Die Türkei ist ein Land, in dem die bloße Verurteilung zu einem politischen Reflex geworden ist.
Die Verurteilung ist ein billiges Ritual, das die Ordnung nicht stört, keine Verantwortung übernimmt, vorübergehend das Gewissen entlastet, aber kein strukturelles Problem berührt. In Zeiten der Krise sind harte Urteile, gefolgt von Verurteilungen und “Empfindlichkeit” Ihre Betonung führt weder zu Gerechtigkeit noch zu Lösungen. Er hält nur die bestehende Ordnung aufrecht.
Genau aus diesem Grund geht es nicht mehr darum, was verurteilt wird, sondern darum, wer und was geschützt und unangetastet bleibt.
In der Türkei “Kurdenfrage” In Wirklichkeit ist das, was man die Kurdenfrage nennt, kein Problem, das von den Kurden selbst ausgeht. Das eigentliche Problem ist das strukturelle Problem, das von der politischen Mentalität erzeugt wird, die die Kurden ständig zu einem Sicherheitsproblem, einem Krisenelement und einem politischen Instrument macht. Das Problem liegt nicht in der Identität, sondern in der Mentalität, die Identität verwaltet, unterdrückt und instrumentalisiert.
Seit vielen Jahren wird dieses Thema durch Reflexe gesteuert, die in Krisenzeiten ausgelöst werden, anstatt einen echten Willen zur Lösung zu zeigen. Harte Erklärungen, gefolgt von Verurteilungen und “Empfindlichkeit” Betonungen haben weder den sozialen Frieden gestärkt noch den politischen Boden verbreitert. Im Gegenteil, jede Wiederholung hat das Problem noch hartnäckiger werden lassen.
Wenn man dieses Thema heute nur aus der Perspektive der Innenpolitik betrachtet, verkennt man den Wandel, den die Welt durchmacht. Die neue Weltordnung wird auf Identitäten, ethnischen Zugehörigkeiten und sozialen Bruchlinien aufgebaut. Im Nahen Osten sind ethnische Fragen nicht mehr nur lokale Probleme, sondern strategische Themen im globalen Machtkampf. Die Türkei kann nicht vorankommen, ohne diese Realität anzuerkennen.
Für die Republikanische Volkspartei geht es in dieser Frage nicht darum, einen gewöhnlichen politischen Standpunkt einzunehmen. Die CHP hat in der Vergangenheit jedes Mal ihre Fähigkeit verloren, Lösungen für die kurdische Frage zu finden, wenn sie zwischen der staatlichen Tradition und der demokratischen Transformation gefangen war. Kein Problem, das in der Sicherheitssprache des Staates gesprochen wird, kann mit demokratischen Methoden gelöst werden.
Im Kern ist die Kurdenfrage viel mehr als eine Identitätsdebatte. Es ist eine Frage der gleichen Staatsbürgerschaft, der Rechtsstaatlichkeit und der Gerechtigkeit. Der Hauptgrund für die Verschärfung des Problems ist die systematische Erosion des Vertrauens der Bürger in den Staat. Wo es kein Vertrauen gibt, gibt es weder Einheit noch sozialen Zusammenhalt.
In der neuen Weltordnung werden diejenigen Länder überleben, die ihren inneren Frieden durch Recht und nicht durch Unterdrückung herstellen können. Politische Systeme, die ihre Legitimität aus dem Recht ableiten, und nicht Strukturen, die ihre Macht aus der Verweigerung ableiten, werden dauerhaft sein. Das ist genau das, was die Türkei braucht.
Die Rolle der CHP ist hier eindeutig:
Nicht eine Politik, die das Problem verschiebt, beschönigt oder nur verurteilt, sondern eine Politik, die Verantwortung übernimmt, Lösungen erarbeitet und demokratischen Mut zeigt.
Was ist die Lösung?
Die Lösung ist schwierig, aber offensichtlich:
- Die kurdische Frage sollte nicht zum Instrument der Tagespolitik und des Krisenmanagements werden.
- Die CHP sollte eine Sprache entwickeln, die nicht mit dem Reflex des Staates, sondern mit dem Rechtsempfinden der Gesellschaft spricht.
- Der Grundsatz der gleichen Staatsbürgerschaft ist kein abstrakter Diskurs, sondern muss durch konkrete rechtliche und politische Reformen unterstützt werden.
- Die stärkste Verteidigung gegen das Spiel der globalen Mächte mit den Identitäten ist das Recht und die demokratische Legitimität, die im eigenen Land hergestellt werden müssen.
Es ist leicht, sie zu verurteilen.
Aber in der Politik geht es nicht darum, das zu tun, was einfach ist, sondern Verantwortung für das zu übernehmen, was schwierig ist.
Das ist es, was die Türkei heute braucht:
Ein politischer Geist, der löst, statt zu verurteilen.
