Das vielschichtige Gedächtnis Teherans meldet sich wieder zu Wort. Die Stimme, die sich über das Erbe der Safawiden erhebt, erinnert uns nicht nur an einen Widerstand, sondern auch daran, wer das gründende Subjekt dieser Geografie ist.
Teheran: Erinnerung, nicht eine Stadt
Wir haben in dieser Kolumne schon einmal deutlich darauf hingewiesen: Teheran ist keine einschichtige Stadt.
Es ist ein vielschichtiges Gedächtnis, in dem sich Geschichten überschneiden, Identitäten ineinandergreifen und jede Zeit die andere überschreibt.
Die heutigen Ereignisse haben wieder einmal gezeigt, dass diese Beobachtung nicht theoretisch ist, sondern eine tatsächliche Tatsache.
Ein Monat verging.
Städte wurden verwüstet, Kinder verloren ihr Leben, und die Wirtschaft wurde schwer erschüttert.
Doch trotz all dieser Zerstörungen ist das Bild klar:
Die iranische Gesellschaft mag sich zurückziehen, sie mag schwächeln, aber sie wird nicht in die Knie gehen.
“Ich, der...”: Eine Stimme der Erinnerung
Genau an diesem Punkt machen die Worte, die auf den Plätzen widerhallen, Sinn:
“Ich bin der Schah von Aserbaidschan, der Besitzer des iranischen Eigentums, der Schatten Allahs auf Erden, Abu'l-Muzaffer Schah Ismail.
Die Gerechtigkeit ist mit mir in den Ländern, die ich regiere.
Wo immer mein Schwert hinkommt, gehört die Souveränität mir.
Ich habe Zorn gegen meine Feinde und Barmherzigkeit gegen meine Freunde.”
Diese Worte sind nicht nur die Ansprache eines Herrschers.
So definiert sich eine Erinnerung.
Die Linie, die mit Schah Ismail Khatai begann und mit Schah Abbas verstärkt wurde, wird heute wieder in Erinnerung gerufen.
Das Erbe der Safawiden: Der Gründungswille
Das Erbe der Safawiden ist nicht der Name einer engen geografischen Region, sondern der Name einer kontinuierlichen Zivilisation.
Es ist daher notwendig, diese Tatsache klar anzuerkennen:
Das Erbe der Safawiden betrifft nicht nur Aserbaidschan.
Aber es ist auch nicht nur der Iran.
Aserbaidschan ist nicht nur eine geografische Größe, sondern auch Teil des Gründungsgedächtnisses des Iran.
Und der Iran ist zu vielschichtig, um auf eine einzige Identität reduziert zu werden.
Erinnerung an das iranische Türkentum
Das Gedächtnis der iranischen Türken ist das historische Bewusstsein, das den Staat begründet, ihm eine Richtung gibt und, wenn nötig, ihm einen neuen Sinn verleiht.
Heute auf den Plätzen aufgestiegen:
“Schah Ismail, Schah Abbas, das iranische Volk ist unzerstörbar”
Deshalb ist es kein gewöhnlicher Slogan, sondern eine Mahnung in fetten Zeilen.
Nicht Pahlavi: Wer ist der Schah dieses Landes?
Diese Mahnung gilt nicht nur für das Äußere. Sie gilt auch für diejenigen, die die Geschichte in einer Dimension lesen...
Sie richtet sich auch an diejenigen, die aus Nostalgie für die Monarchie handeln und eine Zukunft auf der Grundlage von Reza Shah Pahlavi und Mohammad Reza Pahlavi aufbauen.
Die Botschaft ist klar:
Dieses Land hat einen Schah, aber dieser Schah ist nicht Pahlavi.
Der Gründungsschah dieser Geografie ist Schah Ismail Khatai.
Es war Schah Abbas, der das Staatsdenken konsolidierte.
Unberechenbare Macht Speicher
Es gibt noch eine weitere Tatsache, die die heutigen Ereignisse gezeigt haben:
Es ist nicht nur die militärische Macht, mit der der Imperialismus nicht kalkuliert.
Die Vereinigten Staaten von Amerika, die eine fast zweihundertjährige Staatstradition haben
und Israel, das nur ein Menschenleben alt ist,
kann den Speicher dieser Geografie nicht korrekt lesen.
Denn das Entscheidende ist die Integrität des Widerstands, den die Erinnerung erzeugt.
Zerstörung, keine Kapitulation
Daraus ergibt sich das folgende Bild, das wir heute sehen:
Der Iran ist verwundet. Aber es ist nicht gelöst.
Denn in dieser Geografie überlebt der Staat nicht nur mit Institutionen, sondern auch mit der Erinnerung.
Und für eine Gesellschaft, die ihr Gedächtnis bewahrt, ist eine Niederlage möglich, aber niemals zum Niederknien.
