Ich mache mir keine Sorgen um das Auto. Mein Problem ist: Warum ist es so schwer, in diesem Land sicher zu leben?
Heute schaue ich auf den Preis eines Autos. Ich will, dass es sicher ist. Ich verlange nicht viel; ich will nicht, dass es bei einem Unfall in zwei Teile zerbricht, ich will, dass der Airbag funktioniert, ich will nicht, dass es ins Schleudern gerät. Wenn man sich den Aufkleber ansieht, wird einem klar, dass man nicht das Auto, sondern den öffentlichen Anteil kauft; der Preis des Fahrzeugs tritt in den Hintergrund.
Wir müssen uns auch mit der Steuerfrage selbst befassen. Heute haben die Steuersätze für Kraftfahrzeuge bereits die Grenze zur “Besteuerung von Luxuskonsum” überschritten. Je nach Hubraum und Bemessungsgrundlage können die Mehrwertsteuersätze für Kraftfahrzeuge bei 70 % beginnen und bis zu 150-200 % betragen. Und damit nicht genug: Nach der Mehrwertsteuer wird auch noch die Umsatzsteuer erhoben. Mit anderen Worten: Die Steuer wird nicht auf das Fahrzeug, sondern auf die Steuer erhoben. Daraus ergibt sich folgendes Bild: Die Steuerlast wächst, nicht das Fahrzeug selbst. Damit wird Sicherheit zu einem teuren, schwer zugänglichen Privileg.
Wir wissen, wie wir an diesen Punkt gelangt sind. In den frühen 2000er Jahren gab es eine Kfz-Steuer, aber sie war nicht so wie heute. Die Steuersätze stiegen im Laufe der Jahre, die Bemessungsgrundlagen wurden nicht aktualisiert. Die Steuerklassen blieben bestehen; als die Preise stiegen, verwandelte sich das System in eine Maschine, die automatisch mehr Steuern abzog. Noch immer heißt es: ’Wir besteuern den Luxuskonsum“. Für die meisten Menschen in der Türkei, vor allem außerhalb der Großstädte, ist ein Auto jedoch kein Luxus, sondern ein Mittel, um zur Arbeit zu fahren, Kranke zu besuchen und das Leben zu erhalten.
Es ist nicht nur eine Frage des Geldes, sondern eine Frage des Lebens. Denn es sind immer noch 20-30 Jahre alte Fahrzeuge im Verkehr. Die Karosserie ist müde, die Sicherheitsausrüstung ist fast nicht vorhanden. Die Folgen sehen wir in schweren Unfällen. Aber jedes Mal kommen die gleichen Worte in Umlauf: Geschwindigkeit, Unachtsamkeit, Schicksal. Keiner stellt die Frage genug: Warum müssen diese Menschen diese Fahrzeuge noch fahren? Die Antwort ist einfach: Weil das sichere Fahrzeug nicht zugänglich ist.
In Europa ist diese Debatte bereits abgeschlossen. Airbags, elektronische Stabilitätssysteme und grundlegende Crashsicherheit sind keine Frage der Präferenz oder des “Top-Pakets”, sondern gesetzlicher Standard. Es wird nicht über das Vorhandensein von Sicherheit diskutiert, sondern über deren Niveau. In der Türkei basieren der Gebrauchtwagenmarkt und die Fahrzeugpräferenzen immer noch auf der Frage, ob das Auto ESP (Elektronisches Stabilitätsprogramm) hat und wie viele Airbags es hat. Während Sicherheit in Europa als Grundvoraussetzung akzeptiert wird, ist sie in der Türkei immer noch Teil des Preises.
Außerdem werden die in der Türkei für Neufahrzeuge eingeführten Sicherheitsnormen nicht rückwirkend auf ältere Fahrzeuge angewandt. Mit anderen Worten: Das Fehlen moderner Sicherheitssysteme in einem 15-20 Jahre alten Fahrzeug reicht nicht aus, um dieses Fahrzeug aus dem Verkehr zu ziehen. Bei der Fahrzeuginspektion wird nicht darauf geachtet, ob das Fahrzeug Sie bei einem Unfall schützt, sondern ob es auf der Straße laufen kann. Wenn die Bremse hält, das Lenkrad sich drehen lässt und der Gurt nicht gerissen ist, besteht es die Inspektion. Mit anderen Worten: Ein Fahrzeug, das die Inspektion besteht, ist nicht “sicher”, es ist nur “legal”.
Hier ist es notwendig, ein wenig aus meiner Sicht über das Thema zu sprechen. Ich bin Facharzt für plastische Chirurgie und gehöre zu den Ärzten, die mit Patienten mit Gesichtsverletzungen in der Notaufnahme zu tun haben. Ich sehe also nicht die Statistiken der Verkehrsunfälle, sondern die Ergebnisse. Bei Unfällen mit ähnlichen Geschwindigkeiten und unter ähnlichen Bedingungen stelle ich eindeutig fest, dass es signifikante Unterschiede in der Schwere des Traumas gibt zwischen Patienten, die ein Fahrzeug mit hohem Sicherheitsniveau verlassen, und Patienten, die ein altes und unsicheres Fahrzeug verlassen.
Dieser Unterschied ist kein Zufall, sondern das Ergebnis der Karosserietechnik des Fahrzeugs, seiner Fähigkeit, Aufprallenergie zu absorbieren, und seiner grundlegenden Sicherheitssysteme.
Natürlich wird es Steuern geben. Dagegen habe ich nichts einzuwenden. Aber wenn die Steuerpolitik die Menschen dazu zwingt, ein riskanteres Leben zu führen, sprechen wir nicht mehr nur über Wirtschaft. Es gibt hier eine ethische Grenze. Ein sicheres Leben ist kein Privileg. Es ist keineswegs ein Luxus. Es ist ein Recht.
Wenn das Überleben im Straßenverkehr in diesem Land immer noch von so viel Geld abhängt, ist das nicht nur eine Frage von Fahrfehlern.
Das Problem ist die Kluft zwischen dem, was legal ist, und dem, was sicher ist.
