Der Nahe Osten steht durch den Angriff der USA und Israels auf den Iran am Rande eines großen Krieges. Die Entscheidungen, die die Staaten in solch kritischen Momenten treffen, sind nicht nur diplomatische Entscheidungen, sondern auch eine Notiz in der Geschichte. In diesem Zusammenhang ist die Haltung Spaniens, dass es nicht zulassen wird, dass die Stützpunkte auf seinem Territorium für diesen Angriff genutzt werden, eine äußerst bemerkenswerte und wichtige Entwicklung.
Natürlich gibt es keine Garantie dafür, dass sich diese Haltung nicht morgen ändern wird; Spanien ist Mitglied der NATO. Es wäre jedoch ein großer Fehler, diese Haltung heute zu unterschätzen. Denn einer der wichtigsten Pfeiler imperialistischer Kriege ist die militärische und logistische Unterstützung durch verbündete Länder.
SCHMERZHAFTE ERFAHRUNGEN UND SOZIALES GEDÄCHTNIS
Die Entscheidung Spaniens ist nicht nur eine Entscheidung der Regierung, sondern auch das Ergebnis einer tiefen gesellschaftlichen Erinnerung. Nachdem die Regierung Aznar 2003 die Invasion des Irak unterstützt hatte, hinterließen die Anschläge von Madrid (11. März) einen unauslöschlichen Eindruck in der öffentlichen Meinung Spaniens. Heute schränken die Stimmen des “Nein zum Krieg”, die auf den Straßen Madrids zu hören sind, den Handlungsspielraum der Regierung ein, während sie ihr gleichzeitig einen moralischen Panzer verleihen. Dies beweist, dass die Verteidigung des Friedens nicht nur ein Schachspiel zwischen Staaten ist, sondern ein Damm, der durch den Willen der Völker errichtet wird.
LOGISTISCHE KOMPLIZENSCHAFT UND EIN LAND, DAS “NEIN” SAGT
Wenn ein Angriff auf ein Land geplant ist, kann der Krieg nicht nur von den eigenen Streitkräften des Angreiferstaates geführt werden. Dafür werden Stützpunkte, Flugplätze und Häfen benötigt. Es darf nicht vergessen werden, dass der Stützpunkt, von dem aus eine Rakete aufgetankt wird oder Radarunterstützung erhält, ebenso an dem Angriff schuld ist wie der Ort, von dem aus sie abgefeuert wird.
Genau aus diesem Grund stellt die Fähigkeit eines Landes, aufzustehen und zu sagen “Ich mache da nicht mit”, einen äußerst wichtigen Riss in der scheinbar festen Mauer der imperialistischen Politik dar. Die Fähigkeit eines Staates zu sagen: “Dieser Angriff ist völkerrechtswidrig” hat das Potenzial, eine Bresche in den Panzer der sogenannten “internationalen Legitimität” zu schlagen.
SIND UNTERSCHIEDLICHE HALTUNGEN INNERHALB DER NATO MÖGLICH?
Obwohl die NATO oft als ein einheitlicher Block wahrgenommen wird, stimmen die Interessen der Länder in Wirklichkeit nicht immer überein. Wenn sich ein Land vom Krieg distanziert, kann dies andere Länder zu der Frage veranlassen: “Warum sollten wir uns an diesem Krieg beteiligen?”. Wenn sich diese Fragen häufen, gerät die imperialistische Kriegsmaschinerie ins Stocken.
WAS WIRD DIE TÜRKEI TUN? AUFRICHTIGKEITSTEST VON DER RHETORIK ZUM HANDELN
An diesem Punkt richtet sich der Blick natürlich auf die Türkei. Als Mitglied der NATO wird die Türkei mit ihrer Haltung in einem solchen Szenario eine entscheidende Rolle auf internationaler Ebene spielen.
Insbesondere die Regierung von Recep Tayyip Erdoğan bedient sich eines Diskurses, der sich über eine “antiimperialistische Linie” definiert. Doch wie sehr dieser Diskurs der Realität entspricht, wird gerade in solchen kritischen Momenten getestet. Antiimperialismus wird nicht dadurch konstruiert, dass man in den Versammlungssälen auf das Podium schlägt, sondern dadurch, dass man einen Tankwagen auf der Route von Kriegsflugzeugen anhält, Radarschirme verdunkelt oder Stützpunkte schließt. Das Verhalten der Türkei wird der deutlichste Indikator für die Aufrichtigkeit ihres Diskurses sein.
Es ist bekannt, dass die strategischen Stützpunkte der Türkei, wie Incirlik, bereits US-Atomsprengköpfe beherbergen. Ob diese Stützpunkte im Falle eines möglichen iranischen Angriffs genutzt werden oder nicht, wird der konkreteste Indikator für die Position Ankaras sein, nicht nur in Worten, sondern auch in Taten.
EINE LEKTION FÜR DIE VÖLKER DER WELT
Heute gibt es überall auf der Welt viele ausländische Militärstützpunkte. Wenn die Länder jedoch den einfachen Grundsatz “Unser Territorium wird nicht für Angriffe auf andere Völker genutzt” anwenden würden, wäre die Welt ein viel besserer Ort zum Leben. Das heutige Verhalten Spaniens ist ein konkretes und mutiges Beispiel für diesen Grundsatz.
JA, vielleicht wird sich diese Haltung morgen ändern, der Druck wird sich durchsetzen. Aber die folgenden Worte, die heute gesprochen wurden, sind eine Notiz in der Geschichte: “Wir werden uns nicht an diesem Angriff beteiligen.”
Die Geschichte bewahrt die mutige Handschrift derjenigen, die vor den Giganten “Stopp” sagen können, nicht nur derjenigen, die auf der Seite der Mächtigen schweigen.
Salim Diyap

