An dem Tag, an dem Hrant Dink ermordet wurde, dachten wir, dass wir nicht nur einen Menschen, sondern auch das Gewissen dieses Landes verloren haben. Das Schweigen auf den Straßen an diesem Tag war eigentlich ein Ausdruck tiefer Scham und großer Trauer. Denn Hrant Dink war ein Mensch, der nicht mit Hass, sondern mit Worten ging, der nicht mit Angst, sondern mit Hoffnung sprach.
Sein Stift sollte niemanden verletzen, sondern Menschen zusammenbringen, die sich nicht verstanden. “Wir können in diesem Land zusammenleben” war für ihn kein Traum, sondern eine moralische Verpflichtung. Deshalb wurde er zur Zielscheibe. Aber er konnte nicht zum Schweigen gebracht werden.
Nach dem Tod von Hrant Dink wurde für die in der Türkei lebenden Armenier eine Schwelle überschritten. Gefühle, die jahrelang unterdrückt worden waren, Sätze, die im Flüsterton gesprochen worden waren, begannen offener ausgesprochen zu werden. Die Angst ist vielleicht nicht völlig verschwunden, aber der Mut ist gewachsen. Sein Tod hat ironischerweise dazu beigetragen, dass viele Menschen ihre eigene Stimme gefunden haben.
Heute sind wir an einem Punkt angelangt, an dem über Dinge gesprochen werden kann, die jahrelang für unmöglich gehalten wurden. Die wieder aufgenommenen Kontakte zwischen der Türkei und Armenien, die Gespräche über die Öffnung der Grenzen, die Annäherung der Völker... Ein armenischer Präsident, der in die Türkei reist, um dem Präsidenten nach den Wahlen zu gratulieren, war eine Szene, die in der Vergangenheit unvorstellbar gewesen wäre. Diese Schritte mögen klein sein, aber ihre Bedeutung ist enorm.
Hrant Dink wusste, dass der Frieden nicht an einem Tag kommen würde. Aber er glaubte daran, dass jedes Wort, jeder Kontakt, jeder mutige Schritt eine Spur hinterlassen würde. Heute sind diese Spuren immer noch da. Die Zukunft, von der er träumte, ist zwar unvollständig und zerbrechlich, aber sie lebt weiter.
Das Gedenken an Hrant Dink ist nicht nur das Gedenken an seinen Tod. Ihm zu gedenken bedeutet, nicht zu schweigen, sich nicht der Angst hinzugeben und den Frieden hartnäckig zu verteidigen. Denn es gibt Menschen, die auch nach ihrem Tod den Weg weisen. Hrant Dink ist einer von ihnen.
“Hrant Dink hat den Preis für den Frieden in diesem Land mit seinem Leben bezahlt, aber er hat ein Gewissen hinterlassen, das nicht zum Schweigen gebracht werden kann.”
