HALKWEBTagesordnungFatma Nur Çelik und ihre Tochter Hifa İkra: Das tragische Ende der Suche nach Gerechtigkeit

Fatma Nur Çelik und ihre Tochter Hifa İkra: Das tragische Ende der Suche nach Gerechtigkeit

Diese Tragödie zeigt einmal mehr auf schmerzliche Weise, wie unverzichtbar der Laizismus, das Grundprinzip der Republik, ist.

In der Türkei werden Frauen und Kinder angesichts von sexuellem Missbrauch und häuslicher Gewalt systematisch vernachlässigt. Unzureichende Schutzmechanismen, Verzögerungen bei Gerichtsverfahren und sozialer Druck führen die Opfer bei ihrer Suche nach Gerechtigkeit oft in eine Sackgasse. Der Fall, bei dem es um den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs der Tochter von Ayhan Şengüler, der Leiterin der Qur'an Service Foundation, geht, ist zu einem der eindrucksvollsten und beschämendsten Beispiele für diese schmerzliche Realität geworden.

Fatma Nur Çelik dokumentierte den Missbrauch, dem ihre Tochter seit ihrem dritten Lebensjahr ausgesetzt war, mit medizinischen Berichten und konkreten Beweisen in ihrem jahrelangen Kampf. Unter Hinweis darauf, dass sie selbst in jungen Jahren ähnlicher Gewalt ausgesetzt war und gezwungen wurde, den Täter zu heiraten, begann Çelik eine Mahnwache für Gerechtigkeit vor dem anatolischen Gerichtsgebäude, nachdem der Angeklagte ohne Untersuchungshaft verurteilt worden war. Während dieses Prozesses berichtete sie der Öffentlichkeit von ihren wirtschaftlichen Schwierigkeiten, den Drohungen und der schweren psychischen Belastung. Besonders auffallend war ihre folgende Aussage: “Wenn mir etwas zustößt, sagen Sie nicht Selbstmord.” Diese Aussage spiegelte unmittelbar die tiefe Angst, Einsamkeit und Hilflosigkeit wider, die sie erlebte.

Am Abend des 3. März 2026 wurden die leblosen Körper der Mutter Fatma Nur Çelik (30) und ihrer 8-jährigen Tochter Hifa İkra Şengüler am Strand von Istanbul Zeytinburnu Kazlıçeşme gefunden. Obwohl die Art des Vorfalls noch nicht bestätigt wurde, hat die Vorwarnung von Çelik in der Öffentlichkeit den Verdacht auf Mord aufkommen lassen. Das Trauma, unter dem sie seit Jahren leidet, die Tatsache, dass ihre Bitten um Schutz nicht erfüllt wurden und die Suche nach Gerechtigkeit erfolglos blieb, sind die wichtigsten Elemente dieser Tragödie.

Dieser Fall spiegelt die weite Verbreitung von Fällen von Femizid und Kindesmissbrauch im Lande wider. Die unzureichende Umsetzung von Schutzanordnungen, Verzögerungen bei den Ermittlungen, die Isolierung der Opfer und die unzureichende Auswertung der Beweise ebnen den Weg dafür, dass sich ähnliche Vorfälle wiederholen. Kinder, die Opfer von Missbrauch werden, und die Mütter, die versuchen, sie zu verteidigen, geraten in lebensbedrohliche Situationen, wenn sie nicht ausreichend geschützt und unterstützt werden.

Diese Tragödie zeigt einmal mehr schmerzlich, wie unverzichtbar der Säkularismus, das Grundprinzip der Republik, ist. Säkularismus bedeutet, dass der Staat jedes Individuum gleichermaßen schützt, unabhängig von allen Glaubensgruppen und Sekten, dass die Justiz auf wissenschaftlichen und unparteiischen Grundlagen beruht und dass die Rechte von Frauen und Kindern keiner religiösen Struktur oder Auslegung unterworfen werden. Die Nachlässigkeit, die Straflosigkeit und der fehlende Schutz, die in Fällen mit Sektenbezug zu beobachten sind, sind unmittelbare Folgen der Erosion der säkularen Rechtsordnung. Die Sicherheit des Lebens von Frauen und Kindern kann nur in einem egalitären, säkularen und republikanischen Rahmen gewährleistet werden, in dem der Staat die Religions- und Gewissensfreiheit schützt und keine Glaubensgemeinschaft bevorzugt.

Im Vorfeld des 8. März, dem Internationalen Tag der arbeitenden Frauen, erinnert uns dieser Vorfall einmal mehr daran: Die Rechte von Frauen und Kindern können nur durch rasche, faire und wirksame Gerichtsverfahren, starke Schutzmechanismen, soziale Sensibilität und eine entschlossene Haltung gegen Gewalt geschützt werden. Die Verhinderung von Femiziden und Kindesmissbrauch erfordert eine kollektive Verantwortung und einen radikalen Systemwandel, der über individuelle Bemühungen hinausgeht.

In diesem schmerzhaften Prozess gibt es keine andere Möglichkeit, Fatma Nur Çeliks Stimme Gehör zu verschaffen und zu verhindern, dass sich ähnliche Tragödien wiederholen, als unsere Forderung nach Gerechtigkeit, Gleichheit und einer Zukunft ohne Gewalt zu erheben. Die Wiederinkraftsetzung der Istanbul-Konvention als eines der umfassendsten internationalen Instrumente zur Verhinderung von Gewalt gegen Frauen und Kinder ist nach wie vor von großer Bedeutung, da nur ein wirksamer Rahmen, der auf den egalitären und rechtlichen Grundsätzen der säkularen Republik beruht, solche Nachlässigkeit und Straflosigkeit ausmerzen kann.

Badem Çamöz

DAS KÖNNTE SIE INTERESSIEREN