HALKWEBAutoren21. März, Newroz und die Erwartung des Frühlings in der türkischen Politik

21. März, Newroz und die Erwartung des Frühlings in der türkischen Politik

Wenn es eine Reinigung in der Politik geben soll, wird das natürlich einige Menschen stören. Aber die eigentliche Gefahr besteht nicht darin, sich zu stören, sondern sich an den Verfall zu gewöhnen.

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Wird der Frühling wiederkommen?

Das ist die Frage.

Der 21. März ist nicht nur ein Datum im Kalender. Es ist das Erwachen der Natur, das Atmen der Erde, der Rückzug der Dunkelheit. Newroz ist das Symbol für Erneuerung, Auferstehung und Freiheit. Es geht also nicht nur um die Jahreszeit. Es geht um eine Stimmung, eine soziale Schwelle, eine Mentalität.

Wir wollen uns erinnern.

Bei den Präsidentschaftswahlen 2023 lautete eines der wichtigsten Versprechen “Der Frühling wird wiederkommen”. Dies war nicht nur ein Wahlslogan. Es war die gesammelte Sehnsucht der Gesellschaft, die in einen Satz verwandelt wurde. Die Sehnsucht nach einer sauberen Politik, die Suche nach einer verbindenden Sprache, das Bedürfnis nach Hoffnung in einer Gesellschaft, die der Spannungen müde ist. Kemal Kılıçdaroğlu wurde damals als Träger dieses Gefühls angesehen. Als eine Figur, die verschiedene Segmente um dieselbe Hoffnung versammelt und die Erwartung des Frühlings repräsentiert.

Wo stehen wir also heute?

Heute sehen wir, dass nicht nur die Regierung, sondern auch die Hauptopposition und sogar kleine Oppositionsstrukturen in dieselbe harte, schmutzige und ätzende politische Sprache hineingezogen werden. Das Problem ist nicht mehr nur, wer regiert. Das Problem ist, dass die Politik als Ganzes ihren Wert verloren hat.

Denn Politik ist nicht nur ein Kampf um Macht. Sie ist auch eine Frage der Moral. Sie ist eine Frage des Stils. Es ist eine Frage der Grenzen. Es geht um den Anstand, anderen nicht das anzutun, was man sich selbst nicht antun möchte. Wenn dieser Boden schwindet, schwindet auch das Vertrauen der Gesellschaft in das Wort und in die Wahlurne. Die Menschen wenden sich dann nicht nur von den Politikern ab, sondern auch von der Politik selbst.

Um es klar zu sagen.

Wenn es eine Reinigung in der Politik geben soll, wird das natürlich einige Menschen stören. Aber die eigentliche Gefahr besteht nicht darin, dass man sich daran stört, sondern dass man sich an den Verfall gewöhnt. Denn der Verfall kommt nicht mit einem Mal. Zuerst verschlechtert sich die Sprache. Dann geht das Maß verloren. Dann normalisiert sich alles. Das ist genau das, was wir institutionellen Verfall nennen. Nicht nur die Abnutzung der Strukturen, sondern auch die Erosion der Werte von innen heraus.

Daher ist der Schutz der Institutionen keine trockene Verteidigung der Bürokratie. Es ist die Verteidigung des Rückgrats des Landes. Das ist Patriotismus.

Natürlich ist dieser Kampf nicht einfach. Aber die Geschichte lehrt uns immer das Gleiche. Selbst der härteste Winter hält nicht ewig an. Daran erinnert uns Newroz. Auch wenn sich die Dunkelheit ausdehnt, hört das Leben unter der Erde nicht auf. Es sammelt sich in aller Stille, sammelt Kraft, und wenn die Zeit gekommen ist, kommt es an die Oberfläche.

Nun steht die Frage erneut im Raum.

Wird der Frühling wiederkommen?

Die Antwort auf diese Frage liegt nicht nur in den Händen der Politiker. Sie liegt auch nicht nur an der Wahlurne. Die Antwort liegt in der moralischen Haltung der Gesellschaft, in dem Mut, die Wahrheit zu verteidigen, in dem Willen, sich nicht dem Verfall hinzugeben.

In diesem Sinne wünsche ich mir, dass Newroz nicht nur ein Fest ist, sondern ein Aufbruch.

Frohes Newroz.

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