Es wurde bekannt, dass im Zusammenhang mit den Ermittlungen zum sexuellen Missbrauch eines 13-jährigen Mädchens in Amasra 33 Personen festgenommen wurden.
Schon ein einziger Satz reicht aus, um Ihren Verstand auszuschalten.
Dreiunddreißig Personen.
Diese Zahl zeigt, dass es sich nicht mehr um eine einzelne Straftat handelt, sondern um einen gesellschaftlichen Verfall. Denn manche Ereignisse sind keine “Einzelfälle”. Manche Ereignisse zeigen, an welchen Stellen eine Gesellschaft verstummt ist.
Das hier ist wirklich schockierend:
Wie kann es sein, dass über ein solches Ereignis ein paar Tage lang gesprochen wird und es dann von der Tagesordnung des Landes verschwindet?
Vielleicht ist die Antwort zu stark:
Die Türkei kann schon lange nicht mehr von irgendetwas überrascht werden.
In einem Land, in dem Gewalt, Missbrauch, Nachrichten über Frauen und Kinder endlos wiederholt werden, verkümmern die Nervenenden der Gesellschaft. Jeder neue Schrecken löscht den vorherigen aus. Die Nachrichtenflut wächst, aber das Bewusstsein schrumpft.
Und mit der Zeit lernen die Menschen nicht nur zu vergessen, sondern auch zu normalisieren.
Aber in kleinen Orten ist nichts wirklich geheim. Jeder kennt den anderen. Man weiß, wer mit wem unterwegs ist, wer wo arbeitet, was in welcher Straße vor sich geht. Deshalb sind solche Vorfälle nicht nur ein Verbrechen, sondern auch das Ergebnis eines organisierten Schweigens.
Es ist nicht nur der Täter, der ein Kind nicht schützen kann.
Manchmal ist es eine Nachbarschaft.
Manchmal sind sie diejenigen, die sagen: “Zerbrich die Familie nicht”.
Manchmal ist es die Angst, sich zu blamieren.
Manchmal sind es die Erwachsenen, die sehen und schweigen.
In der Türkei werden Kinder immer noch nicht als Individuen mit Rechten angesehen, sondern als Menschen, die im Schatten ihrer Familien stehen. Daher wird in Fällen von Missbrauch über den Ruf der Familie gesprochen und nicht über die Sicherheit des Kindes.
An dieser Stelle beginnt die Stille.
Die schwerere Seite liegt in der Verantwortung des Staates und der Institutionen:
Warum funktionieren die Kinderschutzmechanismen nicht?
Warum sind die Netzwerke der sozialen Dienste so schwach?
Warum können Schulen, lokale Organisationen und das Gesundheitssystem die Risiken nicht im Voraus erkennen?
Und warum ärgern wir uns nach jedem großen Ereignis ein paar Tage lang und machen dann weiter, als wäre nichts geschehen?
Denn die Tagesordnung in der Türkei basiert nicht mehr auf der Wahrheit, sondern auf der Geschwindigkeit. Das Ausmaß eines Ereignisses wird nicht durch sein moralisches Gewicht bestimmt, sondern dadurch, wie lange es in den sozialen Medien bleibt.
Aber einige Neuigkeiten dürfen nicht vergessen werden.
Denn jedes vergessene Kind wird zu einer stillen Zustimmung für die neuen Opfer dieser Ordnung.
Das wahre Niveau eines Landes wird nicht an den Straßen gemessen, die es baut, den Gebäuden, die es errichtet, oder den großen Slogans, die es ausruft, sondern daran, inwieweit es in der Lage ist, seine Kinder zu schützen.
Und heute lautet die Frage:
Eine Gesellschaft, die sich nicht für ein Kind einsetzen kann, wofür kann sie sich dann überhaupt einsetzen?
