HALKWEBAutorenBekämpfung der Krankheit oder Wiederaufbau des Systems

Bekämpfung der Krankheit oder Wiederaufbau des Systems

Die Medizin ist nach wie vor zurückhaltend. Das muss sie auch sein. Aber ein Richtungswechsel ist manchmal der größte Fortschritt.

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Die Medizin bekämpft diese Krankheit seit vielen Jahren.
Wenn etwas zu viel war, hat er es reduziert. Wenn es fehlte, ersetzte er es. Er unterdrückte ein überlastetes System.

Das war kein schlechter Ansatz. Im Gegenteil, darin liegt der Erfolg der modernen Medizin begründet. Antibiotika, Blutdruckmedikamente, Insulin... Sie alle arbeiteten nach der Logik, das Problem gezielt anzugehen und einzugreifen.

Es gibt jedoch einige Krankheiten, die mit dieser Methode nicht vollständig geheilt werden können.

Die Alzheimer-Krankheit ist eine davon.

Wir gehen schon seit Jahren gezielt gegen Amyloid-Plaques vor. Wir versuchen, das Protein, das sich im Gehirn ablagert, zu reduzieren. Die Logik ist einfach. Wenn es eine Ablagerung gibt, sollten wir sie beseitigen. Aber das Gedächtnis verbessert sich nicht immer, wenn die Plaque reduziert wird. Das ist der Punkt, an dem man innehalten und nachdenken muss;

Ist es wirklich nur dieses Protein?

Einige Experimente am Massachusetts Institute of Technology haben gezeigt, dass Licht- und Tonreize, die einen bestimmten Gehirnrhythmus (40 Hz) erhöhen, die Amyloidbelastung bei Alzheimer-Mäusen verringern. Erste Studien am Menschen haben gezeigt, dass diese Anwendung sicher ist und diesen Rhythmus tatsächlich erhöhen kann.

Es ist noch kein Heilmittel. Aber es ist ein Fragezeichen und ein Anfang.

Vielleicht geht es nicht nur darum, das Eiweiß zu reinigen.
Vielleicht geht es darum, die gestörte Harmonie wiederherzustellen.

Denn das Gehirn ist nicht nur ein chemisches Organ. Es ist auch ein elektrisch betriebenes Netzwerk. Neuronen feuern im Rhythmus. Gedächtnis und Aufmerksamkeit werden dank dieser Synchronisation gebildet. Wenn dieser Rhythmus gestört ist, bricht das System zusammen.

Vielleicht Alzheimer “Plaque-Krankheit” ist es nicht. Vielleicht ist es ein Verlust der Synchronisation.

Die transkranielle Magnetstimulation wird bei Depressionen eingesetzt.
Mit fokussiertem Ultraschall können tiefe Regionen des Gehirns ohne Operation erreicht werden.

Hier ist der Konsens;
Bei manchen Krankheiten geht es nicht mehr darum, das System zum Schweigen zu bringen, sondern es neu zu kalibrieren.

Das Herz arbeitet im Rhythmus. Wenn der Rhythmus gestört ist, kommt es zu Herzrhythmusstörungen.
Der Stoffwechsel wird durch das Tageslicht geregelt. Wenn die Uhr ausfällt, gerät alles aus den Fugen.
Das Gehirn arbeitet auch mit Rhythmus. Wenn dieser Rhythmus verloren geht, kann auch das Gedächtnis verloren gehen.
Das 20. Jahrhundert war auf Moleküle ausgerichtet.
Das 21. Jahrhundert wird vielleicht auf Netzwerke abzielen.

Vielleicht ist das Problem nicht ein Übermaß an Substanz, sondern ein Verlust an Harmonie.
Vielleicht besteht die wirkliche Revolution bei einigen Krankheiten nicht in einer neuen Medizin, sondern in der Wiederherstellung des kaputten Systems.

Die Medizin ist nach wie vor zurückhaltend. Das muss sie auch sein.
Aber ein Richtungswechsel ist manchmal der größte Fortschritt.

Die Krankheit bekämpfen?
Oder um das System neu zu gestalten?

Vielleicht ist die Antwort, beides zu tun.

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