Die Form des Kapitalismus im 21. Jahrhundert hat neue Ausbeutungsmechanismen geschaffen, die über die klassische Theorie des Imperialismus hinausgehen. Zusammen mit der Umgestaltung der Produktionsverhältnisse haben sich diese Mechanismen in neuen Bereichen wie der Finanzialisierung, der Digitalisierung, der Datenkolonisierung und dem Plattformkapitalismus intensiviert. Um den Dritten Weltkrieg zu verstehen, ist es daher notwendig, nicht nur die militärische und geografische Dynamik zu betrachten, sondern auch die aktuelle Wirtschaftsstruktur des Kapitalismus. Denn die unsichtbare Front des Krieges sind heute die Finanzmärkte, digitale Plattformen, Datenströme und globale Lieferketten.
Finanzialisierung, das neue Hegemoniewerkzeug des Kapitalismus
Finanzialisierung bezieht sich auf eine Phase im Kapitalismus, in der sich der Kapitalismus von der Produktion löst und durch Spekulationen riesige Gewinne erzielt. In diesem Stadium neigt das Kapital dazu, Werte durch Finanzinstrumente zu schaffen, anstatt in den Produktionsprozess zu investieren. Diese Situation ist sowohl die Ursache als auch die Folge der strukturellen Krise des Kapitalismus. Denn in dem Maße, in dem die Profitrate aus der Produktion sinkt, verlagert sich das Kapital in den Finanzbereich, in dem Maße, in dem der Finanzbereich wächst, schwächt sich der Bereich der Produktion, und in dem Maße, in dem die Produktion schwächelt, vertieft sich die Krise.
Eine der offensichtlichsten Folgen der Finanzialisierung ist das Verschwinden der wirtschaftlichen Unabhängigkeit der Staaten. Der IWF, die Weltbank, Ratingagenturen und internationale Finanzmonopole wirken wie eine unsichtbare Regierung, die die Wirtschaftspolitik der Länder bestimmt. Aus diesem Grund sind viele Länder gezwungen, ihre Wirtschaftspolitik nach den Interessen des Finanzkapitals und nicht nach den Bedürfnissen ihrer eigenen Bevölkerung auszurichten. Diese Situation bildet die wirtschaftliche Front des Dritten Weltkriegs. Die Finanzialisierung kontrolliert die Völker auch durch Schuldenmechanismen. Staatsschulden, Haushaltsschulden, Studentenkredite, Verbraucherkredite und Kreditkartenschulden ermöglichen die Kontrolle der Völker durch das Finanzkapital. Deshalb ist die Verschuldung heute eines der mächtigsten Herrschaftsinstrumente des Kapitalismus.
Digitale Ausbeutung, Datenkolonisierung und Plattformkapitalismus
Der wichtigste Mechanismus der Ausbeutung im 21. Jahrhundert ist die digitale Ausbeutung. Digitale Ausbeutung findet statt, wenn die Datenproduktion und der Datenfluss von Monopolkapital kontrolliert werden. Die größten Unternehmen der Welt sind heute keine Ölfirmen, sondern Datenfirmen. Technologiemonopole wie Google, Amazon, Meta, Apple und Microsoft sind die neuen Hegemonialmächte der Weltwirtschaft. Diese Unternehmen sind nicht nur zu wirtschaftlichen, sondern auch zu politischen und ideologischen Mächten geworden.
Der grundlegende Mechanismus der digitalen Ausbeutung ist die Datenkolonisierung. Datenkolonisierung ist die Sammlung, Verarbeitung und gewinnbringende Nutzung von Daten aus den digitalen Aktivitäten der Menschen durch das Monopolkapital. Dieser Prozess ist die aktuelle Form der klassischen Kolonisierung. In der Vergangenheit wurden Land, Minen und Arbeitskräfte ausgebeutet, heute werden Daten ausgebeutet.
Der Plattformkapitalismus ist die sichtbarste Form der digitalen Ausbeutung. Plattformen wie Uber, Airbnb, Deliveroo und Glovo verdammen die Arbeitnehmer zu prekären, flexiblen und unorganisierten Arbeitsformen. Diese Plattformen beseitigen die Rechte der Arbeitnehmer, indem sie sie als “unabhängige Arbeitnehmer” tarnen, die Arbeit der Arbeitnehmer durch Algorithmen kontrollieren, die Löhne senken und die Arbeitszeiten verlängern. Der Plattformkapitalismus ist daher einer der unsichtbarsten, aber am stärksten ausgebeuteten Bereiche der Arbeiterklasse.
Neue Formen des Imperialismus, militärische, wirtschaftliche und digitale Hegemonie
Der heutige Imperialismus beschränkt sich nicht auf klassische militärische Besetzungen. Der neue Imperialismus konzentriert sich auf drei Hauptbereiche:
1. militärischer Imperialismus
Stellvertreterkriege
Private Militärfirmen
Drohnenkriege
Netzwerke von Militärstützpunkten
Die Militarisierung der Energielinien. Diese Struktur ist die grundlegende Dynamik des Krieges im Nahen Osten.
2. der Wirtschaftsimperialismus
Ausleihe
Handelsabkommen
Investitionsdruck
Politik des IWF und der Weltbank
Die Eroberung der lokalen Wirtschaft durch multinationale Konzerne. Diese Struktur ist die wirtschaftliche Grundlage für den künftigen Teilungskrieg in Afrika.
3. digitaler Imperialismus
Kolonisierung von Daten
Abhängigkeit von der digitalen Infrastruktur
Technologiemonopole errichten ideologische Hegemonie
Kontrolle von Staaten durch Cybersicherheit. Diese Struktur ist die unsichtbarste, aber mächtigste Form des Imperialismus des 21. Jahrhunderts.
Neue Struktur der Arbeiterklassen, Fragmentierung, Prekarität und globale Partnerschaft
Die Digitalisierung des Kapitalismus hat die Struktur der Arbeiterklasse radikal verändert. Das traditionelle Industrieproletariat ist geschrumpft, und an seiner Stelle ist ein neues Proletariat entstanden, das prekär, flexibel, fragmentiert und desorganisiert ist. Dieses neue Proletariat ist einem gemeinsamen Ausbeutungsmechanismus auf globaler Ebene ausgesetzt, aber sein Klassenbewusstsein löst sich aufgrund seiner schwachen Organisationsfähigkeit auf.
Diese neue Klassenstruktur bildet die wirtschaftliche Grundlage des Dritten Weltkriegs. Um die Produktionskosten zu senken, hat das Monopolkapital die Arbeit im globalen Maßstab neu organisiert, die Arbeiterklasse zersplittert, die gewerkschaftliche Organisation geschwächt und prekäre Arbeitsverhältnisse verbreitet. Gleichzeitig hat es aber auch einen gemeinsamen Mechanismus der Ausbeutung im Weltmaßstab geschaffen und damit die Grundlage für eine neue internationale Klassensolidarität gelegt.
Fazit, neue Etappe des Kapitalismus, neue Kriege und neue revolutionäre Aufgaben
Die Finanzialisierung und Digitalisierung des Kapitalismus und die globale Hegemonie des Monopolkapitals bilden die wirtschaftliche und ideologische Grundlage des Dritten Weltkriegs. Dieser Krieg ist nicht nur ein militärischer Krieg, sondern auch ein wirtschaftlicher, digitaler, ideologischer und Klassenkrieg.
Die Aufgabe der arbeitenden Menschen besteht daher nicht nur im Widerstand gegen militärische Aggressionen, sondern auch im Kampf gegen finanzielle Ausbeutung, digitale Ausbeutung, Datenkolonisierung und Plattformkapitalismus. Dieser Kampf ist nur durch eine globale revolutionär-sozialistische Linie möglich.
