HALKWEBAutorenGemeinden, die an der Wahlurne gewinnen und vor dem Gericht verlieren!

Gemeinden, die an der Wahlurne gewinnen und vor dem Gericht verlieren!

Die heutigen Krisen sind kein Zufall. Denn das System ist bereits so aufgebaut, dass es für solche Eingriffe offen ist.

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Es handelt sich nicht um eine Ausnahme. Es handelt sich nicht um einen Fehler. Dies ist eine systematische Entscheidung.

Die lokale Demokratie in der Türkei wird nicht mehr nur an der Wahlurne ausgeübt, sondern durch Gerichtsverfahren neu gestaltet. Gemeinden, die vom Volk gewählt werden, werden in Bereichen, in denen die politische Macht nicht direkt konkurrieren kann, mit verschiedenen Mitteln unter Druck gesetzt. Die Prozesse, die sich um die Stadtverwaltung von Uşak und die Stadtverwaltung von Bursa abspielen, sind keine neuen Beispiele für dieses Bild - es ist inzwischen die Regel.

Heute geht es nicht um den Status einiger weniger Bürgermeister. Es geht darum, ob der Wille des Wählers anerkannt wird. Wenn diejenigen, die gewählt werden, innerhalb der von der Justiz und nicht von den Wählern gesetzten Grenzen agieren können, wird es immer schwieriger, von einer funktionierenden Demokratie zu sprechen.

Judikative oder Politik?

Das Wesen der Rechtsstaatlichkeit ist die Unparteilichkeit der Richterschaft. Das Bild, das sich heute ergibt, führt jedoch dazu, dass die Justiz nicht nur als rechtlicher Mechanismus, sondern auch als ein Instrument mit politischen Auswirkungen wahrgenommen wird. Und genau hier beginnt das Problem.

Wenn sich die Ermittlungen hauptsächlich auf die Gemeinden der Opposition konzentrieren und sich ähnliche Prozesse in den Gemeinden der Regierungspartei nicht in der öffentlichen Meinung widerspiegeln, geht diese Situation über eine juristische Debatte hinaus und wird direkt zu einer politischen Debatte. Denn Recht muss nicht nur angewandt werden, sondern auch das Vertrauen schaffen, dass es gleichmäßig angewandt wird.

Wenn dieses Vertrauen untergraben wird, werden gerichtliche Entscheidungen, egal wie technisch korrekt sie sind, von großen Teilen der Gesellschaft nicht als legitim angesehen.

Systemproblem: Lokale Verwaltung oder zentrale Bevormundung?

Die Kommunalverwaltungen in der Türkei sind auf dem Papier autonom, werden aber in der Praxis stark von der Zentralverwaltung kontrolliert. Mechanismen für interne Angelegenheiten, Entlassungsbefugnisse und administrative Eingriffsmöglichkeiten machen die lokale Demokratie fragil.

Die heutigen Krisen sind kein Zufall. Denn das System ist bereits so aufgebaut, dass es für solche Eingriffe offen ist.

Die Lösung besteht daher nicht in der Diskussion von Einzelfällen, sondern in einer Strukturreform:
- Die Entlassung von Bürgermeistern sollte auf klaren und objektiven Kriterien beruhen
- Gerichtsverfahren sollten beschleunigt werden und frei von politischer Einflussnahme sein
- Die finanzielle und administrative Autonomie der lokalen Verwaltungen sollte gestärkt werden
- Der Zuständigkeitsbereich der zentralen Verwaltung sollte klar abgegrenzt werden

Andernfalls wird jede neue Veranstaltung zu einer Wiederholung derselben Debatte.

Vorgezogene Kommunalwahlen: Lösung oder Ausweg?

Der Vorschlag, die Kommunalwahlen vorzuziehen, ist ein Versuch, die demokratische Legitimation wiederherzustellen. Dieser Schritt allein ist jedoch keine Lösung.

Wenn sich das System nicht ändert, werden die Wahlen nur die Akteure erneuern, nicht aber das Problem. Die Ursache der heutigen Krisen ist nicht die Wahlurne, sondern die Art und Weise, wie das Ergebnis der Wahlurne aufgenommen wird.

Daher können vorgezogene Wahlen nur in Verbindung mit einer umfassenden Reform der Kommunalverwaltung sinnvoll sein. Andernfalls würde das Problem nur verschoben und nicht gelöst werden.

Wer ist verantwortlich?

Der gefährlichste Ansatz ist es, den gesamten Prozess der Justiz zu überlassen. Denn es handelt sich nicht nur um eine rechtliche, sondern auch um eine politische und institutionelle Frage.

Die politische Macht, die Opposition und alle demokratischen Akteure müssen sich mit der folgenden Frage auseinandersetzen:
Werden die Kommunalverwaltungen in der Türkei wirklich nach dem Willen des Volkes regiert, oder wird dieser Wille ständig auf unterschiedliche Weise umgestaltet werden?

Schlussfolgerung Eine Weggabelung

Die Türkei steht heute an einem klaren Scheideweg.

Entweder wird eine Ordnung geschaffen, die auf der Vorherrschaft der Wahlurne und einer wirklich unabhängigen und unparteiischen Justiz beruht...
Oder die Bedeutung von Wahlen wird allmählich ausgehöhlt, und die lokale Demokratie wird nur noch eine formale Struktur sein.

Diese Debatte kann nicht länger aufgeschoben werden.
Dies ist eine Frage der Zukunft der direkten Demokratie.

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