HALKWEBTagesordnungNach Ata, Mattia und Atlas, die bittere Realität in der Türkei: Wer treibt Kinder in die Kriminalität?

Nach Ata, Mattia und Atlas, die bittere Realität in der Türkei: Wer treibt Kinder in die Kriminalität?

Nach Ansicht von Soziologen ist der größte Faktor, der Kinder zu Straftaten ermutigt, die “Suche nach Zugehörigkeit”.”

Dilek Bozkurt - Während die Türkei durch den Verlust junger Menschen wie Ata Emre Akman, Mattia Ahmet Minguzzi und Atlas Çağlayan erschüttert wird, wächst die Gefahr, dass Kinder zu Verbrechen ermutigt werden. Was sind die soziologischen und kulturellen Hintergründe dieser Tragödien? Experten erklären, wie Familien und die Gesellschaft auf diesen stummen Schrei hören sollten.

Die öffentlichkeitswirksamen Vorfälle, bei denen junge Menschen wie Mattia Ahmet Minguzzi und Atlas Çağlayan ums Leben kamen, brachten das Problem, dass Kinder in die Kriminalität hineingezogen und dazu ermutigt werden, in der Türkei wieder ganz oben auf die Tagesordnung. Wie also wird ein Kind zur Zielscheibe krimineller Netzwerke? Experten verweisen auf den soziologischen Zusammenbruch, die kulturelle Degeneration und die unkontrollierte digitale Welt.

Ist das Gefühl der Zugehörigkeit kriminellen Gruppen anvertraut?

Nach Ansicht von Soziologen ist der größte Faktor, der Kinder zu Straftaten ermutigt, die “Suche nach Zugehörigkeit”. Kinder, die keine gesunde Kommunikation innerhalb der Familie aufbauen können, in der Schule dem Mobbing durch Gleichaltrige ausgesetzt sind oder in wirtschaftlich benachteiligten Vierteln aufwachsen, suchen nach “alternativen Familien”, in denen sie akzeptiert werden.

Transformation der Nachbarschaftskultur: Die “Nachbarschaftskontrolle”, die früher dem Schutz der Kinder diente, wurde durch Ghettokulturen ersetzt, in denen Kriminalität romantisiert wird.
Wirtschaftliche Ungerechtigkeit: Der Wunsch, Geld zu verdienen, setzt das Konzept der Arbeit schnell außer Kraft und macht Kinder zu leichten Zielscheiben für kriminelle Netzwerke.

Kulturelle Erosion und “Ästhetisierung der Gewalt”

Der Wandel in unserer kulturellen Struktur ebnet den Weg für eine Generation, die Gewalt als Lösung ansieht. Experten fassen die Rolle der Populärkultur in diesem Prozess wie folgt zusammen:
“Die Darstellung der ‘kriminellen’ Figur als mächtig, reich und unantastbar in Fernsehserien, Songtexten und Trends in den sozialen Medien macht Kriminalität in den Köpfen der Kinder zu einem Lebensstil. Kriminalität wird nicht mehr als Quelle der Scham wahrgenommen, sondern als ‘Statussymbol’.”

Neue Adresse der Straftat

Das Internet hat sich zu einem “Personalbüro” für kriminelle Netzwerke entwickelt. Spielplattformen, anonyme Chatrooms und kurze Videoinhalte werden genutzt, um Kinder zu manipulieren, zu erpressen oder sie in illegale Aktivitäten zu lenken. Vor allem Werbeanzeigen, die “leichtes Geld” versprechen, laden Kinder zum ersten Schritt auf dem Weg in die Kriminalität ein.

Was sagen die Experten? Wo ist die Lösung?

Experten für kindliche Entwicklung und Kriminologen empfehlen einen dreistufigen Plan, um dies zu verhindern:

Frühförderungssysteme: Früherkennung von Risikokindern in Schulen und obligatorische Familienberatungsdienste.
Digitale Alphabetisierung: Aufklärung nicht nur der Kinder, sondern auch der Eltern über die Gefahren der digitalen Welt.

Rechtliche Abschreckung: Es wird argumentiert, dass Erwachsene, die zu Straftaten ermutigen, viel härter bestraft werden sollten als die vom Kind begangene Straftat.

Könnte Ihr Kind in die Kriminalität getrieben werden?

Cybercrime-Netzwerke und Straßenbanden “rekrutieren” Kinder, oft ohne dass ihre Eltern davon wissen. Nach Ansicht von Experten sind diese 5 Verhaltensänderungen bei Kindern von entscheidender Bedeutung:

1. materielle Einkünfte ungewisser Herkunft
Wenn Ihr Kind neue Kleidung, die neuesten Accessoires oder ein immer höheres Taschengeld hat, sollten Sie aufpassen! Kriminelle Gruppen bieten zunächst kleine finanzielle Belohnungen an, um Kinder für das System zu gewinnen. Wenn er/sie nicht erklären kann, woher diese Ausgaben kommen, gerät er/sie möglicherweise in eine Spirale von “Schulden” oder “Dienstleistungen”.

2. neuer und geheimnisvoller Freundeskreis
Das größte Signal ist der “Abschied von alten Freunden”. Wenn Ihr Kind mehr Zeit mit Menschen verbringt, die viel älter sind als seine Altersgenossen, oder wenn es Leute mit Codenamen im Telefonbuch oder in den sozialen Medien sieht, kann dies ein Zeichen für einen Gruppeneffekt sein.

3. digitaler Datenschutz und Nachtschichten
Das plötzliche Ausschalten des Computer- oder Telefonbildschirms, wenn Sie den Raum betreten, und die Überreaktion auf Ihren Zugriff auf ihre Geräte sind möglicherweise keine normale “Teenager-Privatsphäre”. Insbesondere die Intensität der anonymen Messaging-Anwendungen kann ein Hinweis auf Anweisungen von außen sein.

4. radikaler Wandel der Sprache und der Umgangssprache
Wenn Sie anfangen, Begriffe aus kriminellen oder illegalen Subkulturen zu verwenden (Kurierjargon, Wettbegriffe oder eine neue Sprache, in der Gewalt gepriesen wird), die Sie zu Hause noch nie gehört haben, ist dies ein Beweis für den Kontakt mit dieser Kultur.

5. emotionale Distanzierung und übermäßige Aggression
Kriminelle Netzwerke manipulieren Kinder oft mit der Botschaft, dass “deine Familie dich nicht versteht, dass wir deine wahre Familie sind”. Wenn Ihr Kind sich von zu Hause zurückzieht, wütend auf Regeln reagiert und sich zurückzieht, füllen möglicherweise andere die emotionale Leere.

 

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