Manchmal sehen wir dieselbe Szene in den sozialen Medien oder auf den Fernsehbildschirmen: Irgendwo werden Lebensmittel verteilt, ein Wohltätigkeitspaket oder etwas Kostenloses verschenkt... Und plötzlich geraten Menschen aneinander. Es wird geschubst, gegrapscht, es gibt eine Hektik, als würden sie auseinandergerissen.
Wenn man sich diese Bilder ansieht, denkt man zuerst an Hunger. Die Realität sieht jedoch oft anders aus. In dieser Region hat es in der Geschichte nie einen großen physischen Hunger gegeben. Unsere Böden sind fruchtbar, unser Klima ist günstig für die Produktion. Wenn sie richtig genutzt werden, haben diese Böden die Kraft, alle Menschen zu ernähren. Im weltweiten Vergleich ist die Zahl der Menschen, die an Hunger sterben, fast vernachlässigbar.
Und warum erscheinen diese Bilder?
In den meisten Fällen geht es nicht um Not, sondern um Gier und eine Gewohnheit, die sich im Laufe der Jahre entwickelt hat. In den Köpfen der Menschen hat sich der Reflex herausgebildet, nach dem zu greifen, was kostenlos ist. Wenn etwas umsonst gegeben wird, gibt es einen Wettlauf darum, es zu bekommen. Als ob es ein großer Verlust wäre, wenn man es verpasst.
Diese Situation manifestiert sich nicht nur in den Bereichen, in denen Hilfe verteilt wird, sondern auch in der Politik. In Wahlperioden ist eine der wichtigsten Fragen, die sich die Wähler stellen, oft die folgende:
“Ich gebe meine Stimme, aber was bekomme ich dafür?”
Mit anderen Worten: Es geht nicht mehr nur um Ideen, Ideologie oder Heimat, sondern um eine Art Tauschlogik. Ich stimme ab, ich erwarte eine Gegenleistung. Das ist genau der Weg, den die Politik am leichtesten beschreitet.
Es gibt ein Sprichwort, das in der Bevölkerung sehr verbreitet ist:
“Staatseigentum ist ein Meer, wer es nicht frisst, ist ein Schwein.”
Diese Aussage scheint wie ein Scherz, aber sie birgt eine sehr gefährliche Mentalität in sich. Denn in dem Maße, wie sich diese Mentalität ausbreitet, wird öffentliches Eigentum nicht mehr beansprucht, das Verantwortungsbewusstsein schwindet und die gemeinsamen Werte der Gesellschaft beginnen zu erodieren.
Gesunde Gesellschaften funktionieren jedoch nach dem Gegenteil. Die Menschen denken nicht: “Was kann ich umsonst bekommen?”, sondern: “Was kann ich zu dieser Gesellschaft beitragen?”. Sie sehen staatliches Eigentum als Treuhandvermögen, nicht als Beute.
Die Frage, die wir uns heute stellen sollten, ist vielleicht diese:
Ist das Problem wirklich die Armut oder die Mentalität?
Denn unsere Böden mögen fruchtbar sein, unsere Ressourcen mögen ausreichend sein. Aber ohne eine Änderung der Mentalität kann kein Reichtum eine Gesellschaft wirklich reich machen.
