Das Scheitern in der Politik beginnt oft nicht mit einer falschen Politik, sondern mit einer falschen Wahrnehmung der Realität. Die größte Bedrohung für die Machthaber ist nicht die Opposition; sie ist überhaupt keine Kritik. Die wirkliche Bedrohung ist die Entstehung eines Umfelds, das die Wahrheit nicht sagen kann oder darf. Denn wo die Wahrheit zum Schweigen gebracht wird, verkümmert der Reflex des Regierens.
Der Hauptgrund für die Führungskrisen in den politischen Institutionen und insbesondere in den Kommunalverwaltungen sind heute die geschlossenen Kaderstrukturen, die auf Loyalität und nicht auf Leistung basieren. Diese Strukturen schützen den Manager nicht, sondern entfremden ihn im Gegenteil von der Realität.
Gegen diesen Punkt wird oft ein starker Einwand vorgebracht:
“Politik kann ohne Loyalität nicht funktionieren. Der Führer muss einen loyalen Kader um sich haben, dem er vertrauen kann.”
Auf den ersten Blick erscheint dieser Einwand vernünftig. Schließlich ist Politik ein Machtkampf und Entscheidungsprozesse können ohne ein Vertrauensverhältnis nicht funktionieren.
Allerdings gibt es hier einen entscheidenden Unterschied, der absichtlich übersehen wird:
Loyalität und Schweigen sind nicht dasselbe.
Vertrauen wird mit Menschen aufgebaut, die die Wahrheit sagen können, nicht mit denen, die Missstände verbergen. Ein Umfeld, das nur die Informationen weitergibt, die ihm gefallen, schützt die Führungskraft nicht, sondern verleitet sie zu Fehlern. Mitarbeiter, die nicht die Wahrheit sagen können, sind nicht loyal, sie sind dysfunktional.
In Strukturen, die von loyalem Personal dominiert werden, wird die kritische Vernunft systematisch ausgeschaltet. Technische, rechtliche und finanzielle Warnungen “Unvereinbarkeit” als ein Problem. Dies verhindert, dass Probleme in einem frühen Stadium gelöst werden. Krisen werden aufgeschoben, wachsen und werden schließlich unbeherrschbar. Die Macht scheint noch zu bestehen, aber die Fähigkeit zur Bewältigung wird stillschweigend ausgehöhlt.
Ein anderer Einwand behauptet, er sei realistischer:
“Verdienst ist ein schönes Ideal, aber in diesem Land ist es nicht anwendbar. In der Politik geht es auch um Macht.”
Genau aus diesem Grund ist Leistung kein Ideal, sondern eine Notwendigkeit. Jede Struktur, die kein Machtgleichgewicht schafft, macht die Macht destruktiv. Verdienst ist kein Element, das den Manager schwächt, sondern eine Versicherung, die ihn vor Fehlern schützt. Wo die Macht nicht begrenzt ist, wird das öffentliche Interesse unhaltbar.
Eine saubere, ehrliche und dauerhafte Politik ist in Strukturen möglich, die Kritik institutionalisieren und nicht unterdrücken. Mitarbeiter, die die Wahrheit sagen können, sind nicht der Rivale des Herrschers, sondern seine größte Stütze. Offenheit, Transparenz und Verdienst sind nicht nur eine moralische, sondern auch eine administrative Verpflichtung.
Es ist daher notwendig, Folgendes klar zu sagen:
Der Sturz einer Regierung beginnt nicht an der Wahlurne.
Sie beginnt dort, wo die Wahrheit zum Schweigen gebracht wird.
Macht ist vorübergehend.
Aber das richtige Personal, der richtige Geist und die richtige Moral sind von Dauer.
