Ein 13-jähriger Junge tötet einen 60-jährigen Mann…
Es herrscht Stille.
Die Schwierigkeiten, mit denen Menschen mit Down-Syndrom zu kämpfen haben, und die Hilferufe ihrer Familien finden kein Gehör. “Wenn sie Blut brauchen, finden sie es schon selbst”, heißt es… Und wieder wird geschwiegen.
Ein Kind ist verschwunden.
Die Reaktion aus der Bevölkerung: “Was geht mich das an, ist es mein Kind?”
Diese Gleichgültigkeit ist nicht nur ein Zeichen von Gewissenslosigkeit, sondern auch der deutlichste Ausdruck des gesellschaftlichen Verfalls.
Der politische Verfall führt weiterhin zu gesellschaftlichem Verfall.
Nichts überrascht uns mehr, kein Ereignis macht uns traurig.
Denn auch unsere Gefühle werden wie ein Teil des Systems abgestumpft.
Ein Religionslehrer fragt im Unterricht: “Was ist das Gewissen?”.
Die Antwort eines Sechstklässlers fasst alles zusammen:
“Wenn die innere Stimme des Menschen ein wenig traurig wird …”
Dieses Wort “ein bisschen” beschreibt eigentlich genau, wo wir heute stehen.
Unser Gewissen schmerzt ein wenig, aber dann vergessen wir es sofort wieder.
Weil wir uns daran gewöhnt haben. Weil man uns zum Schweigen gebracht hat. Weil es uns egal geworden ist.
Der Rentner kommt finanziell nicht über die Runden.
Selbst mit dem Mindestlohn kann er sich keine Miete leisten.
Familien, die ihren Kindern kein Taschengeld geben können, trauen sich nicht, ihren Kindern, die sie morgens zur Schule schicken, in die Augen zu schauen.
Das Land hat sogar vergessen, sich für seine Existenzsorgen zu schämen.
Das türkische Statistikamt (TÜİK) führt eine allgemeine Landwirtschaftszählung durch.
In den Dörfern und Gemeinden leben die Bauern in Angst.
Wozu diese Zählungen?
Ihr habt ja bereits die Geschäfte eingerichtet und die Regale organisiert.
Dann baut doch auch die Farmen auf und sammelt das Großvieh ein!
Vielleicht sinken dann auch die Inflation und die Zinsen.
Aber man kommt nicht weiter, ohne sich seinem Gewissen zu stellen.
Weder Inflation, noch Zinsen, noch Wut…
Solange die Gesellschaft ihr Schweigen nicht bricht, wird das Gewissen weiterhin nur “ein bisschen” trauern.
Und dieses Gewissen, das “ein bisschen” wehtut, wird eines Tages ganz verstummen.
