“Wer zwei Kaninchen jagt, kann nicht beide fangen.”
- Konfuzius
Die Regierung in der Türkei macht keine Politik mehr, sondern versucht zwangsweise, Politiken zusammenzuhalten, die sich gleichzeitig gegenseitig behindern. Was dabei herauskommt, ist kein “Gleichgewicht”, sondern ein System des offenen Widerspruchs.
Auf der einen Seite gibt es Botschaften der “Entspannung”, der “Normalisierung” und manchmal sogar des “Friedens”.
Andererseits werden Ermittlungen, Entlassungen und Treuhandverfahren gegen oppositionelle Gemeinden fortgesetzt.
So zu tun, als ob dies kein Widerspruch wäre, ist nicht mehr nur eine politische Entscheidung, sondern eine Verleugnung der Realität.
Die von Recep Tayyip Erdoğan geführte Regierung sendet eine Botschaft an die internationalen Märkte, indem sie sagt: “Zurück zur Rationalität” in der Wirtschaft. Doch gleichzeitig setzt sie im eigenen Land Praktiken fort, die das Recht ausweiten und die Justiz als verlängerten Arm der Politik erscheinen lassen. Er ignoriert diese einfache Tatsache:
In einem Land, in dem die Gesetze kein Vertrauen erwecken, kann auch kein Wirtschaftsprogramm Vertrauen erwecken.
Aber das wirklich harte Bild zeigt sich in diesem selektiven Umgang mit der Natur und den Bürgern.
Olivenhaine werden zum Abbau freigegeben.
Wälder werden für Energieprojekte bereitgestellt.
Buchten, die natürliche Schutzgebiete sind, werden für die Erschließung geöffnet.
All dies geschieht unter dem Deckmantel des “öffentlichen Interesses”.
Gleichzeitig tritt derselbe Staat an anderer Stelle mit einem völlig anderen Rechtsverständnis auf:
Das kleine Gebäude, das die Dorfbewohner gebaut haben, wird abgerissen.
Der Hobbygarten wird abgerissen.
Die bescheidenen Lebensräume, die die Menschen mit ihrer eigenen Arbeit aufgebaut haben, werden über Nacht zerstört.
Hier gibt es keine Grauzone mehr. Das Problem ist klar:
Wenn das Recht für das Großkapital flexibel ist und sich für die Bürgerinnen und Bürger verschärft, ist das kein Rechtsstaat.
Dies ist ein Regime der Wahl.
Heute glaubt die Regierung, sie könne alles gleichzeitig machen:
Dass man von Frieden reden und gleichzeitig die Repression verstärken kann,
dass man behaupten kann, die Natur zu schützen und sie gleichzeitig zu vermarkten,
dass sie sowohl die Investoren beruhigen als auch das Gesetz umstritten machen kann.
Aber so funktioniert die reale Welt nicht.
Eine Politik, die so viele Widersprüche auf einmal in sich trägt, wird irgendwann unter ihrem eigenen Gewicht zusammenbrechen.
Konfuzius' Worte sind hier nicht mehr eine Ermahnung, sondern eine Diagnose:
Die Regierung ist nicht auf der Jagd nach zwei Kaninchen.
Er rennt hinter allem her, was er finden kann.
Und diese Desorganisation ist nicht mehr eine Strategie, sondern ein Kontrollverlust.
Das Ergebnis ist offensichtlich:
Es gibt kein Vertrauen in das Gesetz.
Die wirtschaftliche Stabilität ist fragil.
Das Gerechtigkeitsempfinden der Gesellschaft ist beschädigt.
Denn es geht nicht mehr um falsche Politik.
Es handelt sich um eine bewusste und gewollte Anordnung von Widersprüchen.
Und dieser Auftrag hat ein Ende.
