HALKWEBAutorenWo steht die Türkei in diesem Krieg?

Wo steht die Türkei in diesem Krieg?

Die Türkei ist aufgrund ihrer geografischen Lage ein Land, das im Zentrum von Kriegen steht.

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In den letzten Jahren ist die Welt erneut in eine schwierige Phase eingetreten. Der Krieg in der Ukraine geht weiter, das Gleichgewicht im Nahen Osten verschiebt sich ständig, und die Spannungen zwischen Iran und Israel sind an einem Punkt angelangt, an dem sie jeden Moment in eine neue Krise umschlagen könnten. In einer solchen Situation stellt sich häufig die Frage: Wo steht die Türkei in diesen Kriegen?

Die Türkei ist heute nicht an einem Krieg im klassischen Sinne beteiligt. Sie befindet sich weder an der Front im Krieg in der Ukraine noch ist sie direkt in die großen Spannungen im Nahen Osten verwickelt. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Türkei von den Konflikten ausgeschlossen ist. Aufgrund ihrer geografischen Lage ist die Türkei ein Land, das im Zentrum von Kriegen steht.

Während sich Russland und die Ukraine im Schwarzen Meer streiten, ist die Türkei Eigentümerin der Meerenge. Dank des Übereinkommens von Montreux versucht sie, das Gleichgewicht zu wahren, indem sie die Durchfahrt von Kriegsschiffen begrenzt. Gleichzeitig spielt sie als eines der wenigen Länder, die sowohl mit Moskau als auch mit Kiew sprechen können, die Rolle einer diplomatischen Brücke.

An den südlichen Grenzen ergibt sich ein völlig anderes Bild. Die Auswirkungen des jahrelangen Bürgerkriegs in Syrien wirken sich immer noch unmittelbar auf die Sicherheitspolitik der Türkei aus. Die Türkei unterhält eine Militärpräsenz an der Grenze und beobachtet die Entwicklungen in der Region genau. Auch die Entwicklungen im Nordirak sind nach wie vor eines der wichtigsten Themen auf Ankaras Sicherheitsagenda.

Angesichts der großen Spannungen im Nahen Osten versucht die Türkei häufig, eine Politik des Ausgleichs zu verfolgen. Sie hat die Beziehungen zum Iran nicht vollständig abgebrochen, sie hat die diplomatischen Kanäle zu Israel trotz gelegentlicher Spannungen nicht geschlossen, und als NATO-Mitglied bleibt sie Teil des westlichen Bündnisses. Dies bringt die Türkei manchmal in eine schwierige Lage: Sie muss sowohl ein regionaler Akteur sein als auch sich so weit wie möglich von der Konfrontation der Großmächte fernhalten.

Und genau dort steht die Türkei: Nicht an der Spitze, sondern direkt daneben.

Es ist nicht einfach, sich in dieser Geografie völlig aus Kriegen herauszuhalten. Die Politik der Türkei in den letzten Jahren basierte jedoch eher darauf, nicht direkt am Krieg teilzunehmen, so viel wie möglich auszugleichen und wenn nötig eine diplomatische Rolle zu übernehmen.

Dies ist vielleicht die schwierigste Position in der heutigen Welt: Der Versuch, in einer von Kriegen geprägten Welt so weit wie möglich eine Partei des Friedens zu bleiben.

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