Das Land, in dem das Gewissen der Menschheit auf die Probe gestellt wird...
Gaza... Das größte Freiluftgefängnis der Welt ist eine der schwersten Gewissensprüfungen der Geschichte. Dieses Land, das seit Jahren durch die israelische Blockadepolitik in Atem gehalten wird, stellt das gemeinsame Gewissen nicht nur des palästinensischen Volkes, sondern der gesamten Menschheit auf die Probe. Kinder, die gezwungen sind, im Schatten von Bomben zu leben, Familien ohne Strom und Wasser auf den Straßen, ein Volk, das inmitten zerstörter Häuser neue Hoffnung schöpft... Und in all dieser Dunkelheit gibt es ein Licht, das fest steht: sumud.
Es ist ein großer Fehler, den Gazastreifen nur als einen Ort zu betrachten, auf den Bomben fallen. Gaza ist auch eine Bewusstseinslinie, an der das globale System, die imperialistische Ordnung, regionale Machtkalküle und die historischen Reflexe der Linken getestet werden. Israels Panzer und Flugzeuge sind sichtbar, aber das Schweigen, die diplomatische Heuchelei und die Interessenberechnungen, die sie ermöglichen, sind ebenso zerstörerisch wie die Waffen.
Sumud: Name des Widerstands und der Hoffnung
Sumud ist die Verbundenheit der Palästinenser mit ihrem Land, ihrer Identität und ihrer Ehre. Selbst wenn ihre Häuser abgerissen werden, legen sie wieder Steine auf Steine, selbst wenn ihre Olivenbäume gefällt werden, schlagen sie wieder Wurzeln, halten sie die Hoffnung in den Augen ihrer Kinder lebendig... Das ist Sumud. Dieser Widerstand, der in den engen Straßen von Gaza, im Schatten der Bomben, inmitten von Hunger und Armut gedeiht, ist eine Lehre für die Menschheit: Unterdrückung kann mit Tyrannei herrschen, aber sie kann die Hoffnung nicht zum Schweigen bringen.
Sumud ist nicht nur eine Form des Widerstands gegen die israelische Besatzung. Es ist auch eine stille, aber unerschütterliche Ablehnung jedes Verständnisses, das das palästinensische Volk instrumentalisiert und es zum Objekt des strategischen Kalküls anderer macht. Das palästinensische Volk akzeptiert weder, Objekt der Besatzung zu sein, noch zum Material von Stellvertreterkriegen zu werden, die unter dem Namen “Unterstützung” geführt werden.
Aktuelles Bild von Palästina 2026
Heute, im Jahr 2026, ist die Lage in Palästina immer noch ernst. Die israelische Blockade- und Besatzungspolitik hat die Wirtschaft des Gazastreifens zum Erliegen gebracht, die Infrastruktur zerstört, das Gesundheitssystem lahmgelegt und Arbeitslosigkeit und Armut auf den Höhepunkt getrieben. Nach Angaben der Palästinensischen Behörde der Vereinten Nationen liegt die Arbeitslosenquote in Gaza bei über und die Jugendarbeitslosigkeit nähert sich . Strom- und Wasserausfälle sind an der Tagesordnung, in den Krankenhäusern fehlt es an grundlegenden Medikamenten und Versorgungsgütern, und die Kinder sind gezwungen, mit Hunger und psychologischen Traumata aufzuwachsen.
Die politische Spaltung zwischen Hamas und Fatah schwächt den Einfluss Palästinas auf der internationalen Bühne. Das Schweigen der Weltgemeinschaft und die Ineffizienz der internationalen Organisationen lassen eine Zweistaatenlösung in immer weitere Ferne rücken. Doch trotz all dieser ungünstigen Umstände ist die Hoffnung des palästinensischen Volkes ungebrochen. Der Stein des Kindes, das Gebet der Mutter, der Widerstand der Jugend ist das gemeinsame Erbe der gesamten Menschheit.
Hamas und Iran: Palästina zwischen Widerstand und Stellvertreter
Die heutige palästinensische Realität lässt sich nicht allein durch die israelische Besatzungspolitik erklären. Die von der Hamas im Gazastreifen errichtete politisch-militärische Struktur und die regionalen Strategien des Iran sind zu Faktoren geworden, die das Schicksal des palästinensischen Volkes unmittelbar beeinflussen. Die Hamas behauptet zwar, den Widerstand zu vertreten, ist aber nicht in der Lage, ein langfristiges und umfassendes politisches Zukunftsprogramm vorzulegen, das das zivile Leben des palästinensischen Volkes schützt. Dieser Ansatz, der den bewaffneten Widerstand verabsolutiert, dient als Rechtfertigung für die unverhältnismäßige Gewalt, die Israel anwendet, und die Bevölkerung von Gaza zahlt den Preis dafür.
Für den Iran ist die palästinensische Frage oft keine Frage der moralischen Solidarität, sondern ein Mittel im regionalen Machtkampf. Die Forderung des palästinensischen Volkes nach Freiheit wird für das geopolitische Kalkül Teherans mit Washington und Tel Aviv instrumentalisiert. Sumoud ist jedoch die Ehre eines Volkes, das sich weigert, Bauern auf dem Schachbrett anderer Mächte zu sein.
Die Verbindung zwischen Arafat und der türkischen Linken
Das Vermächtnis von Jassir Arafat wirft ein Licht auf den heutigen palästinensischen Kampf. Arafat war nicht nur ein Führer, sondern auch ein internationales Symbol für die palästinensische Identität und den Widerstand. Für die türkische Linke war Arafat eher eine Figur der Solidarität als der ideologischen Verbundenheit. In den 1970er und 1980er Jahren betrachtete die sozialistische Bewegung in der Türkei die palästinensische Sache als einen universellen Kampf gegen Imperialismus und Unterdrückung. Dieser Ansatz war eine Quelle der Inspiration und der Kritik, insbesondere für die jüngeren Generationen.
Deniz Gezmiş und das palästinensische Erbe
In diesem Zusammenhang gewinnt die Beziehung von Deniz Gezmiş und seinen Freunden zum palästinensischen Kampf an Bedeutung. Für Deniz Gezmiş, Hüseyin İnan und Yusuf Aslan war Palästina nicht nur eine ferne Geografie, sondern Teil eines universellen Widerstands gegen Imperialismus und Besatzung. Die jungen Revolutionäre in der Türkei nahmen sich den Widerstand des palästinensischen Volkes trotz Panzern und Bomben zum Vorbild und sahen diesen Widerstand als Symbol für ihren eigenen antiimperialistischen Kampf. Die Sympathie von Deniz Gezmiş für Palästina ist das historische Gewissen der türkischen Linken in ihrer Tradition der internationalen Solidarität.
Die vorsichtige Haltung der türkischen Linken heute
Heute jedoch ist die türkische Linke in ihrer Haltung zu Palästina meist vorsichtig und passiv. Botschaften in den sozialen Medien, Erklärungen und Veranstaltungen beruhigen zwar das Gewissen, sind aber kein Ersatz für konkrete Politik. Die Kinder von Gaza, die Familien, deren Häuser zerstört wurden, die arbeitslosen und hoffnungslosen Jugendlichen können nicht von vorsichtiger Diplomatie leben. Sumud wendet sich an die türkische Linke: Passivität ist nicht länger eine Option, um die Menschenwürde zu verteidigen.
Der türkische Staat, Diskurse und Widersprüche
Die Palästina-Politik der Türkei ist von lauten moralischen Diskursen geprägt; diese Diskurse stehen jedoch in tiefem Widerspruch zu den wirtschaftlichen, militärischen und diplomatischen Beziehungen zu Israel. Die Palästina-Frage wird oft zu einem Instrument der innenpolitischen Mobilisierung; eine dauerhafte und prinzipienfeste internationale Drucklinie kann nicht aufgebaut werden. Dieser Widerspruch zwingt die türkische Linke dazu, eine konsequente und prinzipielle Palästina-Linie unabhängig vom Staat zu etablieren.
Aktuelle Anschläge und die Krise der Menschheit
Zu dem, was heute in Gaza geschieht, zu schweigen, bedeutet, dem gemeinsamen Erbe der Menschheit den Rücken zuzukehren. In den letzten Monaten sind durch Luftangriffe und Grenzverletzungen Hunderte von Zivilisten getötet worden. Aus Berichten der Vereinten Nationen geht hervor, dass Kinder und medizinisches Personal zur Zielscheibe geworden sind. Israels Panzer, Flugzeuge und Mauern mögen vorübergehend sein, aber der Sumud, den die Palästinenser in ihren Herzen tragen, ist dauerhaft.
Trump und der Traum vom “Luxusbau”: Die Sprache des Neokolonialismus
Donald Trumps Ansatz des “luxuriösen Wiederaufbaus nach der Zerstörung” in Gaza ist die unverhüllteste Form des modernen Imperialismus. In dieser Perspektive sind die Palästinenser nicht das Subjekt; sie sind entweder Hindernisse oder Dekoration. Das Land wird von der Heimat eines Volkes in ein Immobilienprojekt des globalen Kapitals verwandelt. Dieses Verständnis zeigt deutlich, dass die Besatzung nicht nur eine militärische, sondern auch eine wirtschaftliche und kulturelle Liquidierung ist.
Die Notwendigkeit einer konkreten Solidarität
Die türkische Linke muss heute den Geist der internationalen Solidarität konkretisieren, den die Deniz Gezmişs in der Vergangenheit vertreten haben. Die Sympathie für Palästina darf sich nicht auf Slogans beschränken. Solange kein politischer Druck, keine öffentliche Meinungsbildung, keine echte Solidarität mit internationalen linken Netzwerken und keine humanitären Unterstützungsmechanismen aufgebaut werden, wird Sumud zu einem romantischen Wort verkommen.
2026 und die Infragestellung der türkischen Linken
Im Jahr 2026 muss die Palästina-Politik der Linken in der Türkei einer ernsthaften Prüfung unterzogen werden. Diskurse, Erklärungen und Wünsche verlieren ihre Bedeutung, wenn sie nicht in konkrete Politik umgesetzt werden. Der Schrei von Gaza appelliert an das Gewissen Anatoliens: Die Menschen können aus ihrem Land gerissen und aus ihren Häusern vertrieben werden, aber sie werden niemals die Hoffnung aufgeben.
Schlussfolgerung: Sumud, Universelles Erbe
Sumoud ist also nicht nur der Widerstand Palästinas, sondern der ganzen Menschheit. Für die Linke in der Türkei ist dies nicht länger eine ideologische Entscheidung, sondern eine historische und moralische Verpflichtung. Gegen Unterdrückung zu schweigen, ist keine Neutralität. Sumoud ist nicht das Erbe eines Volkes, sondern das gemeinsame Erbe der Menschheit.
Dieses Erbe, das sich von Gaza bis Anatolien erstreckt, wie Deniz Gezmiş uns erinnert, fordert die Linke in der Türkei nicht nur zum Denken, sondern auch zum Handeln auf. Denn der Kampf für Freiheit, Gerechtigkeit und Menschenwürde ist die Aufgabe der ganzen Welt, nicht nur einer Region.
