HALKWEBAutorenDie Zübüks sterben nie

Die Zübüks sterben nie

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Lippen, die keine Hymne kennen, Fäuste, die sich bereit machen

Figuren, über die wir einst im Kino gelacht haben, sind heute zu Hauptdarstellern der Politik geworden. Die Charaktere ändern sich, die Kulissen werden erneuert, die Technologie macht Sprünge nach vorne; doch das Drehbuch bleibt immer dasselbe. Denn in diesem Land verschwinden manche Namen, neue kommen hinzu … Die Schurken hingegen sterben nie.

Wir sind eine so unglückliche, so vom Pech verfolgte Generation, dass wir sogar die berühmtesten Figuren der Literatur und des Kinos hautnah miterleben mussten. Früher gab es einen Zübük; Aziz Nesin schrieb das Drehbuch, Kemal Sunal spielte die Hauptrolle. Wir knabberten im Kino an unseren Sonnenblumenkernen, lachten und sagten: “Mann, was für Betrüger es doch gab.” Der Film endete, die Lichter gingen an, und jeder ging nach Hause.

Wie sich herausstellte, hatten wir den Kinosaal gar nicht verlassen.

Was wir gesehen haben, war kein Film, sondern ein Ausschnitt aus unserer Zukunft.

Zübüks alte, analoge Welt hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Dann tauchte Kubiş auf. Zu seiner Zeit liefen die Dinge wieder langsam. Es gab Fernsehen; die sozialen Medien hatten die Welt noch nicht erobert. Gerüchte, Lügen und Unfähigkeiten kursierten in Kaffeehäusern oder dunklen Hinterzimmern, und es dauerte seine Zeit, bis die Schwindeleien ans Licht kamen.

Der eigentliche Hauptgewinn traf uns jedoch in Form von Cemal, der Kubiš um Längen übertrifft.

Heutzutage hat jeder ein Smartphone mit hoher Auflösung, an jeder Ecke gibt es Live-Übertragungen und auf jeder Plattform gesponserte Beiträge. Früher flog die Lüge eines Schwätzers noch an der Stadtgrenze auf; heute landet dieselbe Mentalität, unterstützt durch Algorithmen, direkt in den Taschen der Menschen.

Was für ein Glückspilz du doch bist, Cemal!

Früher musste man tagelang warten, um den Ausrutscher eines Politikers mitzubekommen; heute verfolgen Millionen von Menschen dies gleichzeitig live.

Na ja, Mann…

Was haben wir denn verbrochen, dass wir zur selben Zeit, in derselben Generation wie du leben?

Außerdem geht es nicht nur um die Technologie.

Die Politik ist so inhaltslos geworden, dass der Anspruch, das Land zu regieren, durch Nachbarschaftsjargon, auswendig gelernte Parolen und Körpersprache ersetzt wurde.

Ich habe es neulich im Fernsehen gesehen. Die Jugendlichen singen voller Begeisterung die „Gündoğdu-Hymne“. Unser Cemal ist auch unter ihnen.

Ich schaue zu; die Lippen kennen die Worte nicht. Der Rhythmus ist durcheinander. Sie murmeln irgendetwas vor sich hin.

Genau in diesem Moment kommt der spannendste Teil des Marsches:

“Unser Land ist voller Faschisten – schießt, Brüder, schießt …”

In diesem Moment richten sich die Kameras auf unseren Cemal.

Versucht er, den Marsch zu begleiten, den Rhythmus zu finden, oder spielen sich hier seine langjährigen Boxerreflexe aus? Man kann es nicht so recht sagen.

Wenn man sich das Video ansieht, stellt sich unweigerlich folgende Frage:

Mensch, bist du gekommen, um den Jugendlichen von der Zukunft zu erzählen, oder wird gleich der Gong läuten und die erste Runde beginnen?

Vielleicht kommt es uns nur so vor.

Aber seien wir ehrlich: Wenn jemand, der den Text der Hymne nicht kennt, mit einer Körpersprache auftritt, die den Eindruck erweckt, als würde er gleich in den Ring steigen, sieht das eher nach einer Sportstudios-Werbung aus als nach einer politischen Kundgebung.

Das ist wohl auch ein bisschen die Zusammenfassung unseres Landes:

Das Gesagte geht in eine Richtung, das Gesehene in eine andere.

Manchmal denke ich…

Was wäre, wenn Zübük, Kubiş und Cemal zur selben Zeit gelebt hätten?

Dann hätten wir es wirklich in den Sand gesetzt.

Wenn man am Wahltag zur Wahlurne ging und den Stimmzettel öffnete, zitterte einem die Hand:

Eine Stimme für Cemal, eine Stimme für Kubiš?

Oder eine Stimme für Zübük und eine für Cemal?

Da würde sich sogar ein Stempel schämen, er fände keinen Platz zum Aufdrücken.

Ich habe diese drei Punkte in einem Artikel zusammengefasst.

All dies auf eine Bühne zu bringen, ist jedoch weder Yılmaz Erdoğans noch BKM Mutfaqs Sache.

Ich weiß nicht, wie der Philosoph von Mandra diese Situation erklären würde.

Das Einzige, was ich weiß, ist:

In diesem Stück, in dem sich die Figuren ändern und das Bühnenbild erneuert wird, bleibt die Handlung immer dieselbe.

Denn das Leben da draußen übertrifft die Vorstellungskraft aller Drehbuchautoren.

Früher ahmte der Humor das Leben nach.

Das Leben hat den Humor nun arbeitslos gemacht.

Wir hingegen wachen jeden Morgen zur neuen Folge dieser großen Reality-Show auf und starren mit einer Tasse Kaffee in der Hand auf den Bildschirm:

“Ich frage mich, welche Runde heute wohl beginnt?”

Und leider interessiert uns die Antwort darauf nicht mehr.

Denn wir wissen, dass das Absurde an diesem Land nicht das ist, was dort geschieht, sondern dass wir uns darüber immer noch wundern können.

Die Typologie, die Uğur Mumcu vor Jahren beschrieben hat, gibt es immer noch unter uns:

“Wer nicht auf der Seite der Gerechten, sondern auf der Seite der Mächtigen steht, ist feige und wankelmütig. Sie wechseln ihre Meinung, sobald sich das Machtzentrum verschiebt; sie sind Wendehälse.”

Vielleicht ändern sich deshalb in diesem Land Namen, Gesichter und Slogans…

Die Figuren ändern sich; die Rolle bleibt dieselbe.

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