HALKWEBAutorenDie Verbindung zwischen dem Brot der Werktätigen und dem Säkularismus

Die Verbindung zwischen dem Brot der Werktätigen und dem Säkularismus

Für den Werktätigen ist der Säkularismus keine Wahl, sondern ein Bedürfnis. Und dieses Bedürfnis ist nicht kulturell, sondern klassenbedingt.

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Der Säkularismus wurde in diesem Land lange Zeit zu einem “Kulturkampf” verdichtet. Dabei geht es weder um eine Lifestyle-Polemik noch um einen abstrakten Verfassungsartikel. Es geht um das Brot. Es geht um die Frage, ob wir für den Schweiß unserer Arbeit bezahlt werden können oder nicht.

Für den Arbeiter bedeutet Säkularismus, dass der Staat keinen Glauben bevorzugt. Denn wenn der Staat einen Glauben bevorzugt, wird Loyalität, nicht Leistung, zum Kriterium am Arbeitsplatz. Das Kriterium für die Einstellung, die Beförderung und die Besetzung öffentlicher Stellen sind nicht Talent und Arbeit, sondern “Konformität”. Das spaltet die Klasse, isoliert den Arbeiter und stärkt den Chef.

Eines der Worte, die wir heute im Arbeitsleben am häufigsten hören, ist “Überzeugung”. Verurteilung in Mindestlohndebatten, Geduld bei Streiks, Schicksal bei Arbeitsmorden... Im Arbeitskampf geht es jedoch nicht um Schicksal, sondern um Rechte. Und Rechte werden in einer säkularen Rechtsordnung gesichert. Die Mentalität, die das Streikrecht als “Aufruhr”, die Gewerkschaft als “Korruption” und den Einspruch als “Ungehorsam” kodifiziert, will die Stimme des Arbeiters zum Schweigen bringen. Genau hier kommt der Säkularismus ins Spiel: Er verhindert die Unterdrückung der Suche nach Rechten mit sakralen Bezügen.

Bei der Arbeit von Frauen ist das Bild noch klarer. Das Verständnis, das Frauen auf das Haus beschränkt und die Last der Pflege als “fıtrat” definiert, ist das größte Hindernis für eine sichere Beschäftigung. Forderungen wie gleicher Lohn für gleiche Arbeit, das Recht auf Kindergarten und Mutterschaftsurlaub sollten jedoch nach dem allgemeinen Arbeitsrecht und nicht nach religiösen Normen geregelt werden. Der Säkularismus verteidigt die öffentliche Existenz von Arbeitnehmerinnen.

Auch die öffentlichen Dienste stehen im Mittelpunkt dieser Debatte. Wenn Bildung und Gesundheit von religiösen Bezügen geprägt sind, zerfällt der Sozialstaat. Die steuerzahlenden Arbeitnehmer können keine gleichwertigen Dienstleistungen erhalten. Der Säkularismus ist jedoch die Neutralität des öffentlichen Sektors. Die Steuer des Arbeitnehmers sollte für das Gemeinwohl aller Bürger ausgegeben werden, nicht für den Nutzen eines bestimmten Glaubens.

Die Klassensolidarität wächst nur mit dem Bewusstsein eines gemeinsamen Interesses. Nicht die Sekte, die Identität und der Lebensstil des Arbeiters sollten entscheidend sein, sondern sein Lohn und seine Sicherheit. Wo der Säkularismus ausgehöhlt wird, wird die Klassenidentität schwächer und die Identitätspolitik stärker. Das begünstigt vor allem den Chef.

Iftar-Tische, die Einführung von Hymnen in den Schulen - genau deshalb erwarten sie von den Werktätigen, dass sie ihrer etablierten Ordnung nacheifern. Sie wollen, dass sich die Werktätigen der Armut unterwerfen. Die Beziehungen der Sekten zum Handel und zur Politik werden als nationale geistige Gefühle dargestellt. Die Ordnung, die sie etablieren wollen, soll eine Ordnung aufrechterhalten, in der die armen Arbeiter gehorchen und die Bosse mehr Profit machen.

Heute bedeutet die Verteidigung des Laizismus nicht nur die Verteidigung eines Prinzips, sondern die Verteidigung der Ehre der Arbeit. Denn der Laizismus ist die Garantie für das Teilen des Brotes auf der Grundlage von Rechten, unabhängig von Politik, Glauben und Loyalität. Genau hier liegt der Zusammenhang zwischen Brot und Laizismus: Wenn das eine geschwächt ist, wird das andere prekär.

Für den Werktätigen ist der Säkularismus keine Wahl, sondern ein Bedürfnis. Und dieses Bedürfnis ist nicht kulturell, sondern klassenbedingt.

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