Wenn in einem Land Brände wüten, werden nicht nur die Flammen, sondern auch die Wahrheit sichtbar.
In einer Fabrik in Dilovası und in einem Container in Antalya... Zwei verschiedene Gegenden, zwei verschiedene Sektoren, aber das gleiche Ende: Arbeiter und Kinder verbrannten.
In diesem Land sind Brände nicht mehr ein Naturphänomen, sondern ein Klassenindikator. Auch die Flüchtlinge sind Teil der türkischen Arbeiterklasse. Sie produzieren und sterben gemeinsam. Deshalb müssen die Wege zum gemeinsamen Kampf unbedingt mit politischen Zielen verbunden werden.
Die Ereignisse in Dilovası haben uns wieder einmal die dunkle Seite der Produktion gezeigt. Arbeiter, die inmitten von brennbaren Chemikalien arbeiten, ohne die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen zu treffen... Eine Arbeitsordnung ohne Fluchtwege... Und das Schmerzlichste: Todesfälle, darunter auch Kinder.
In Antalya gab es einen weiteren Brand. Diesmal jedoch nicht im Produktionsbereich, sondern im Wohnbereich. In einem Container, in dem Gewächshausarbeiter untergebracht waren, brach ein Feuer aus, dem eine Mutter und ihre Kinder zum Opfer fielen. Dies ist nicht nur ein Feuer, sondern ein Bild für das Leben, das dieses Land den Landarbeitern und Wanderarbeitern geschenkt hat.
In einer Zeit, in der wir alle Zeugen der durch Kriege und imperialistische Besatzungsversuche im Nahen Osten verursachten Zwangsmigrationen sind, ist der Feuertod einer Flüchtlingsfamilie in Antalya die Fortsetzung der durch Bomben verursachten Grausamkeit. Kinderarbeitende Flüchtlinge sind die Unsichtbaren der Arbeiterklasse. Sie sterben an Arbeitsplätzen, in Containern, und ihre Namen bleiben ein paar Tage lang unerkannt. Sie sind nicht in den Daten über Arbeitsmorde oder Kinderarbeit enthalten.
Zwischen diesen beiden Ereignissen gibt es keinen Abstand.
Denn beide sind das Produkt derselben politischen Präferenz.
Die Arbeitspolitik in der Türkei stützt sich seit langem auf drei Säulen:
Flexibilität, mangelnde Überwachung und billige Arbeitskräfte.
Dieser Dreiklang bestimmt nicht nur die Arbeitsbedingungen, sondern auch die Lebensbedingungen.
Der Arbeitnehmer ist am Arbeitsplatz nicht sicher.
Der Arbeitnehmer ist zu Hause nicht sicher.
Kinder sind nirgendwo sicher.
Daher ist der Brand in Dilovası kein “Arbeitsunfall”.
Das Feuer in Antalya ist kein “Unglück”.
Dies sind die Ergebnisse eines Systems, in dem sich der Staat aus der Kontrolle zurückzieht, das Kapital die Kosten kalkuliert und die Armen ihrem Schicksal überlässt.
In der Türkei existiert der Arbeitsschutz heute hauptsächlich auf dem Papier. Die Inspektionen sind entweder unzureichend oder nur zur Schau. Vor allem in Kleinbetrieben und in der Landwirtschaft gibt es sie so gut wie nicht. Flüchtlingsarbeiter und Kinder sind die unsichtbarsten Opfer dieser Lücke.
Die Frage, die man sich stellen muss, lautet:
Warum sterben immer dieselben Menschen?
Die Antwort ist eindeutig:
Denn dieses System betrachtet einige Leben als weniger wertvoll.
Wenn in einem Land Arbeiter verbrannt werden,
wenn Kinder bei der Arbeit sterben,
Die Familien sind dazu verdammt, in Containern zu leben,
Das Problem ist hier nicht technischer, sondern politischer Natur.
Die Lösung ist politisch, nicht technisch.
Für eine echte Lösung:
- Die Arbeitssicherheitsinspektionen sollten unabhängig und streng durchgeführt werden,
- Kinderarbeit muss praktisch und vollständig abgeschafft werden,
- Wanderarbeitnehmern müssen menschenwürdige Wohn- und Arbeitsbedingungen geboten werden,
- Und vor allem muss die Auffassung aufgegeben werden, dass Arbeit ein Kostenfaktor ist.
Damit diese vier Themen verwirklicht werden können, muss die Arbeiterklasse organisiert sein und in der Politik bestimmen und regieren können. Eine andere Lösung gibt es nicht.
Andernfalls werden wir nach jedem Brand immer wieder die gleichen Sätze sagen.
“Nachlässigkeit”, “Schicksal”, “Untersuchung”...
Und jedes Mal vergessen wir es nach ein paar Tagen wieder.
Aber die Wahrheit wird sich nicht ändern:
Einige Menschen in diesem Land leben nicht, sie versuchen zu überleben.
Die brennende Fabrik in Dilovası und der brennende Container in Antalya sind eigentlich zwei Spiegel desselben Landes.
Das eine zeigt die Produktion, das andere das Leben.
Und was wir in beiden sehen, ist dasselbe:
Abgewertete Leben.
Es geht also nicht darum, Brände zu löschen,
ist es, das System zu ändern, das diese Brände möglich macht.
Sonst wird dieses Land noch viel mehr brennen.
Und mit jedem Brand verlieren wir ein bisschen mehr.
