Der 1. Mai ist nicht nur ein Kalendertag. Der 1. Mai ist der historische Marsch der Arbeit, der Schrei des Schweißes, die lauteste Stimme auf der Suche nach Gerechtigkeit. Er ist der internationale Tag der Einheit, des Kampfes und der Solidarität der Arbeiterklasse. Heute gehen Werktätige auf der ganzen Welt auf die Plätze mit der gleichen Forderung: ein menschenwürdiges Leben, eine gerechte Verteilung und eine freie Zukunft.
In unserem Land ist der 1. Mai nicht nur ein Tag zum Feiern, sondern auch ein Tag der Abrechnung. Denn die Arbeiter und Werktätigen in der Türkei kämpfen von Tag zu Tag unter härteren Bedingungen ums Überleben. Steigende Lebenshaltungskosten, zunehmende Armut, prekäre Arbeitsverhältnisse und eine ungerechte Einkommensverteilung lassen den Werktätigen fast den Atem stocken. Während die Produzenten verarmen, wächst das Rentensystem weiter.
Es ist jedoch die Arbeiterklasse, die alle Werte dieses Landes schafft und Tag und Nacht in Fabriken, Bergwerken, auf Feldern und in Büros arbeitet. Die Werktätigen sind nicht nur die wirtschaftliche Kraft dieses Landes, sondern auch die Träger seiner demokratischen Kultur. Doch leider wird dieser Beitrag nicht erwidert, und die Werktätigen erhalten nicht den Anteil am Wohlstand, der ihnen zusteht.
Die Arbeiterklasse in der Türkei steht heute nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch und gesellschaftlich unter Druck. Diejenigen, die nach Rechten streben, werden kriminalisiert, gewerkschaftliche Kämpfe werden verhindert und diejenigen, die sich dagegen wehren, werden zum Schweigen gebracht. Dieses Bild zeigt einmal mehr, wie wichtig der Arbeitskampf ist.
An diesem Punkt haben die Republikanische Volkspartei und die linke sozialdemokratische Tradition eine große historische Verantwortung. Die CHP ist eine Partei, in der Populismus und Arbeiterkampf verwurzelt sind. Diese Werte müssen jedoch nicht nur im Diskurs, sondern auch in der Praxis stark umgesetzt werden. An der Seite der Werktätigen zu stehen, ist nicht nur möglich, indem man von der Tribüne aus spricht, sondern auch, indem man vor Ort ist, im Widerstand, im Streik und auf dem Platz.
Ähnlich verhält es sich mit linkssozialistischen Organisationen. Die zersplitterte Struktur, ideologische Debatten und interne Konflikte sollten dem Arbeitskampf nicht im Wege stehen. Heute geht es darum, Differenzen beiseite zu schieben und eine starke gemeinsame Kampflinie auf der Achse der Arbeit zu etablieren. Denn so wie sich das Kapital zusammenschließt, kann die Arbeit nicht gewinnen, wenn sie sich nicht zusammenschließt.
Die Geschichte hat uns dies viele Male gezeigt. Am 1. Mai 1977 in Taksim, während des Arbeiterwiderstands am 15. und 16. Juni, während der Märsche in Zonguldak haben wir alle gemeinsam gesehen, welch große Kraft entsteht, wenn sich die Werktätigen zusammenschließen. Heute brauchen wir die gleiche Entschlossenheit und Solidarität.
Eines der jüngsten und eindrucksvollsten Beispiele für diesen Kampf sind die Minenarbeiter in Ankara, die ihre Rechte einfordern. Die Minenarbeiter, die seit Tagen und Wochen Widerstand leisten, um für ihren Schweiß bezahlt zu werden, sind das Gewissen dieses Landes. Diese Arbeiter, die trotz Druck, Drohungen und Ignoranz nicht nachgegeben haben, erteilen uns allen eine Lektion: Rechte werden nicht gegeben, sie werden genommen.
Denn der einzige Ausweg aus dieser korrupten Ordnung ist die organisierte Macht der Arbeit. Ohne Solidarität, ohne Kampf, ohne Einheit, kann es weder Gerechtigkeit noch Freiheit geben.
Heute ist der 1. Mai...
Heute ist der Tag, um auf die Felder zu gehen, Einspruch zu erheben und seine Stimme zu erheben.
Heute ist der Tag derer, die nicht schweigen, derer, die sich nicht unterwerfen, derer, die Widerstand leisten.
Trotz aller Unterdrückungen, Ungleichheiten und antidemokratischen Praktiken wird die Arbeiterklasse ihren historischen Marsch fortsetzen. Die Werktätigen dieses Landes haben die Macht, an den Wahlurnen und auf den Plätzen die Antwort zu geben, die sie verdienen.
Ich glaube, dass sich diese Reihenfolge bei den ersten Parlamentswahlen ändern wird und die Arbeit den Wert erhält, den sie verdient. Denn die Zukunft dieses Landes wird nicht in Palästen geschrieben, sondern in Fabriken, Werkstätten und Bergwerken.
In diesem Sinne gratuliere ich allen Werktätigen, insbesondere der Arbeiterklasse, zum Internationalen Tag der Einheit und Solidarität der Arbeiterklasse am 1. Mai.
Es lebe der 1. Mai!
Es lebe die Arbeiterklasse!
Lang lebe unser organisierter Kampf
