Heute ist der 10. Dezember. Staats- und Regierungschefs aus aller Welt werden vor die Kamera treten und über “Menschenrechte” sprechen. Doch die Realität sieht so aus: Die Menschenrechte werden an den Tagen am meisten verletzt, an denen am meisten über sie gesprochen wird. Der 10. Dezember ist kein Tag zum Feiern mehr, er ist ein kalter Schlag ins Gesicht der Menschheit.
In der Türkei werden die Stimmen derjenigen, die Gerechtigkeit suchen, immer noch an den Gerichtstoren abgewiesen. Das Recht auf freie Meinungsäußerung wird durch Gesetze für soziale Medien, Ermittlungen und Verhaftungen unterdrückt. Journalismus wird wie ein Verbrechen behandelt, die Justiz versucht, im Schatten der Politik zu atmen. Wenn es Mut erfordert, in einem Land zu denken, spricht man nicht von Menschenrechten, sondern von der Liquidierung von Rechten.

Aber es geht nicht nur um die Türkei.
Der Nahe Osten ist weit mehr als eine Region, in der die Menschenrechte systematisch verletzt werden: Er ist ein Spiegel für die Heuchelei der internationalen Ordnung.
Syrien ist ein von imperialem Kalkül zerrissenes Schachbrett, auf dem über Millionen von Menschen verhandelt wird.
Jemen ist ein Land, das unter den Bomben dem Hungertod preisgegeben und im Schatten der Ölgeschäfte vergessen wurde.
Der Sudan ist ein Zusammenbruch der Menschheit, von dem die Weltmächte sagen: “Wir haben nichts gehört, wir haben nichts gesehen, wir wissen nichts”.
Palästina ist der deutlichste Beweis dafür, dass das Völkerrecht in der heutigen Zeit in den Papierkorb geworfen wurde. Während Kinder sterben, schämt sich die Welt noch immer nicht zu sagen: “Wir fordern die Parteien zur Zurückhaltung auf”.
Und während all dies geschieht, spielen die globalen Mächte weiterhin ihre eigenen Interessenspiele.
Trump hat Venezuela nicht wegen der Demokratie, sondern wegen des Öls ins Visier genommen. Er ist so leichtsinnig, den Putschversuch “Operation Freiheit” zu nennen.
Russland und die Ukraine sind zu einer geopolitischen Landkarte geworden, die mit dem Blut zweier Völker gezeichnet wurde. Während Milliarden von Dollar in Waffen fließen, redet niemand über Frieden, weil Krieg so viel kostet.
China lässt die Uiguren in Konzentrationslagern schmelzen; die Welt schweigt, damit ihre wirtschaftlichen Interessen nicht beeinträchtigt werden.
Die Menschenrechte sind ein Knüppel in den Händen der Weltpolitik: Der Westen erinnert sich an sie, wenn er ein ihm nicht genehmeres Regime unterdrückt; er zögert keine Sekunde, sie zu vergessen, wenn seine Interessen es erfordern.
Diese Heuchelei hat die Welt in einen Menschenrechtsfriedhof verwandelt.

Heute sind es nicht nur Diktatoren, die die Menschenrechte bedrohen, sondern auch globale Akteure, die sich als Demokraten ausgeben, multinationale Konzerne, datenerfassende Algorithmen und die gigantische Propagandamaschine, die all dies normalisiert.
Deshalb kann der 10. Dezember kein Tag zum Feiern sein.
Dieser Tag ist ein Tag des Alarms, der die Tatsache unterstreicht, dass die Herrscher der Welt die Menschenrechte im Einklang mit ihren Interessen beugen.
Heute gibt es nur eine Sache zu tun:
Die Stimme erheben. Das Schweigen ablehnen. Eine Menschheit zu sein, die sich nicht schämt, sondern Verantwortung übernimmt.
Denn die Menschenrechte sind keine bloße Erklärung, sondern so real wie ein Kind, das im Gazastreifen unter der Erde liegt, eine hungernde Mutter im Jemen, ein verlorenes Dorf im Sudan, ein zerstörtes Haus in der Ukraine und der Schrei eines Menschen, der in der Türkei Gerechtigkeit sucht.
Und die Lösung?
Der Kampf für die Menschenrechte kann heute nur auf drei Achsen eine wirkliche Veränderung bewirken: Erstens muss das Völkerrecht in einen Sanktionsmechanismus umgewandelt werden, der nicht nur auf dem Papier steht; angesichts der Geschehnisse im Gazastreifen, im Jemen, im Sudan und in der Ukraine muss eine universelle Justiz geschaffen werden, die zu Ergebnissen und nicht zu “Verurteilungen” führt. Zweitens müssen unabhängige Institutionen gestärkt werden, die die willkürliche Anwendung von Gewalt durch Staaten einschränken; Autonomie, nicht Repression, muss die Grundlage in allen Bereichen sein, von der Justiz bis zu den Medien, von der Wissenschaft bis zur Zivilgesellschaft. Drittens und vor allem müssen sich die Gesellschaften weigern, die schweigende Mehrheit zu sein; sie müssen ein organisiertes, solidarisches, unbegrenztes und furchtloses öffentliches Gewissen gegen Rechtsverletzungen bilden. Denn es sind weder die Staaten noch die Staatsführer, die die Menschenrechte schützen können: Nur die weltweite Solidarität der Völker, ihr aufrührerisches Gewissen und ihr Wille, sie zur Rechenschaft zu ziehen.
