Der wirtschaftliche Zusammenbruch der Türkei, die zunehmende Armut, das unqualifizierte Bildungswesen, das marktorientierte Gesundheitssystem und eine Justiz, die das Vertrauen verloren hat, sind nicht das Ergebnis einfacher Verwaltungsfehler, sondern einer systematischen politischen Entscheidung. Dieses Bild ist nicht zufällig. Im Gegenteil, es ist das Ergebnis einer Ordnung, die durch die bewussten Präferenzen der politischen Macht geformt und durch die Passivität der Opposition verstärkt wird.
Während die Regierung die Massen durch eine Politik, die die wirtschaftliche Fragilität aufrechterhält, in Schulden, Hilfe und Abhängigkeitsverhältnissen hält, hat sie die Rechenschaftspflicht de facto abgeschafft, indem sie die institutionellen Kontrollmechanismen geschwächt hat. Die ungerechte und intransparente Verteilung der öffentlichen Mittel ist nicht nur ein Problem der Regierungsführung, sondern auch ein Mittel zur Erzeugung politischer Loyalität. In diesem System ist die Armut nicht das Ergebnis, sondern eine Form der Verwaltung.
Anstatt ein Programm zur radikalen Veränderung dieser Struktur vorzulegen, zieht es die Opposition vor, ihre Existenz in einem kontrollierten Feld der Opposition aufrechtzuerhalten. Eine Oppositionspraxis, die sich auf harte Rhetorik beschränkt, aber die wirtschaftlichen und geopolitischen Orientierungen des Systems nicht berührt, verhindert, dass die Ordnung auf eine echte Alternative stößt. Auf diese Weise ist die Politik nicht mehr der Ort, an dem Lösungen gefunden werden können, sondern wird auf ein Mittel zur Konsolidierung der Wählerschaft durch gegenseitige Polarisierung reduziert.
Diese Ordnung lässt sich nicht allein durch innenpolitische Dynamiken erklären. Die regionale Positionierung der Türkei, ihre sicherheitsorientierte Politik und ihre asymmetrischen Beziehungen zu den globalen Machtzentren ermöglichen es der derzeitigen Struktur, in einem Rahmen zu funktionieren, der mit dem imperialen System vereinbar ist. Wirtschaftliche Abhängigkeit, ein fragiles, auf ausländischer Finanzierung basierendes Wachstumsmodell und geopolitische Verhandlungen erzeugen einen wechselseitigen Mechanismus, der den Autoritarismus im Inland und die Abhängigkeit im Ausland vertieft. In diesem Sinne ist das entstehende Bild nicht nur eine Krise auf nationaler Ebene, sondern auch eine politische Wirtschaftsordnung, die mit globalen Machtverhältnissen verknüpft ist.
Die Regierung profitiert von dieser Struktur, während die Opposition nicht den Willen zeigt, mit ihr wirklich zu brechen. Die Verlierer sind die breiten Schichten der Bevölkerung. Kleine Krisen und identitätsbedingte Spannungen machen den täglichen Kampf um den Lebensunterhalt von Millionen von Menschen unsichtbar; die Wut wird eher in Parteinahme als in strukturelle Veränderungen kanalisiert.
Sozialer Wohlstand und Demokratisierung sind nicht möglich, wenn dieses Rad nicht durchbrochen wird, d.h. wenn nicht sowohl die Regierungspraxis als auch die Politik der bequemen Opposition radikal in Frage gestellt wird.
Das Problem ist nicht nur der Machtwechsel, sondern die ganzheitliche Überwindung dieser mit imperialen Abhängigkeitsverhältnissen verflochtenen politisch-ökonomischen Ordnung.
Ahmet Kilic

