HALKWEBAutorenFeder des Schicksals

Feder des Schicksals

Was das Leben verändert, ist nicht das, was man erlebt. Es ist das, was in der inneren Welt daraus wird.

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Wenn man jung ist, denkt man, dass alles, was einem passiert, Schicksal ist.
Jemand geht... Eine Tür schließt sich... Diese unbeschreibliche Leere, die in dir wächst...

Dann vergeht die Zeit. Man wird sich dessen bewusst. Was das Leben verändert, ist nicht das, was man erlebt. Es ist das, was aus diesen Erfahrungen in der inneren Welt wird.

Die innere Wandlung ist ein bisschen wie der Versuch, die Sprache des Schicksals zu entschlüsseln.

Das Leben führt uns manchmal an schwierige Orte. In der einen Minute ist jemand, dem man vertraut, ein Fremder geworden. In einem Moment merkt man, dass die Seiten, an die man sich jahrelang geklammert hat, nach dem Motto “so bin ich”, zu zerfallen beginnen. Zuerst nennt man es Zerstörung. Dann wird es einem klar. Manche Brüche machen Menschen nicht kaputt. Sie wecken einen auf.

Denn Menschen können sich selbst am nächsten kommen, wenn sie am meisten leiden.

Es ist möglich, jahrelang in Menschenmengen vor sich selbst zu fliehen. Ständig reden, arbeiten, ablenken... Aber eines Tages lässt einen das Leben mit seiner eigenen Stimme allein. Das ist der schwierigste Ort.

In sich selbst schauen.

Wenn Menschen sich zu verändern beginnen, verändert sich auch ihr Umfeld. Dinge, die früher normal waren, beginnen sich schwer anzufühlen. Manche Gespräche fühlen sich leer an. Manche Menschen sind anstrengend. Manchmal können Menschen nicht einmal mehr ihr altes Selbst tragen.

Auch ein bisschen Trauer ist dabei.

Denn das, was wir Transformation nennen, bedeutet nicht nur, sich in einen neuen Menschen zu verwandeln. Es bedeutet auch, sein altes Selbst aufzugeben.

Vielleicht ist das der Grund, warum Menschen immer wieder die gleichen Wunden erleben. Das Leben bringt das, was man nicht gelernt hat, mit anderen Gesichtern zurück. Bis man es wirklich sieht.

Das ist die schwierigste Konfrontation. Nicht mit anderen, sondern mit sich selbst.

Warum man immer in die gleiche Leere fällt... Warum man an manchen Menschen mehr festhält als nötig... Warum man sich selbst vernachlässigt...

Nach einer Weile wird man sich dessen bewusst. Das Schicksal ist manchmal im Charakter eines Menschen verborgen, nicht im Äußeren.

Und ich denke, das nennen wir reif werden. Wenn man aufhört, ständig andere Leute zu beschuldigen.

Denn während die Menschen vor sich selbst weglaufen, hält ihnen das Leben immer wieder denselben Spiegel vor.

Sich selbst zu verzeihen ist der schwerste Teil der inneren Transformation. Die Dinge, die du zu spät getan hast... Die Dinge, die du verschwiegen hast... Die Dinge, die du aus Angst aufgegeben hast... Die Jahre, die du den falschen Leuten gegeben hast...

Manchmal lebt man lange Zeit wie ein Verbannter in seinem eigenen Gewissen.

Dann wird er eines Tages müde. Und zum ersten Mal lernt er, ein wenig nachsichtiger mit sich selbst zu sein.

Ich denke, dann beginnt die wirkliche Veränderung.

Wenn ich heute auf meine Vergangenheit zurückblicke, stelle ich fest, dass es nicht meine Erfolge waren, die mich wachsen ließen, sondern meine Narben. Denn Erfolg lässt dich äußerlich wachsen. Schmerz lässt dich innerlich wachsen.

Und dort scheint das Schicksal am meisten geschrieben zu werden.
Nicht in dem, was mit einer Person geschieht...
Was dein Herz nach dem, was dir passiert ist, geworden ist.

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