Die kapitalistische Moderne hat einen der größten Brüche in der Geschichte der Menschheit verursacht. Dieser Bruch lässt sich nicht nur mit wirtschaftlicher Ausbeutung erklären; es handelt sich um einen tieferen, systematischeren, spirituelleren Zusammenbruch. Das moralische Gefüge der Gesellschaft ist zerrüttet, das Individuum wurde isoliert, die Natur wurde ausgeplündert, die Frauen wurden unsichtbar gemacht, die Völker wurden gegeneinander aufgehetzt, und alle Lebensbereiche wurden von den Machtmechanismen des Staates überrollt.
Der Nationalstaat ist sowohl der Träger als auch der Beschleuniger dieses Zusammenbruchs. Mit seiner monistischen, zentralistischen und hierarchischen Struktur hat er die Gesellschaft in eine passive Masse verwandelt und den Willen der Menschen über ihr eigenes Leben systematisch beschnitten. Die globale Krise, die wir heute erleben, ist nicht nur eine wirtschaftliche, sondern auch eine soziale, kulturelle, ökologische und existenzielle. Genau an dieser historischen Schwelle erhebt sich die demokratische kommunale Moderne nicht als Wahl, sondern als Notwendigkeit vor uns, als eine Pflicht, die ihre Priorität auferlegt. Dieses Paradigma ist ein Ausweg aus dem von der kapitalistischen Moderne verursachten Verfall, den die Gesellschaft auf der Grundlage ihrer eigenen Macht entwickelt hat. Dieses Modell, das seine Wurzeln in den alten sozialen Traditionen, im jahrtausendealten Gedächtnis der moralischen und politischen Gemeinschaft hat, weist auf eine neue Lebensform hin, die nicht durch die Machtmechanismen des Staates gebunden ist.
Die Demokratisch-Kommunale Moderne basiert auf einer Gesellschaftsordnung, in der sich die Gesellschaft in allen Lebensbereichen selbst organisiert und regelt und sich stets bedarfsgerecht reproduziert. Die Eckpfeiler dieser Ordnung sind Kommunen, Genossenschaften, Volksversammlungen und der demokratische Föderalismus. Diese Struktur ist eine horizontale Organisationsform, in der die Menschen direkt über ihr eigenes Leben bestimmen. Es handelt sich um einen Regierungsstil, der das Leben und die Lebensweise zum Ausdruck bringt, indem er dem Leben und der Lebensweise durch autonome Versammlungen einen Sinn gibt, der von der lokalen Ebene ausgeht und sich auf die gesamte Gesellschaft ausbreitet, und nicht durch einen Machtmechanismus von oben nach unten. Auf diese Weise hört die Gesellschaft auf, eine passive Masse zu sein, und wird zu einem aktiven Subjekt, das sein eigenes Leben organisiert.
Eines der hervorstechendsten Merkmale dieses Paradigmas ist, dass es auf der Angleichung der Geschlechteridentitäten und einer sozialen, libertären Ordnung basiert, die vom Individuum ausgeht, um Verantwortung gegenüber der Natur und der Umwelt, in der wir leben, zu übernehmen. Im Gegensatz zum Verständnis der kapitalistischen Moderne, die die Natur als unbegrenzte Ressource und die Frau als zweitrangiges Wesen betrachtet, behandelt die demokratisch-kommunale Moderne das Leben als ganzheitliches Ökosystem. Sie akzeptiert die Freiheit der Frau als Grundlage der gesellschaftlichen Freiheit und stellt das ökologische Gleichgewicht in den Mittelpunkt des wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Lebens.
Im wirtschaftlichen Bereich wird anstelle der kapitalistischen Profitgier die Gemeindewirtschaft zur Grundlage gemacht. Dieses Wirtschaftsmodell basiert auf einer bedarfsgerechten Produktion und kollektiver Teilung. Die Vergesellschaftung der Produktionsmittel bietet eine starke Alternative zur Ausbeutung der Arbeit. So wird die Gesellschaft nicht vom Produkt ihrer eigenen Arbeit entfremdet und nimmt direkt an den Produktions- und Verteilungsprozessen teil. Im Zentrum der Demokratisch-Kommunalen Moderne steht auch die Idee der Demokratischen Nation. Dieses Verständnis von Nation sieht ethnische, religiöse, kulturelle oder Klassenunterschiede nicht als Bedrohung, sondern als sozialen Reichtum.
Im Gegensatz zum monistischen Modell des Nationalstaates kämpft es ständig darum, den Pluralismus, die freie Äußerung von Unterschieden und die Organisation des Zusammenlebens auf demokratischer Grundlage zu einem Prinzip des gesellschaftlichen Lebens zu machen. Dieses System zielt darauf ab, den bestimmenden Einfluss des Staates auf das gesellschaftliche Leben zu verringern. Denn im Laufe der Geschichte haben die Machtmechanismen des Staates dazu beigetragen, die Selbstmacht der Gesellschaft zu schwächen, sie passiv zu machen und ihre Fähigkeit zur Selbstverwaltung zu schwächen. Die demokratisch-kommunale Moderne hingegen verwandelt die Gesellschaft wieder in ein moralisches und politisches Subjekt und geht von einer demokratischen Beteiligung in allen Lebensbereichen aus.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die demokratisch-kommunale Moderne nicht nur ein Modell des Regierens ist, sondern auch ein Projekt der sozialen Transformation. Sie ist ein Ausweg aus den vielfältigen Krisen der kapitalistischen Moderne, die die Gesellschaft auf der Grundlage ihrer eigenen Macht entwickelt hat. Diese Organisationsform, die von Gemeinden bis zu Versammlungen, von Genossenschaften bis zu konföderalen Strukturen reicht, ermöglicht eine Demokratie, die von der Basis ausgeht. Dieses Modell öffnet die Türen für ein freies, egalitäres und solidarisches Leben, indem es die Beziehung zwischen dem Menschen und sich selbst, der Gesellschaft und der Natur auf moralische Grundlagen zurückführt.
