Die Geschehnisse in Rojava und Aleppo sind keine unverbundenen Krisen des Nahen Ostens; es handelt sich um denselben politischen Geist, dieselben Formen der Beherrschung und dieselbe Politik der Verleugnung, die in unterschiedliche Stadien gebracht wurden. Während die Landkarten neu gezeichnet werden und sich die Machtverhältnisse ständig verschieben, gibt es eine Sache, die unverändert bleibt: Es ist das kurdische Volk und die werktätigen, armen und sprachlosen Völker dieser Geographie, die den Preis dafür zahlen. Die Politik der Staaten, die unter den Begriffen “Sicherheit”, “Überleben” und “Stabilität” geführt wird, hat das Recht der Kurden auf Leben, politischen Willen und Zukunft einmal mehr zur Disposition gestellt.
Rojava ist nicht nur ein Teil des syrischen Bürgerkriegs, sondern eine der konkretesten politischen und sozialen Erfahrungen, die das kurdische Volk in einer über ein Jahrhundert währenden Geschichte der Staatenlosigkeit gemacht hat. Das Streben nach lokaler Selbstverwaltung, der Anspruch auf ein egalitäres und identitätsübergreifendes Leben, die neuen sozialen Beziehungen, die unter der Führung von Frauen aufgebaut wurden, sind trotz aller Unzulänglichkeiten Ausdruck des kurdischen Willens zur Selbstbestimmung. Dieser Wille wird jedoch systematisch durch die historisch bedingten antikurdischen Gefühle der Regionalstaaten und das Interessenkalkül der globalen Mächte untergraben. Jeder Schritt in Rojava wird an den Sicherheitsdoktrinen Ankaras, den Verhandlungstischen Moskaus und den temporären Allianzen Washingtons gemessen und nicht an den Bedürfnissen des Volkes.
Für das kurdische Volk ist Aleppo nicht nur der Name für Zerstörung, sondern auch für politische Isolation. Während jahrelange Belagerungen, Bombardierungen und Zwangsmigrationen die Stadt in ein Wrack verwandelt haben, sind die Kurden zwischen den Regimen, der Opposition und den Contra-Gangster-Kräften gefangen. Die Ereignisse in Aleppo haben deutlich gezeigt, dass der Krieg nicht nur mit Waffen, sondern auch mit Ignoranz und Schweigen geführt wird. Wenn es um das Leben der Kurden geht, hat die internationale Gemeinschaft entweder geschwiegen oder das Thema nur unter dem Gesichtspunkt geopolitischer Interessen betrachtet.
Die Hauptverbindungslinie zwischen Rojava und Aleppo ist der systematische Ausschluss des kurdischen Volkes als politisches Subjekt. Wenn Sicherheitsbegründungen, Definitionen von Terrorismus und Berechnungen der Einflusssphäre Vorrang vor der Gleichheit, der Freiheit und dem Recht auf Koexistenz der Völker haben, entsteht kein Frieden, sondern ein Zustand ständiger Krise. In der kurdischen Geographie bereitet jede neue militärische Intervention, jedes neue Bündnis, anstatt eine Lösung zu bringen, den Boden für neue Zerstörungen.
Aus der Sicht der Türkei ist das Bild nicht anders. Seit Jahren werden die Entwicklungen jenseits der Grenze als Verlängerung der Innenpolitik behandelt, und die kurdische Frage wurde auf eine reine Sicherheitsfrage und nicht auf ein demokratisches und politisches Problem reduziert. Doch so wie die Zerstörung von Aleppo Syrien nicht stabilisiert hat, bringt jeder neue Angriff auf Rojava der Türkei keine Sicherheit. Im Gegenteil, die fehlende Lösung vertieft sich und die Gewalt wird zum Dauerzustand.
Heute schreit jede Bombe, die in Rojava fällt, jedes zerstörte Gebäude in Aleppo, jeder getötete Kurde einmal mehr die grundlegendste Wahrheit des Nahen Ostens heraus: Keine politische Gleichung, die das kurdische Volk ignoriert und seinen Willen unterdrückt, kann von Dauer sein. Militärische Überlegenheit ist vorübergehend; Grenzen können mit Gewalt geschützt, Städte besetzt werden. Aber ohne Gerechtigkeit, Freiheit, politische Vertretung und gleiche Bürgerrechte ist weder Frieden noch Stabilität möglich. Wenn diese Realität ignoriert wird, können diejenigen, die heute als Gewinner dastehen, nicht verhindern, dass sie morgen zu den Verlierern gehören.
Die grundlegende Frage, die man sich stellen muss, wenn man über Rojava und Aleppo spricht, ist diese: Wann werden die Kurden aufhören, ein Druckmittel für die Großmächte zu sein? Wann wird eine Stadt nicht nur als strategische Position, sondern auch als lebendige, widerständige und fordernde Gesellschaft gesehen? Solange diese Fragen unbeantwortet bleiben, wird das Feuer, das in der kurdischen Geographie brennt, nicht nur die Kurden, sondern früher oder später die gesamte Region verschlingen. Denn jede Ordnung, die auf Leugnung beruht, reproduziert schließlich ihre eigene Krise.
