Gewalt gegen Frauen ist ein zerbrochener Spiegel im kollektiven Gedächtnis der Menschheit: Wenn er zerbricht, trifft seine Schärfe nicht die Frauen, sondern die Menschen selbst. Die Gesellschaft, die in diesen Spiegel blickt, sieht ihre eigene Verzerrung in der Dunkelheit der Gewalt; aber meistens entscheidet sie sich dafür, das Licht auszuschalten und die Scherben des Spiegels nicht aufzuheben.
Wo Gewalt herrscht, stirbt das Wort, denn Gewalt beginnt dort, wo sie ihre eigene Sprache bricht. Und wenn die Sprache gebrochen ist, schweigt nicht nur die Frau, sondern auch das Mitgefühl, der Verstand, das Gewissen, die Freiheit. Die Stimme, die zurückbleibt, ist nur ein modriger Wind, der durch das Herz geht - kalt, fremd und nicht einmal zu einem selbst gehörend. Doch die Stimme der Frau ist das feinste Gleichgewicht des Universums, und wenn sie verstummt, ist sogar der Rhythmus des Universums gestört, und die Frau ist sowohl die erinnernde Seite des Lebens als auch die Mahnung. Wenn sie zum Schweigen gebracht wird, verliert die Menschheit ihr Gedächtnis, nicht ihre Stimme. Denn die Freiheit der Frau ist der sauberste Satz, den sich die Menschheit selbst schreibt. In der Tat ist Gewalt gegen Frauen kein Überfluss an Macht; wenn Menschen es nicht wagen, die Dunkelheit in sich selbst zu erkennen, versuchen sie, die Ketten dieser Dunkelheit um die Handgelenke anderer zu wickeln. In diesem Moment erwürgt man seine eigene Menschlichkeit, nicht die Freiheit eines anderen.
Die Frage der Philosophie lautet:
“Warum müssen wir die Existenz einer Person unterdrücken?”
Die Antwort auf diese Frage ergibt sich aus der Geschichte der Angst vor der Macht. Deshalb ist die Sprache der Gewalt nicht die Sprache der Macht, sondern die Sprache des Mangels an Macht.
Wahre Macht beginnt nicht damit, die Freiheit eines anderen zu unterdrücken, sondern damit, die Leere in sich selbst zu erkennen. Der Geist, der zu Gewalt greift, versucht jedoch, das Licht der anderen Frau auszulöschen, anstatt sich mit seiner eigenen Unzulänglichkeit auseinanderzusetzen. Gewalt gegen Frauen ist also nicht einfach ein sozialer Defekt, sondern eine kranke Allianz zwischen dem Menschen und seiner inneren Dunkelheit. Jede Gewalt, die von einem Mann gegen einen Mann ausgeübt wird, ist ein Bruch. Aber Gewalt gegen Frauen ist wie ein kollektiver Riss im Spiegel der Menschheit.
Dieser Riss wächst in dem Maße, wie man ihn ignoriert; in dem Maße, wie er wächst, verwundet er nicht nur die Frau, sondern auch die Seele der Gesellschaft mit seinen scharfen Kanten. Anstatt sich der Leere in sich selbst zu stellen, glaubt der Mensch, dass er existiert, indem er die Freiheit eines anderen bricht. Der Mann, der die Frau gebrochen hat, um seiner eigenen Unzulänglichkeit zu entkommen, hat nicht die Stimme, sondern das Gedächtnis der Menschheit zum Schweigen gebracht. .
Man muss wissen, dass das wahre Ziel der Gewalt gegen Frauen nicht die Frau ist, sondern der Wunsch, das Gute im Menschen selbst zu töten. Deshalb ist jede Spur von Gewalt das schwerste Siegel, das die Menschheit sich selbst auferlegt. Deshalb ist Gewalt gegen Frauen nicht nur ein Verbrechen, sondern ein ontologischer Verrat: Sie ist das falsche Bestreben des Geistes, der versucht, seine eigene Existenz zu vervollständigen, indem er versucht, eine andere Existenz zu vermindern.
Wenn die Menschheit durch den Schmerz der Frauen auf die Probe gestellt wird, verliert die Geschichte ihre Sonne und verwandelt sich in einen Abend, der von Wunden erhellt wird. Wenn die Stimme der Frauen zum Schweigen gebracht wird, vergisst die Welt nicht zu sprechen, sondern zu verstehen... Das Schicksal einer Gesellschaft hängt nicht davon ab, wie sie ihre Frauen berührt, sondern davon, wie ihre Frauen existieren können, ohne berührt zu werden.
Die Beseitigung der Gewalt gegen Frauen erfordert nicht nur eine Änderung der Gesetze, sondern auch eine Änderung des Denkens, der Sprache und der Gewohnheiten.
Ein wirklicher Wandel beginnt in dem Moment, in dem eine Gesellschaft die Frau als gleichberechtigtes und vollwertiges Subjekt anerkennt und nicht als ein “zu schützendes Wesen”.
Und vielleicht das Wichtigste:
Das Ende der Gewalt ist nicht der Moment, in dem die Frauen befreit werden, sondern der Moment, in dem der Mensch mit seinem eigenen Gewissen und seiner Moral Frieden schließt. Und in dem Moment, in dem der Mensch mit sich selbst Frieden schließt, hört er auf, zu betrügen.
Gastautor: Gürsel Karaarslan

