In der heutigen Welt wird der Krieg nicht nur mit Panzern, Flugzeugen und Raketen geführt. Der wahre Krieg wird in unsichtbaren Räumen, Datenströmen, Algorithmen, digitalen Infrastrukturen, Finanzsystemen, Kommunikationsnetzen und ideologischen Apparaten ausgetragen. Ohne die neuen Schlachtfelder des globalen Kapitalismus zu verstehen, lassen sich daher weder die Konflikte im Nahen Osten noch die großen Brüche in der Weltpolitik begreifen.
Die neue Front der wirtschaftlichen, kommerziellen und technologischen Kriegsführung ist nicht auf klassische Zölle oder Embargos beschränkt. Heute bilden Halbleiter, Infrastrukturen für künstliche Intelligenz, 5G/6G-Kommunikationsnetze, seltene Erden, Datenzentren, digitale Plattformen und Zahlungssysteme das Nervensystem des globalen Kapitalismus. Die US-Chip-Beschränkungen gegen China, die Sanktionen gegen Unternehmen wie Huawei und ZTE, Taiwans kritische Rolle in der Halbleiterproduktion, der drohende Ausschluss aus dem Bankzahlungssystem, die Finanzblockade gegen Russland, Chinas Versuch, die Hegemonie des Dollars mit seiner eigenen digitalen Währung zu brechen. All dies ist Teil eines groß angelegten Kampfes um die Wiederherstellung des globalen Kapitalkreislaufs.
Dieser Krieg wird nicht mit Panzern geführt, sondern mit Algorithmen, Datenzentren, Glasfaserkabeln, Satelliten, Modellen der künstlichen Intelligenz, Finanzströmen und Cyberangriffen. Datenleitungen sind ebenso Gegenstand des Krieges wie Energieleitungen, Halbleiter sind ebenso kritisch wie Öl, und digitale Überwachungszentren spielen ebenso eine entscheidende Rolle wie Militärbasen. Aus diesem Grund werden die Kriege, die vom globalen Kapital angezettelt werden, an der Oberfläche leise sein, aber ihre Auswirkungen werden viel tiefer sein. Ein Cyberangriff, der das Stromnetz eines Landes lahmlegt, ein Algorithmus, der das Bankensystem lahmlegt, eine Datenoperation, die den Wahlprozess manipuliert, ein Modell der künstlichen Intelligenz, das das Verhalten der Gesellschaft steuert - all dies sind die neuen Waffen der modernen Kriegsführung.
Der Kapitalkreislauf des globalen Systems funktioniert nicht mehr nur durch Waren- und Geldströme, sondern wird durch Informationen, Daten, Algorithmen und Sicherheit neu organisiert. Finanzmärkte, algorithmische Transaktionen, Hochfrequenzhandel, Schattenbankwesen, Steueroasen, Krypto-Vermögenswerte und digitale Währungen der Zentralbanken schaffen eine neue Form der Kapitalsouveränität, die die Grenzen des Nationalstaates überschreitet, aber den Staatsapparat in seinen Dienst stellt. Diese neue Form der Souveränität hat im Gegensatz zu klassischen kapitalistischen Akkumulationsmodellen eine Struktur, die sowohl die materielle Produktion als auch alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens durch Datenströme kontrolliert.
Dieser Wandel untergräbt zwar die historische Rolle des Nationalstaats, ermöglicht es aber den globalen Kapitalfraktionen, den Staatsapparat nach ihren eigenen Interessen umzugestalten. Die Staaten verwandeln sich in Mechanismen, die die Sicherheit des Kapitals und nicht die der Menschen gewährleisten sollen. Aus diesem Grund werden die internationalen Beziehungen eher auf der Achse von Geo-Ökonomie, Geotechnologie und Biopolitik (Entscheidung über den Tod durch Intubation) als auf der Achse der klassischen Diplomatie neu definiert. Bereiche wie Migrationsregime, Visapolitik, Gesundheitskrisen, Pandemien, Klimakatastrophen, Wasser- und Ernährungssicherheit werden zu Managementinstrumenten des Kapitalakkumulationsregimes.
Die ideologische Front dieser neuen Ordnung ist “Kampf der Kulturen” wird von der Rhetorik beherrscht. Der Zusammenprall der Zivilisationen wird zu einem unvermeidlichen Zusammenprall kultureller Unterschiede an der Oberfläche führen und das ständige Chaos in der Gesellschaft auf der Tagesordnung halten. Dieses Chaos und der ständige Konflikt dienen vor allem als Vorwand, um den Klassenkonflikt, die Ausbeutung, die imperialistische Vorherrschaft und die Interessenkriege der globalen kapitalistischen Fraktionen unsichtbar zu machen. Dieser Diskurs ist ein ideologischer Deckmantel, um die gemeinsamen Interessen der Völker zu zersplittern, die Klassensolidarität zu schwächen und die Wut der Unterdrückten von den wahren Zielen abzulenken. Die neuen politischen und ideologischen Dimensionen des globalen Systems konvergieren auf drei Achsen.
1. repressive neoliberale Kräfte. Ein Regime, in dem zwar weiterhin Wahlen abgehalten werden, aber alle Institutionen nach den Interessen des Kapitals umgestaltet werden, die Monopolisierung der Medien, die Politisierung der Justiz, die Schwächung der Gewerkschaften und die Kriminalisierung der Opposition werden normalisiert.
2. rassistischen und rechtspopulistischen Kräften. Die Wut der verarmten Massen richtet sich nicht gegen das Kapital, sondern gegen Einwanderer, Minderheiten, Frauen, LGBTI+ und die fiktiv geschaffenen “An ausländische Mächte” den ideologischen Kanal. Der Zorn der Menschen richtet sich nicht nach oben, sondern auf den Nachbarn von nebenan.
3. progressiv-liberale Kräfte. Eine ideologische Praxis zu verbreiten, die den Diskurs des Multikulturalismus, der Repräsentation und der Vielfalt hervorhebt, aber die Klassenungleichheiten nicht berührt und einen Raum der Legitimität innerhalb des Systems schafft.
Wenn diese drei Achsen zusammenwirken, etabliert das globale System eine Hegemonie, die sowohl repressiv als auch liberal, sowohl nationalistisch als auch kosmopolitisch erscheint. Diese scheinbar widersprüchlichen, in Wirklichkeit aber komplementären ideologischen Formen werden eingesetzt, um die Krisen der kapitalistischen Ordnung zu bewältigen, die Wut der Menschen zu kanalisieren und die soziale Opposition zu neutralisieren. In der heutigen Welt wird der Krieg nicht nur an den Fronten geführt, sondern auch in den Köpfen, auf den Bildschirmen, in den Datenströmen, in den Algorithmen und in den ideologischen Apparaten. Daher ist es unerlässlich, die neuen Schlachtfelder des globalen Kapitals zu verstehen, sowohl um die Gegenwart zu lösen als auch um die Strategie des Kampfes für die Zukunft festzulegen.
