Rojava ist mehr als der Name einer Geografie, es ist eine Wunde im Gewissen der Menschheit; es ist auch der Name des Widerstands, der Hoffnung und des Willens zum Zusammenleben.
In den Ländern des Nahen Ostens, die seit Jahrhunderten von Blut, Verleugnung und Herrschaft geprägt sind, hat sich Rojava wie eine Stimme erhoben, die ruft, dass die Völker gemeinsam und gleichberechtigt ihr eigenes Schicksal gestalten können. Diese Stimme wurde vor allem durch die historischen Leiden des kurdischen Volkes gestärkt, aber sie wurde zur Stimme nicht nur der Kurden, sondern aller, die in diesen Ländern leben, die Gerechtigkeit und Freiheit wollen und von einem ehrenhaften Leben träumen.
Was heute in Rojava verteidigt wird, ist nicht nur ein Stück Grenze oder ein Modell der Staatsführung. Was dort verteidigt wird, ist die Möglichkeit eines Lebens, in dem das Sprechen in der eigenen Muttersprache nicht als Verbrechen angesehen wird, in dem der Wille der Frauen nicht ignoriert wird, in dem Glaube und Identität nicht als Bedrohung angesehen werden.
Es ist die Ehre eines Volkes, das selbst inmitten von Bomben, Embargos und Isolation versucht, das Lächeln von Kindern zu schützen. Rojava ist wie eine kleine Kerze, die inmitten der Dunkelheit angezündet wird. Sie mag die Welt nicht allein erhellen, aber sie macht das Gesicht aller sichtbar, die um sie herum stehen.
Das kurdische Volk trägt seit Jahrhunderten die Last der Teilung und Verleugnung mit sich herum. Jeder Schritt, der in Rojava unternommen wird, ist Ausdruck eines durch diese schwere Geschichte gefilterten Wunsches nach Freiheit. Dieser Kampf ist jedoch nicht nur ein kurdischer Kampf. Er ist eine Lebenserfahrung, in die die gemeinsame Arbeit und die Kosten von Arabern, Assyrern, Armeniern, Turkmenen und vielen anderen Völkern eingeflossen sind. Deshalb ist jede Hand, die sich nach Rojava ausstreckt, eigentlich eine Hand, die die Menschheit sich selbst reicht.
Was Rojava heute am meisten braucht, ist der Klang der Solidarität und nicht der Lärm der Waffen, ein Wort der Ermutigung und nicht das Geflüster der Verzweiflung. Wo auch immer auf der Welt, jeder, dessen Herz gegen Ungerechtigkeit schlägt, “Du bist nicht allein” gesehen und gehört zu werden. Ein Brief, eine Erklärung, ein Gedicht, eine Stellungnahme... Manchmal ist alles, was ein Volk zum Überleben braucht, zu wissen, dass es gesehen und gehört wurde.
Der Widerstand in Rojava erinnert uns daran: Völker können Wege zum Zusammenleben finden, wenn sie es wollen, selbst unter schwierigsten Bedingungen. Zu schweigen bedeutet daher, diese Möglichkeit der Dunkelheit zu überlassen.
Zu sprechen, zu schreiben, zu unterstützen bedeutet, diese kleine Kerze mit unseren Händen gegen den Wind zu schützen. Dem kurdischen Volk und allen Völkern, die in Rojava Seite an Seite stehen, Moral zu geben, bedeutet, unsere eigene Zukunft zu schützen.
Denn wenn Rojava fällt, ist es nicht nur eine Region, “Eine andere Welt ist möglich” die sagt: "Wir haben einen gemeinsamen Traum", wird ebenfalls leiden. Es liegt in unser aller Verantwortung, diesen Traum am Leben zu erhalten
