Bildung ist für junge Menschen zu einer Zeitverschwendung und für Familien zu einer schweren Last geworden. Wir diskutieren immer noch über den Lehrplan des Bildungssystems, während die Diplome nichts anderes versprechen als Kassiererei und Kurierdienste. Das eigentliche Problem ist jedoch das verzerrte Beschäftigungssystem, das keinen Gegenwert für die Arbeit und die Diplome unserer Jugend bietet. Dieses wirtschaftliche Bild, das die Städte aufbläht, verdunkelt nicht nur die Taschen der jungen Menschen, sondern auch all ihre Hoffnungen für die Zukunft.
Während die Familien, die das Fundament der Gesellschaft bilden, keine Hoffnung geben können, zieht sich die Generation, die unter diesen Trümmern zurückbleibt, stillschweigend aus der Zukunft zurück.
Familien, die aufhören zu versprechen
In unserer traditionellen Familienstruktur wurden die Kinder mit einem Versprechen motiviert. Die Schlangen vor den Fahrradfahrern bei den Zeugnissen bedeuteten, dass die Arbeit eines Jahres mit einem greifbaren Glück belohnt wurde, mit anderen Worten: das Fahrradversprechen. Diese Zeiten sind längst vorbei.
Wir sind heute zu einer Gesellschaft geworden, die ihren Kindern nicht einmal mehr einen Toast aus der Schulkantine versprechen kann, geschweige denn ein Fahrrad. Das zeigt nicht nur die finanzielle Not, sondern auch das Fehlen des grundlegendsten Versprechens, nämlich der Gewissheit, dass die Kinder für die Zukunft ernährt werden. Die eigentliche Frage ist: Gibt es unter diesen Umständen überhaupt noch Eltern, die ihren Kindern Vertrauen in die Zukunft geben können? Wenn die Familie keine Hoffnung geben kann, kann das Kind nicht motiviert werden; der Sinn des Lernens geht verloren und das Bildungssystem wird sinnlos.
Fakten, die nicht in eine Kuriertasche passen
Wir haben in jeder Provinz mehr als eine Universität eröffnet. Wir haben sogar Gesundheitsuniversitäten in Städten mit heilenden Gewässern eingerichtet. Allerdings klafft jetzt eine große Lücke zwischen den Studienfächern, die junge Menschen absolvieren, und den Arbeitsplätzen, die sie finden können.
Hochschulabsolventen sind nicht nur zur Kurierarbeit, sondern auch zur Arbeit an der Kasse verdammt. Noch schmerzlicher ist die Realität einer Jugend, deren Arbeitszeiten ungewiss sind, die nicht in dem Supermarkt einkaufen kann, in dem sie als Kassiererin arbeitet, und die versucht, in Wohngemeinschaften zu leben. Das Beschäftigungsangebot für junge Menschen wird nicht durch die Qualität der Ausbildung, sondern durch die schrumpfenden Grenzen der Wirtschaft bestimmt. Während die Zahl der Hochschulabsolventen steigt, schrumpft die Fläche der Arbeitsplätze; während die Städte schrumpfen, wachsen die Großstädte noch mehr an.
Und noch eine bittere Wahrheit: Es gibt keinen politischen Geist, der über die Verbesserung der Bedingungen und die Stärkung der sozialen Sicherheit dieser Berufe nachdenkt, in die wir unsere jungen Menschen zwingen. Stattdessen steht die Frage “Wie können wir diese jungen Menschen besteuern?” im Vordergrund.
Eine Gesellschaft, die das Kinderkriegen als Luxus ansieht
Das größte Problem der Türkei ist jetzt klar: Der gefährliche Rückgang der Bevölkerungswachstumsrate. Mit welcher Motivation wird ein junger Mensch, der keine Hoffnung für seine eigene Zukunft hat, heiraten und Kinder bekommen? Außerdem ist die seit Jahren erhobene Forderung nach “mindestens drei Kindern” nach wie vor gültig.
Dieser Dialog in der Großen Nationalversammlung der Türkei, bei dem über die Gehälter der Berufsbeamten im öffentlichen Dienst diskutiert wurde, bringt das Bild auf den Punkt: Auf der einen Seite steht die Einsicht: “Lasst die gehen, die gehen”, und auf der anderen Seite die Panik: “Wir können kein qualifiziertes Personal halten”. In dieser widersprüchlichen Ordnung wird es unmöglich, Motivation zu finden. In dem Maße, in dem der Glaube daran schwindet, dass sich Bildung, Arbeit und Anstrengung in Zukunft auszahlen werden, leeren sich die Schulen und schwinden die Hoffnungen.
Die Generation, die nicht von Enkelkindern träumen kann
Der wirtschaftliche Druck bricht nicht nur die Widerstandsfähigkeit der jungen Menschen, sondern auch das Gedächtnis der Gesellschaft. Früher gab es eine Generation, die sagen konnte: “Ich habe sie erzogen, sie zum Militärdienst geschickt, und deine Arbeit ist getan; jetzt ist es Zeit zu heiraten, ich will Enkelkinder”. Heute ist diese Generation sprachlos. Wie kann eine Familie, die ihre eigenen Kinder nicht ernähren kann, die Kraft aufbringen, von Enkelkindern zu träumen?
Was die Türkei braucht, sind keine neuen Parolen, sondern ein politisches Denken, das sich der Realität stellt und jungen Menschen eine konkrete Zukunftsperspektive bietet. Unser Ziel ist es nicht, Pessimismus zu verbreiten, sondern vor der herannahenden Dunkelheit zu warnen.
Das sollten wir nicht vergessen: Ein Land, das seiner Jugend keine Hoffnung bieten kann, ist gezwungen, seine Zukunft zu importieren. Wenn ein großer Teil der Gesellschaft beginnt, Kinder als “Luxus”, Heiraten als “Risiko” und Leben als “Last” zu betrachten, ertönen die Sirenen des Zusammenbruchs.
Unsere Aufgabe ist es nicht, den jungen Menschen mehr Geduld beizubringen, sondern eine Ordnung aufzubauen, in der sie Hoffnung haben. Wenn die Hoffnung sinkt, sinkt die Bevölkerung; wenn die Bevölkerung sinkt, sinkt die Macht; wenn die Macht sinkt, wird der Staat schwach.
Der stille Zusammenbruch einer Nation beginnt an dem Tag, an dem die jungen Menschen ihr Mitspracherecht über die Zukunft verlieren.
Können wir in einer Zeit, in der wir über den Mindestlohn und die Hungergrenze diskutieren, diesen Zusammenbruch nur aufhalten, indem wir mit unseren Drohnen und UCAVs prahlen, die wir mit Stolz betrachten?
Wir werden weiterhin entschlossen auf diese Probleme, die der stumme Schrei unseres Landes und unseres Volkes sind, aufmerksam machen und mit sozialem Verantwortungsbewusstsein an die Fakten erinnern.
