Wenn heute die Rechte in der Welt und in unserem Land auf dem Vormarsch ist, reicht es nicht aus, dies nur mit Populismus oder einer falschen Wahlentscheidung der Wähler zu erklären. Das eigentliche Problem ist die Stimmung in den Gesellschaften. Wenn Menschen sich unsicher fühlen, suchen sie nach Klarheit und Eigenverantwortung, nicht nach langen Programmen.
Die Rechte hat das gesehen. Sie sprach einfach. Sie betonte Ordnung, Kontrolle und Zugehörigkeit. Sie sagte “Ich bin hier”, sie sagte “wir”. Wie realistisch diese Reden sind, ist eine andere Debatte, aber sie gaben den Menschen eine klare Botschaft: Ihr seid nicht allein. Dieses Gefühl wurde vor allem an den Wahlurnen erwidert.
Der Hauptunterschied zwischen der Rechten und der Linken liegt in der Sichtweise der Menschen. Die Linke betrachtet Armut und Ungleichheit als strukturelle Probleme und sucht Lösungen im Sozialstaat und in der Gleichheit. Dieser Ansatz führt die Linke dazu, eine rationale Sprache zu konstruieren. Die Rechte hingegen stellt die menschlichen Ängste, die Unsicherheit und das Bedürfnis nach Ordnung in den Mittelpunkt; sie konstruiert eine Sprache der Sicherheit und Stabilität.
Und was hat die Linke hier getan?
Die Linke stand historisch gesehen auf der Seite der Arbeit und der Gerechtigkeit. Im Laufe der Zeit ging sie jedoch zu einer Sprache über, die die Wahrheit sagt, statt Mitgefühl zu zeigen. Anstatt die Menschen nach ihren Gefühlen zu fragen, sagte sie ihnen, was sie denken sollten. Ein Mensch, der Angst hat, lässt sich jedoch nicht überzeugen; er will erst einmal verstanden werden.
Warum konnte die Linke mit diesem Gefühl nicht in Berührung kommen? Weil sie lange Zeit Politik als eine Sache der Argumentation und des Aufzeigens der Wahrheit betrachtete. Sie behandelte den Menschen als ein Wesen, das überzeugt ist, wenn es die richtigen Informationen erhält. Furcht, Ängste und Unsicherheitsgefühle wurden oft als vorübergehend oder übertrieben angesehen. Anstatt auf das Gefühl zu hören, versuchte er, es zu korrigieren. Außerdem herrschte in Europa ein übermäßiges Vertrauen in die Institutionen. Man ging davon aus, dass der Sozialstaat und das Gesetz die Menschen ohnehin schützen würden. Solange diese Annahme gültig war, schien es kein Problem zu sein. Doch als das System schwächelte und die Institutionen ins Wanken gerieten, fühlte sich die europäische Gesellschaft einsam. Die Linke hat es versäumt, diesen Bruch rechtzeitig zu erkennen.
Ein weiteres Problem ist, dass sich die Linke von diesem Bereich distanziert hat. Die alltägliche Situation der Menschen, die mit Schulden, Prekarität und Zukunftsangst leben, wurde nicht genug gesehen. Außerdem ging es nicht nur um die Wirtschaft. Durch die unkontrollierte Zuwanderung veränderten sich Nachbarschaften rapide, die vertraute Umgebung zerstreute sich, und das Gleichgewicht des täglichen Lebens wurde gestört. Für viele Menschen bedeutete diese Veränderung eher einen direkten Vertrauensverlust als einen kulturellen Unterschied.
Auch die Sprache hat in diesem Prozess an Gewicht gewonnen. Die Begriffe haben zugenommen, die Sätze sind länger geworden. Die Menschen suchen jedoch nach einer Antwort auf eine einfache Frage: “Bist du bei mir? ”Gehörst du zu mir?" Eine klare Antwort auf diese Frage konnte nicht gefunden werden.
Die heutige Situation ist das Ergebnis der Unfähigkeit der Linken, die menschliche Stimmung zu lesen, und nicht des außerordentlichen Erfolgs der Rechten. Recht zu haben war nicht genug. Denn in der Politik geht es nicht nur darum, die Wahrheit zu sagen; es geht auch darum, Ängste zu erkennen und ein Gefühl des Vertrauens aufzubauen.
Dies ist kein Vorwurf, sondern eine Selbstkritik. Wenn die Linke wieder eine Antwort finden will, muss sie verstehen, was die Menschen fühlen, bevor sie ihnen sagt, was sie denken sollen. Der Gewinner an der Wahlurne ist nicht derjenige, der die meiste Wahrheit sagt, sondern derjenige, der das meiste “Ich bin bei dir”-Gefühl vermittelt.
