HALKWEBAutorenBildung ist ohne Lehrer nicht planbar

Bildung ist ohne Lehrer nicht planbar

Wenn der Lehrer nicht in den Entscheidungsprozess einbezogen wird, muss jeder Lehrplan früher oder später wieder geändert werden.

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Jede neue Verordnung über das Bildungswesen in der Türkei kommt mit dem Anspruch der “Verbesserung”. Neuer Lehrplan, neues Modell, neues Prüfungssystem... Aber eine einfache Frage wird oft nicht gestellt: Wo sind die Lehrer, wenn diese Entscheidungen getroffen werden?

Von der Grundschule bis zum Gymnasium ist der Lehrer derjenige, der am besten weiß, was in der Klasse funktioniert und was nicht. Jeden Tag sieht er/sie, an welcher Stelle der Schüler/die Schülerin zusammenbricht, welches Thema er/sie nicht versteht, welche Erklärung bei ihm/ihr nicht ankommt. Trotzdem steht der Lehrer nicht im Mittelpunkt des Prozesses, wenn es darum geht, grundlegende Bildungsentscheidungen zu treffen.

Auch die offizielle Struktur zeigt dies deutlich. Die Lehrpläne werden vom Ministerium für nationale Bildung und dem Bildungsrat erstellt. In diesen Gremien sitzen Bürokraten und Akademiker. Die Lehrer, die aktiv im Unterricht tätig sind, sind in diesen Strukturen nicht als gewählte, ständige und verbindliche Vertreter vertreten. Sie werden zwar von Zeit zu Zeit konsultiert, aber es wird nicht bekannt gegeben, ob diese Meinungen die Entscheidung beeinflussen oder nicht. Mit anderen Worten: Die Lehrer scheinen zwar mit am Tisch zu sitzen, aber sie haben kein Mitspracherecht.

Das kürzlich angekündigte Bildungsmodell des türkischen Jahrhunderts hat an diesem Bild nichts geändert. Schlagworte wie kompetenzbasiertes Lernen, Vereinfachung und Betonung von Werten wurden hervorgehoben. Auf dem Papier klingt das nicht negativ. Allerdings wird nicht gemeinsam mit den Lehrern gemessen, ob diese Ziele im Klassenzimmer tatsächlich umgesetzt werden. Der Lehrplan ändert sich, Konzepte werden erneuert, aber was im Klassenzimmer fehlt, welche Lernergebnisse nicht funktionieren, wird nicht an die Spitze gebracht.

Diese Diskrepanz zeigt sich am deutlichsten im Bereich der Beurteilung und Bewertung. Während es heißt, dass die Schüler denken, interpretieren und Probleme lösen sollen, werden die Prüfungen immer noch von Fragen dominiert, die das Auswendiglernen, die Geschwindigkeit und die Testtechnik messen. Im Klassenzimmer sieht der Lehrer, wie der Schüler denkt und wo er stecken bleibt; das System schaut nur darauf, ob er die richtige Antwort ankreuzt oder nicht. Wenn das, was im Unterricht gelehrt wird, und das, was in der Prüfung abgefragt wird, unterschiedlich sind, kann nicht richtig gemessen werden.

Die Prüfungssysteme ändern sich, aber die Logik ändert sich nicht. SBS ging, TEOG kam, LGS kam. YGS-LYS, dann YKS. Der Lehrer ist nicht an der Gestaltung dieser Prüfungen beteiligt. Der Lehrer ist derjenige, der die Ergebnisse im Klassenzimmer verwalten muss. Ausschlaggebend sind hier nicht die Bedürfnisse der Bildung, sondern die administrativen Zwänge des Systems.

All dies deutet auf eine Tatsache hin: Das System zieht keine Lehren. Praktiken, die nicht funktionieren, werden nicht beseitigt und korrigiert, sondern es werden jedes Mal neue Systeme eingeführt. Veränderung wird als die Lösung angesehen. Das Problem liegt jedoch nicht in den Inhalten, sondern in der Methode.

Bildung findet im Klassenzimmer statt, nicht am Schreibtisch. Nicht der Lehrplan lehrt, sondern der Lehrer lehrt. Jeder Plan, der den Lehrer aus der Entscheidung herausdrängt, egal wie gut er gemeint ist, ist unvollständig.

Die Schlussfolgerung ist einfach, aber klar:
Bildung ist ohne Lehrer nicht planbar.

Wenn der Lehrer nicht in den Entscheidungsprozess einbezogen wird, muss jeder Lehrplan früher oder später wieder geändert werden.

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