzuwenden. Es geht nicht darum, nach dem Vorfall zu trauern, sondern ein “Klima des Mitgefühls” wiederherzustellen, das Kinder schützt und sie dazu bringt, Menschlichkeit und Empathie zu lieben, bevor es so weit kommt.

Schulen sollten nicht nur Gebäude sein, in denen Formeln auswendig gelernt werden, sondern auch Festungen, in denen die Kunst des Zusammenlebens gelehrt wird. Andernfalls werden sich die “leisen Schreie”, die wir heute ignorieren, in einen Lärm verwandeln, für den wir morgen alle taub sein werden. Und diesen Preis werden wir leider alle gemeinsam zahlen.

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