Seit dem letzten Viertel des 20. Jahrhunderts hat das kapitalistische Weltsystem eine historische Schwelle erreicht. Jahrhunderts hat das kapitalistische Weltsystem eine historische Schwelle erreicht. Diese Schwelle ist nicht nur eine wirtschaftliche Schrumpfung oder ein finanzieller Aufruhr; sie ist der Name einer systemischen Krise, in der die Produktionsverhältnisse, die Klassenstrukturen, die Staatsformen und die internationalen Machtverhältnisse eine radikale Veränderung erfahren haben. Der Expansionszwang des Kapitalismus ist so tiefgreifend geworden, dass er nicht mehr durch die Suche nach neuen Märkten gelöst werden kann; die Beschleunigung der Kapitalakkumulation hat die Ungleichheit im Weltmaßstab verschärft; das Monopolkapital ist zu einer Macht über die Nationalstaaten geworden. Daher sind die heutigen Konflikte kein Wettbewerb zwischen Staaten im klassischen Sinne, sondern ein Versuch der globalen Kapitalmonopole, die Weltgeographie neu zu ordnen.
Der offensichtlichste Indikator für diese strukturelle Krise ist das historisch beispiellose Ausmaß der Einkommensungleichheit. Die Tatsache, dass des Welteinkommens auf der Weltbevölkerung entfallen und dass nur %7 dieser aus lokalen, kollaborierenden Eliten besteht, zeigt, wie sehr sich die Klassenstruktur des Kapitalismus verengt hat. Dieses Bild ist die zeitgenössische Entsprechung von Marx’ Gesetz der ’Zentralisation des Kapitals’. Das Kapital ist in immer weniger Händen konzentriert; diese Minderheit kontrolliert nicht nur die wirtschaftliche Macht, sondern auch den politischen und ideologischen Apparat. Aus diesem Grund sind die Staaten heute zu Instrumenten geworden, die die Interessen des Monopolkapitals und nicht die der Völker vertreten. Der Klassencharakter des Staates richtet sich nicht mehr nach den Bedürfnissen der nationalen Bourgeoisie, sondern nach denen der globalen Kapitalmonopole.
Hier zeigt sich der grundlegende Charakter des Dritten Weltkriegs der Teilhabe. Dieser Krieg ist kein Krieg der Nationen, sondern ein Krieg der Klassen. Genauer gesagt handelt es sich um einen Umverteilungskampf zwischen dem Monopolkapital und seinen regionalen Kollaborateuren. Dass der Nahe Osten im Zentrum dieses Krieges steht, ist nicht nur auf den Reichtum an Energieressourcen zurückzuführen, sondern auch auf die Tatsache, dass die Region historisch gesehen die Einflusssphäre der imperialistischen Mächte gewesen ist. Mächte wie die USA, die EU, Russland und China haben Maßnahmen ergriffen, um die Energielinien, die Handelswege und die politischen Regime in der Region nach ihren eigenen Interessen neu zu ordnen. Diese Neuordnung wird zwar vordergründig mit Begriffen wie “Demokratie”, “Menschenrechte” und “Kampf gegen den Terrorismus” legitimiert, ist aber im Kern eine Operation zum Schutz der Interessen des Monopolkapitals.
Ein weiterer entscheidender Aspekt dieses Krieges sind Stellvertreterkriege. Anstatt einen direkten Konflikt zu führen, führt das Monopolkapital Krieg, indem es regionale Kollaborateurklassen und die von ihnen kontrollierten Staaten einsetzt. Aus diesem Grund sind die Konflikte im Nahen Osten nicht das Spiegelbild der Völker, sondern der Interessenkonflikte der globalen Kapitalmonopole. Die Besetzung des Irak, der Zerfall Syriens, die Zerstörung des Jemen, die ständige Belagerung Palästinas, die Eindämmung des Iran, die Neudefinition der regionalen Rolle der Türkei sind allesamt Fronten des Dritten Krieges der Teilung. Diejenigen, die an diesen Fronten kämpfen, sind die Völker, aber die wahren Kriegsparteien sind die monopolkapitalistischen Kräfte.
Die strukturelle Krise des Kapitalismus hat nicht nur im Nahen Osten, sondern weltweit zu einer Autorisierung der politischen Regime geführt. Denn in dem Maße, wie sich die Kapitalakkumulation vertieft, wird die Demokratie zu einem Hindernis für das Kapital. Wenn die Forderungen der Völker den Interessen des Kapitals widersprechen, setzt der Staat seinen Repressionsapparat in Gang. Aus diesem Grund ist der Aufstieg autoritärer Regime in vielen Teilen der Welt heute die politische Konsequenz der Krise des Kapitalismus. Um seine Interessen zu schützen, schwächt das Monopolkapital die demokratischen Mechanismen, errichtet eine ideologische Hegemonie durch Medienmonopole, stärkt den Sicherheitsapparat und unterdrückt die Fähigkeit der Völker, sich zu organisieren.
Dieser Prozess hat auch die Struktur der Arbeiterklasse radikal verändert. Das traditionelle Industrieproletariat ist mit der Automatisierung und Digitalisierung der Produktion geschrumpft; an seine Stelle ist ein neues Proletariat getreten, das prekär, flexibel, fragmentiert und unorganisiert ist. Neue Formen der Arbeit wie Plattformarbeit, Subunternehmertum und Telearbeit haben die Arbeiterklasse unsichtbarer, verletzlicher und fragmentierter gemacht. Diese Situation hat die Kontrolle des Monopolkapitals über die Arbeiterklasse verstärkt, die gewerkschaftliche Organisation geschwächt und zur Auflösung des Klassenbewusstseins geführt. Gleichzeitig hat sie aber auch die Grundlage für eine neue internationale Klassensolidarität geschaffen, da sie einen gemeinsamen Mechanismus der Ausbeutung auf globaler Ebene geschaffen hat.
Eine weitere Dimension des Dritten Weltkriegs ist die finanzielle Ausbeutung. Das Finanzkapital trennt sich von der Produktion und macht durch Spekulationen riesige Gewinne; es kontrolliert Staaten und Völker durch Verschuldungsmechanismen. Der IWF, die Weltbank, die Ratingagenturen und die internationalen Finanzmonopole wirken wie eine unsichtbare Regierung, die die Wirtschaftspolitik der Länder bestimmt. Aus diesem Grund ist die wirtschaftliche Unabhängigkeit vieler Länder praktisch verschwunden; die nationale Souveränität ist entsprechend den Interessen des Finanzkapitals neu definiert worden. Diese Situation bildet die wirtschaftliche Front des Dritten Weltkriegs.
All diese Prozesse zeigen, dass der Kapitalismus historisch blockiert ist. Das System ist nicht mehr in der Lage, seine inneren Widersprüche zu lösen; der Expansionszwang lässt keinen anderen Ausweg zu, als neue Kriegsgebiete zu schaffen. Aus diesem Grund wird das Monopolkapital, wenn die Umverteilung im Nahen Osten abgeschlossen ist, sein Augenmerk auf Afrika richten. Die riesigen natürlichen Ressourcen Afrikas, seine junge Bevölkerung und seine für die Ausbeutung offene Struktur werden die Bühne für den vierten Teilungskrieg sein. Dieser Krieg wird kein kurzfristiger Konflikt sein, sondern ein langer Kampf um die Vorherrschaft, der zweihundert Jahre andauern wird. Denn der Expansionsraum des Kapitalismus hat sich verengt und das System ist gezwungen, neue Gebiete auszubeuten, um seine Existenz zu sichern.
Angesichts dieses Bildes ist die Aufgabe der arbeitenden Völker der Welt klar: den Kampf zu globalisieren. Wenn das Kapital globalisiert ist, muss auch die Arbeit globalisiert werden. Es ist zwingend notwendig, eine weltweite revolutionäre Linie gegen den weltweiten Angriff des Monopolkapitals zu weben. Die Überprüfung der marxistisch-leninistischen Theorie wird die theoretische Grundlage dieses Kampfes stärken. Das Verständnis der aktuellen Formen des Imperialismus, die Entschlüsselung der Mechanismen der digitalen Ausbeutung und die Analyse der neuen Formen der Proletarisierung werden die strategische Ausrichtung der revolutionären Bewegung bestimmen. Die Menschheit steht heute vor zwei Optionen: entweder Barbarei oder Sozialismus. Diese Option ist nicht länger ein Slogan, sondern eine historische Notwendigkeit.
