Journalismus bedeutet nicht nur, Nachrichten zu vermitteln. Er bedeutet, die Augen, Ohren und das Gedächtnis der Gesellschaft zu sein. Auch beim Fernsehen geht es nicht nur darum, Einschaltquoten zu erzielen. Es bedeutet, die Aufgabe zu übernehmen, die Öffentlichkeit zu informieren, unterschiedliche Meinungen fair wiederzugeben und gesellschaftliche Verantwortung zu tragen.
Allerdings werden diese Grundprinzipien heutzutage zunehmend in Frage gestellt. Die Grenze zwischen Nachrichten und Kommentaren verschwimmt, Information und Propaganda vermischen sich. Auf manchen Bildschirmen wird, anstatt die Fakten zu recherchieren, Wut geschürt, in manchen Kolumnen wird, anstatt Fragen zu stellen, parteiisch berichtet.
Dabei ist die Treue zur Wahrheit die wichtigste Voraussetzung für den Journalismus. Ein Journalist sucht nicht nach Informationen, die ihm gefallen, sondern nach der Wahrheit. Selbst wenn diese nicht mit seiner eigenen Meinung übereinstimmt, scheut er sich nicht, sie zu berichten. Denn die Aufgabe eines Journalisten besteht nicht darin, zu überzeugen, sondern zu informieren.
Auch im Fernsehprogramm ist die Situation nicht anders. Wenn der Bildschirm zur Bühne für persönliche Abrechnungen oder politische Polarisierungen wird, leidet das öffentliche Interesse. Die Auswahl der Gäste, die Art der Fragen, die Sprache der Sendung und die Präsentation der Nachrichten – all dies ist Teil der ethischen Verantwortung. Ein Programmverantwortlicher mag um der Einschaltquoten willen Spannungen schüren. Doch der Preis dafür, das gesellschaftliche Vertrauen um kurzfristiger Aufmerksamkeit willen zu untergraben, ist weitaus höher.
Die Pressefreiheit ist ein unverzichtbarer Bestandteil der Demokratie. Freiheit und Verantwortung lassen sich jedoch nicht voneinander trennen. Die Verbreitung falscher Informationen, die Verletzung von Persönlichkeitsrechten, die Darstellung unbestätigter Behauptungen als Tatsachen oder die Stigmatisierung von Menschen sind keine Pressefreiheit. Dies sind Fälle von Missbrauch der Freiheit.
Das Vertrauen der Gesellschaft in Journalisten entsteht nicht von heute auf morgen, sondern wird über Jahre hinweg aufgebaut. Es kann jedoch durch einige wenige unverantwortliche Veröffentlichungen leicht zerstört werden. Deshalb ist das wertvollste Kapital im Journalismus nicht die Einschaltquote, die Auflage oder die Anzahl der Follower, sondern die Glaubwürdigkeit.
Letztendlich sind Journalismus und Fernsehprogrammgestaltung keine Machtbereiche, sondern ein öffentlicher Dienst. Der wahre Wert von Sendungen und Kolumnen sollte nicht daran gemessen werden, wie viel Aufsehen sie erregen, sondern daran, wie sehr sie der Wahrheit treu bleiben. Denn wenn die Wahrheit verloren geht, leidet darunter nicht nur der Journalismus, sondern auch das gemeinsame Gewissen der Gesellschaft.
