Auf dem Weg von 2025 nach 2026 ist die Türkei nicht nur mit einem wirtschaftlichen Bild, sondern auch mit einer Reihe von Klassenpräferenzen konfrontiert. Die Hungergrenze, die Armutsgrenze, die Lebenshaltungskosten, die hohe Steuerlast... All diese Indikatoren sind nicht nur Wirtschaftsdaten, sondern zeigen auch, welche Art von sozialer Architektur das Land aufbaut, für wen der politische Wille arbeitet und für wen nicht.
Das ist heute die Realität von Millionen von Arbeitern, Mindestlohnempfängern, Rentnern und jungen Arbeitslosen:
Es ist kein Kampf um den Lebensunterhalt, es ist ein Kampf ums Überleben.
Die Daten von TÜRK-İŞ für November 2025 zeigen dies mit erschreckender Deutlichkeit:
Die Hungergrenze für eine vierköpfige Familie liegt bei 29.828 TL, die Armutsgrenze bei 97.159 TL.
Auf der anderen Seite liegt der Mindestlohn bei 22.104 TL.
Dieses Bild zeigt, dass der Staat sich schon lange nicht mehr an seine sozialen Verpflichtungen erinnert und seine Bürger dem Markt, der Verschuldung und der Inflation ausgeliefert hat. Die wirtschaftlichen Indikatoren sind kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Klassenpolitik, die von den bewussten Präferenzen des politischen Willens geprägt ist.
Das System der indirekten Steuern: Der Mechanismus, der von den Taschen des Volkes zum Kapital funktioniert
Bei der Analyse des Haushalts 2026 offenbart die Steuerarchitektur nicht das Verständnis eines Landes von sozialer Gerechtigkeit, sondern im Gegenteil, wie es die Ungerechtigkeit institutionalisiert.
Geplante Brutto-Steuereinnahmen: 15,631 Milliarden TL
Netto-Steuereinnahmen: 13,783 Milliarden TL
Bu gelirlerin %61,7’si dolaylı vergilerden elde ediliyor.
Dolaysız vergilerin payı ise yalnızca %38.
Wir sprechen hier nicht nur über eine technische Unterscheidung. Diese Unterscheidung zeigt, wer in der Türkei mehr Steuern zahlt, wer von der Steuergerechtigkeit ausgenommen ist und wer systematisch geschützt und begünstigt wird.
Indirekte Steuern werden unabhängig von der Höhe des Einkommens von allen erhoben.
Das bedeutet Folgendes:
Beim Kauf von Brot, bei der Benutzung von Verkehrsmitteln, beim Öffnen der Rechnung zahlen die Armen einen viel größeren Anteil ihres Einkommens an Steuern an den Staat. Die Reichen hingegen zahlen nicht den gleichen Betrag, aber in geringerem Maße.
Diese Situation ist nicht nur wirtschaftlich, sondern auch moralisch und sozial verzerrt. Denn das indirekte Steuersystem macht jede Ausgabe des Volkes zu einem “Steuerinstrument”, während der Beitrag von Kapital, Mietern und Finanzkapital auf ein Minimum beschränkt wird.
Haushalt 2026: Entwurf für Schulden und Zinsen, nicht für die Menschen
Das Gesamteinkommen beträgt 16,2 Billionen TL.
Die Gesamtausgaben belaufen sich auf 18,9 Billionen TL.
Das Haushaltsdefizit beträgt 2,7 Billionen TL.
Und wo bleibt die Öffentlichkeit bei den Ausgaben?
Antwort: Fast nirgendwo.
Der dramatischste Posten sind die Zinsausgaben: 2.741,7 Milliarden TL.
Ein so hoher Anteil der Zinszahlungen am Haushalt eines Landes ist nicht nur eine wirtschaftliche Schwachstelle, sondern auch eine politische Entscheidung. Diese Präferenz geht weit über technische Begriffe wie “Primärdefizit” oder “Haushaltsdefizit” hinaus:
Der Staat arbeitet nicht für die Werktätigen, sondern für die Schuldner, die Banken und das Großkapital.
Dies ist im Haushalt 2026 geschehen.
Die Personalausgaben und die Ausgaben für die soziale Sicherheit mögen nominal hoch erscheinen, aber sie schmelzen angesichts der Inflation. Der größte Teil der laufenden Transfers besteht aus Posten, die keinen sozialen Nutzen bringen und lediglich eine Haushaltsaufstockung darstellen. Die Investitionsausgaben hingegen erreichen bei weitem nicht das Ausmaß, das die Produktionswirtschaft ankurbeln würde.
Diese Verteilung zeigt, dass der Haushalt kein sozialstaatliches Dokument ist, sondern ein “Schuldentilgungsprotokoll”, das unter den Zinsverpflichtungen erdrückt wird.
Was sagt uns die Steuergeschichte?
Die steuerliche Zusammensetzung der Türkei fasst eigentlich alles zusammen, was sich im Laufe der Jahre verändert hat:
1980: Dolaylı vergiler %37 — Dolaysız vergiler %63
2025: Dolaylı %65 — Dolaysız %33
2026: Dolaylı %61,7 — Dolaysız %38
Dies ist die historische Linie der Institutionalisierung von Ungerechtigkeit, nicht von Steuergerechtigkeit, in der Türkei.
Die Besteuerung des Konsums, der schärfste Indikator für die neoliberale Periode, ist in den letzten 40 Jahren auf die Schultern der Bürger gesunken, während die Steuerbelastung des Kapitals in der Vergangenheit zurückgegangen ist.
Dies ist keine wirtschaftliche, sondern eine Klassenpräferenz.
Und diese Bevorzugung schützt nicht die gesamte Gesellschaft, sondern nur eine kleine Gruppe von Menschen.
Soziale Folgen: Verschärfung der sozialen Gewalt
Heute haben wir es in der Türkei nicht mehr nur mit einer Wirtschaftskrise zu tun.
Es handelt sich um eine institutionalisierte Form der sozialen Gewalt.
Der Werktätige wird doppelt besteuert: Auf den Verbrauch und auf das Einkommen.
Die Armen werden bestraft, weil sie nicht in der Lage sind, ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen.
Das Kapital wird mit Anreizen und Steuerbefreiungen belohnt.
Die Mieteinnahmen wachsen fast steuerfrei.
Das Finanzkapital wird durch Zinsen und Transfers aus dem Staatshaushalt gespeist.
Die Grundbedürfnisse - Nahrung, Energie, Unterkunft, Verkehr - sind zu einem relativen Luxus geworden.
Der Tisch des Volkes schrumpft, der Gewinn des Kapitals wächst.
Und dies ist keine zufällige Verschlechterung, sondern das Ergebnis einer systematischen Entscheidung.
Der Ausweg: Eine echte Steuer- und Haushaltsreform
Die Türkei braucht heute einen Strukturwandel, keinen Verband.
1. die Mehrwertsteuer/Steuer sollte auf die Grundbedürfnisse reduziert werden.
Die Besteuerung der Armen auf Milch, Brot und Windeln, die sie kaufen, widerspricht der Idee des Sozialstaats.
2. die Steuern auf Vermögen, Erbschaften und hohe Einkommen zu erhöhen.
Gerechtigkeit muss nicht nur beim Einkommen, sondern auch beim Vermögen gewährleistet sein.
3) Die Zinszahlungen sollten gesenkt werden; die Mittel sollten in die Produktion und Beschäftigung fließen.
Die Zinsausgaben in Höhe von 2,7 Billionen TL sind zu einem Hemmschuh für soziale Investitionen geworden.
4. echte Bekämpfung von Steuerhinterziehung und Informalität.
Obwohl es um Milliarden von Lira an illegalen Einnahmen geht, ist es nicht gerecht, Ladenbesitzer zu kontrollieren, die Rechnungsbelege sammeln.
5. der Sozialstaat muss gestärkt und die Lebenshaltungskosten der Bürger müssen gesenkt werden.
Unterkunft, Energie, Bildung und Gesundheit sollten als Marktprodukte abgeschafft werden.
6. die Haushaltsführung sollte transparent sein; die Ausgaben sollten auf der Grundlage des sozialen Nutzens geplant werden.
Schlussfolgerung Gerechtigkeit fängt beim Haushalt an
Der Haushalt 2026 zeigt uns eher eine politische Ausrichtung als eine wirtschaftliche Präferenz:
Ein System, das das Kapital und nicht die Arbeit begünstigt.
Ein System, das die Steuerlast auf dem Rücken der Bürgerinnen und Bürger abwälzt.
Ein Ansatz, der die Zinszahlungen heiligt und den Sozialstaat minimiert.
Gerechtigkeit wird nicht nur im Gerichtssaal gesucht.
Gerechtigkeit wird meist bei Tisch gesucht, auf dem Markt, in der Rechnung, in der Bildung, im Wohnungswesen.
Der vorliegende Haushalt ignoriert diese Gerechtigkeit.
Lassen Sie es uns also ganz offen sagen:
Es gibt keine Gerechtigkeit im Elend.
Bei einem Raubüberfall gibt es keine Gerechtigkeit.
Diese Reihenfolge ist nicht haltbar.
Die Türkei wird entweder eine neue Wirtschaftsordnung auf der Grundlage von Einkommens- und Steuergerechtigkeit schaffen;
oder ein sich vertiefender sozialer Zusammenbruch wird weiterhin das Schicksal von Millionen sein.
Daher ist diese Haushaltsdebatte nicht nur eine technische Frage;
Demokratie, Gleichheit und sozialer Frieden.
Und an der Schwelle, die wir heute erreicht haben, ist die Entscheidung klar:
Entweder Gerechtigkeit - oder Zusammenbruch.

