Das größte Handicap der türkischen Politik liegt nicht in den Fehlern der Regierung, sondern im mangelnden Mut der Opposition. Die CHP, die etablierteste Partei des Landes, ist zu einem institutionellen Beispiel für diesen Mangel an Mut geworden. Eine Partei, an die die Menschen ihre Hoffnungen knüpfen wollen, schmilzt aufgrund interner Berechnungen, Cliquen und persönlicher Interessen schnell dahin; sie löst sich von der Gesellschaft ab.
Heute hat die CHP-Führung aufgehört, ein politischer Geist zu sein, der sich an den Bedürfnissen des Volkes orientiert; sie hat sich in eine Klubstruktur eines engen Kreises verwandelt, der versucht, sich selbst zu schützen. Sie schöpft ihre politische Energie nicht aus der Opposition gegen die Regierung, sondern aus ihrem eigenen internen Kampf. Der Verlierer dieses Kampfes ist jedes Mal die Türkei.
Die größte Ironie ist folgende: Dieses Land sucht nach Gerechtigkeit, es sucht nach sauberer Politik, es will, dass der Staat seine Moral zurückgewinnt... Gerade jetzt ist die Fahne der “sauberen Politik”, die die CHP tragen sollte, in den Händen der Regierung befleckt.
Rentnerische Beziehungen, Versprechungen hinter verschlossenen Türen, dubiose Ernennungen innerhalb der Partei - all das führt zum gleichen Ergebnis: Das öffentliche Vertrauen schwindet.
Diese Partei verhält sich weiterhin so, als sei nichts geschehen, während sie zusieht, wie Millionen von Menschen, die ihre Hoffnungen auf eine von Kemal Kılıçdaroğlu vertretene Linie der Gerechtigkeit und Moral gesetzt hatten, ihr den Rücken kehren. Als ob die Müdigkeit der Gesellschaft sie nicht interessiere... Als ob ihre eigenen Sitze wertvoller seien als die Zukunft des Landes...
Was die Türkei heute braucht, sind Rechenschaftspflicht, Transparenz und eine Opposition, die mit dem Staatsdenken verbunden ist. Die CHP-Führung ist nicht nur unfähig, dies zu leisten, sondern auch damit beschäftigt, den Verfall in sich selbst zu verbergen. Sie gibt ein unorganisiertes, ineffektives und richtungsloses Bild ab, um die Last der Regierung zu erleichtern.
Dass eine politische Partei sich so sehr von ihrer eigenen Geschichte entfremdet und sich so weit von ihrer eigenen Basis entfernt, ist nicht nur ein politischer Fehler, sondern ein Verbrechen an der Verantwortung für das Land. Denn wenn die Opposition zusammenbricht, geht dem Land die Luft aus. Die Menschen, die Gerechtigkeit suchen, werden keine Stimme mehr haben.
Was die CHP heute erlebt, ist keine Wahl, es ist eine Erschöpfung. Aber der Name dieser Erschöpfung ist nicht Erneuerung; sie ist die Verkörperung eines moralischen und politischen Verfalls.
Die Türkei mag vergessen haben, was saubere Politik bedeutet, aber es sind nicht die Menschen, die es vergessen haben. Es sind die Menschen, die zum Vergessen gebracht wurden... Diejenigen, die sie vergessen lassen wollen, sind offensichtlich.
Und das darf nicht vergessen werden:
Saubere Politik wird eines Tages in diesem Land wieder zu Ehren kommen. Vor allem dort, wo diejenigen, denen die Luft ausgegangen ist, aufgehört haben...
